Schwäbisch Hall Das Trio des Schweizer Pianisten Colin Vallon jazzt in der Haller Hospitalkirche

Schwäbisch Hall / HANS KUMPF 21.11.2014
Mit unglaublicher Leichtigkeit hat das eidgenössische Colin-Vallon-Trio kürzlich in der Hospitalkirche angenehm Ohrengefälliges mit subtiler Geräuschhaftigkeit verbunden. Zwei Zugaben krönten das Konzert.

Zuletzt gastierte Colin Vallon mit seinem Trio im Mai 2011 beim Haller Jazzclub. Saß damals Samuel Rohrer am Schlagzeug, so fungiert jetzt beim von Haller Jazzclub und Kulturbüro veranstalteten Konzert Julian Sartorius als Drummer. Geblieben ist Patrice Moret am Kontrabass. Symptomatisch an der sehr interaktiven Musik waren vor drei Jahren bereits folkloristische Formeln ,ostinate Figuren und Riffs sowie minimalistische Muster. Zeitgemäßes vereinte sich da mit historischen Bezügen, wenn in der Manier mittelalterlicher Madrigale musiziert wurde. Der 1980 in Lausanne geborene Vallon verfremdete zudem gerne die Flügelklänge mit vielerlei Materialien.

Auch heuer hätte das Publikum wohl gerne einen Blick in das Innere des edlen Steinways erhascht, um zu sehen, mit welchem kunstvollen Krimskrams Colin Vallon gerade die Saiten massiv manipuliert - sei es ein Sinusschwingungen provozierendes Elektrogerät, diverse Holzstückchen, herkömmliche Filzschlägel oder ein schlichter Stofflappen. Brauchte der experimentierfreudige Tastenmann David Tudor des amerikanischen Avantgarde-Komponisten John Cage einst geraume Zeit, bis er endlich sein "prepared piano" eingerichtet hatte, so gelingt Vallon die akustische Umwandlung in Windeseile. Es entstehen reizvolle Sounds, welche von sich reibenden Klangbändern bis zu einem balinesischen Gamelan-Orchester reichen.

Nicht minder differenziert und dezent agieren die beiden Partner von Colin Vallon. Da zupft Patrice Moret geräuschhaft wiederholt am Steg des Kontrabasses und reibt gefühlvoll die dicken Saiten. Julian Sartorius kommt zunächst mit einem spartanisch bestückten konventionellen Drumset aus. Er traktiert die Felle und das Metall mitunter aber mit exotischen Sticks oder mit einer langen Blechdose. Auf chinesischen Klangschalen entwickelt er meditative Dauertöne und bearbeitet mal eine riesige Triangel. Ein Schlagzeug muss eben nicht zu einer "Schießbude" verkommen. Beim Soundcheck hantierte Sartorius noch auf einem Banjo, beim eigentlichen Konzert verzichtete der Schlagwerker jedoch auf den sonoren Viersaiter.

Zwischenapplaus erheischende virtuose Solokadenzen sind bei dem Schweizer Ensemble verpönt. Es zählt das kollektiv kreierte Musikprodukt, wobei man völlig ohne Notenmaterial auskommt. Oft sind bei den Kompositionen die Finalpassagen konzipiert, die wiederholt ganz abrupt enden. Zwischen betulichem Wohlklang, rockigen Rhythmen und filigraner Geräuschhaftigkeit tut sich ein abgerundeter Spannungsbogen auf. Und dies alles meist sehr leise und langsam.

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