Landwirtschaft Das Leben war schneller als das Fernsehen

Edmund Braun, Kathrin Ortlieb, Mitarbeiterin Nicole Kawalek und Doris Braun (von links) vor den neuen Arbeitspferden.
Edmund Braun, Kathrin Ortlieb, Mitarbeiterin Nicole Kawalek und Doris Braun (von links) vor den neuen Arbeitspferden. © Foto: Maya Peters
Mainhardt / Maya Peters 16.06.2018

„Wir haben es schon über viele verschiedene Medien probiert“, erzählt Landwirt Edmund Braun von der Hofnachfolgersuche über Facebook, die Website und auch andere Plattformen. Vergangenes Frühjahr klopfte dann das Fernsehen an: „Bauer gesucht“, eine neu entwickelte Sendung im süddeutschen Raum, will Familie Braun auf dem Riegenhof bei Mainhardt unterstützen. Diese lässt sich auf eine Woche Filmaufnahmen mit zwei Bewerberfamilien ein – beide voller Visionen, aber beide nicht „perfekt“ für den kleinen Demeter-Hof.

Unterstützt von Hofexpertin Petra Wähning sollen die Brauns im Herbst 2017 einen der Bewerber nach dem „Schnupperarbeiten“ heraussuchen. Bis zur Erstausstrahlung vergangenen Mittwoch dürfen sie ihre Entscheidung vom „Bauern-Casting“ nicht öffentlich machen. Die zwei Familien verbrachten jeweils etwa eineinhalb Tage auf dem Riegenhof, immer begleitet vom Filmteam unter Regisseurin Jeannine Apsel. Man spaltete gemeinsam Holz, backte Brot, sammelte Kuhdung oder stampfte Sauerkraut ein.

Vierte Generation

„Das war durch das tolle, rücksichtsvolle Filmteam weniger anstrengend als interessant“, resümiert Edmund Braun die Woche mit den Bewerbern. „Wir wussten, dass es ein Happy End geben soll“, meint Doris Braun lächelnd. Das habe sie gut gefunden. Sie ist auf dem Hof geboren und aufgewachsen und hat ihn gemeinsam mit ihrem Mann seit 1992 bewirtschaftet. 1994 übernahmen sie ihn von den Eltern. Sie sind nun in der vierten Generation auf dem Riegenhof. „Ich hänge sehr daran“, so Doris Braun.

„Wir sind nicht mehr die Jüngsten“, erklärt die 58-Jährige den Hintergrund der Suche. Ihr Mann sei bereits 62. Die beiden erwachsenen Kinder wollen den Hof nicht übernehmen. Eine langsame Übergabe stellen sie sich vor, idealerweise eine gemeinsame Bewirtschaftung und später ein Verpachten der 33- Hektar-Fläche. „Wir sind eine kleine Landwirtschaft“, erläutert Edmund Braun, doch noch sei er fit, um alle Abläufe zu begleiten und jemanden einzulernen. Man habe 27 Hektar Weideland für die derzeit 37 Rinder und je drei Hektar Wald und Ackerland.

Nachfolger aus dem Breisgau

So viel sei verraten: Die „Gewinner“ aus dem Fernsehen, eine vierköpfige Familie aus dem Badischen, haben die Hofnachfolge nicht angenommen. „Sie haben inzwischen einen anderen Hof im Hessischen mit Geflügel und Ackerland“, erzählt Doris Braun und wirkt dennoch froh. Denn seit April lebt eine andere Familie aus Staufen im Breisgau bei ihnen auf dem Hof, zufällig doch noch gefunden über eines der Gesuche. Die Familie sei mit ihren Hühnern, Pferden, Hunden und Setzlingen im Gepäck an den Riegenhof gezogen. „Wir arbeiten nun gemeinsam hier“, freut sich Edmund Braun über die kompetente Unterstützung. Besonders für ihn sei bereits jetzt die Entlastung in der Landwirtschaft spürbar.

„Das passt hervorragend“, loben die Brauns ihre neuen Land-WG-Bewohner und Hofhelfer. Der nächste Schritt wäre die Verpachtung, später könnte die Hofübergabe folgen. „Dann wollen wir aber unsere Kinder miteinbeziehen“, sind Doris und Edmund Braun sich einig.

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