Schwäbisch Hall Das Jiddische in Erinnerung halten

Schwäbisch Hall / MONIKA EVERLING 19.11.2014
Einen musikalischen Grundkurs in Jiddisch bietet Felicitas Niegisch im Haller Haus der Bildung. Begleitet von Wolfgang Kraemer am Klavier singt sie heitere und ernste Lieder. 23 Besucher hören aufmerksam zu.

Unter dem Titel "Farstummt nit doss jiddische loschn" hat Felicitas Niegisch ein abendfüllendes Programm zusammengestellt. Zu Deutsch heißt das: Lasst die jiddische Sprache nicht verstummen. Niegisch lässt die Sprache lebendig werden, indem sie zu jedem Lied den Inhalt erklärt und mit viel Gestik fast szenisch darstellt - so kann man den Texten folgen, auch wenn man kein Jiddisch kann. Aber diese Bewahrungshaltung kann man auch kritisch sehen, das weiß auch Niegisch, die auf Einladung der Hessentaler KZ-Initiative und vierer weiterer Veranstalter in Hall ist: "Jiddisch war eine echte Volkssprache. Aber jetzt ist es in Gefahr, zur Kunstsprache zu werden."

Jedenfalls ist es eine klangvolle Sprache. Niegisch bringt eine breite Palette jüdischen Lebensgefühls zum Klingen. Ihre Altstimme erfüllt den Saal der Musikschule. Was sie macht, ist kein Belcanto, sie hat nicht Gesang studiert, sondern Pädagogik. Aber das passt zu den Volksliedern ja noch besser. Wolfgang Kraemer, der statt zweier angekündigter Musiker gekommen ist, begleitet sie verlässlich am Klavier. Die Zuhörer lassen sich von traurigen Inhalten ergreifen und wippen bei den fröhlichen mit den Füßen - und spenden kräftigen Beifall.

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