Wer „Faust“ hört, denkt oft an die Pflichtlektüre in der Schule. Doch das Theaterprojekt des Jugendensembles der Haller Freilichtspiele bietet keine einfache Nachahmung des Stoffes, sondern eine moderne, integrative Version mit persönlichen Aspekten. Das Stück trägt den Titel „Haller Faust“. „Geschichten, Erfahrungen und Interessen von Menschen aus Hall für Menschen in und aus Hall sollen erzählt werden“, so Dramaturg Florian Götz, der auch für die Organisation und Koordination beim Jugendensemble zuständig ist.

Sich selbst im Stück finden

Die gewöhnliche Fassung von Johann Wolfgang von Goethe beinhaltet noch lange nicht alle Themen, die das Jugendensemble bearbeiten wird. Die Jugendlichen sollen mit persönlichen Erlebnissen und Motiven das Stück aufarbeiten und eine eigene Version daraus kreieren. „Wir möchten den Leuten zeigen, wie und wo man sich selbst in diesem Stück wiederfinden kann“, sagt Florian Götz.

Unter den Anweisungen von Regisseurin Martina Maria Reichert, die das Jugendensemble der Freilichtspiele leitet, und Andreas Entner, der unter anderem die Zusammenarbeit von Jugendensemble und der Theatergruppe des Sonnenhofs koordiniert, haben die Jugendlichen in der Haalhalle geprobt.

In den Proben erarbeitet die Gruppe gemeinsam Stück für Stück einzelne Szenen. In diesem Jahr soll auch ein größerer integrativer Ansatz zu finden sein. In Zusammenarbeit mit der Theatergruppe des Sonnenhofes werden die Freilichtspiele für jede Gruppierung gestaltet. Die Menschheit soll als eine Ganzheit betrachtet werden und spezielle Fähigkeiten sollen gefördert werden. Schubladendenken und Gruppendenken werden somit außen vor gelassen, um die Perspektive der Zuschauer ändern zu können, ist ein Ansatz des Projekts.

Bei der ersten Probe, bei der auch vier Sonnenhofschüler dabei waren, wurde erstmals das Organisatorische besprochen und einige junge Schauspieler sind sich zum ersten Mal begegnet. Die Gruppe wurde durch verschiedene Kennenlernspiele und Schauspielübungen miteinander vernetzt. Vom Sortieren der Augenfarbe bis hin zur virtuellen Achterbahnfahrt stand viel auf dem Programm. Das diente vor allem dazu, Talente zu erkennen und erste schauspielerische Aktionen zu starten.

„Die Jugendlichen erweckten den Eindruck, als hätten sie schon öfters zusammen gespielt und aufeinander gewirkt“, meint Andreas Entner bei der Probe. Ruben Kraus ist seit Oktober vergangenen Jahres beim Theaterprojekt dabei und hat auch vorher schon immer wieder andere Projekte des Jugendensembles verfolgt. „Ich habe schon als Kind gerne Theater gespielt und möchte jetzt wieder gerne aktiv werden“, sagt der 21-jährige Auszubildende.

Es stehen noch einige Proben an, bevor das Stück am 6. Oktober Premiere feiert. Nicht nur die Sonnenhofschule beteiligt sich daran, sondern beispielsweise auch einzelne Studenten aus der Malklasse der Haller Akademie der Künste. Neben der Arbeit einer Theaterpräsentation auf der Bühne, ist auch die Präsentation in den sozialen Medien ein Bestandteil des Projekts. Wie man sich auf Instagram oder Facebook darstellt und so Einfluss auf die Umwelt nehmen kann, gilt es für die Jugendlichen herauszufinden.

Info Über die Beteiligung der Kunststudenten und das Projekt mit den sozialen Medien des Jugendensembles wird die Jugendredaktion in loser Folge weiter berichten.