Mainhardt „Barf-Manufaktur“: Das Hobby zum Beruf gemacht

Kersten Sauskojus aus Finsterrot mit ihren Vierbeinern. Sie züchtet mit ihrem Mann Siberian Huskys im SHC, dem Siberian Husky Club Deutschland, und sie sind mit den Hunden erfolgreich in Rennen.
Kersten Sauskojus aus Finsterrot mit ihren Vierbeinern. Sie züchtet mit ihrem Mann Siberian Huskys im SHC, dem Siberian Husky Club Deutschland, und sie sind mit den Hunden erfolgreich in Rennen. © Foto: maya
Mainhardt / Maya Peters 27.07.2018
Die frühere Entwicklungsingenieurin Kersten Sauskojus aus Finsterrot betreibt seit kurzem eine „Barf-Manufaktur“ für Hunde in Mainhardt-Hohenstraßen und ist eine erfolgreiche Hundesportlerin.

„Mika war unser erster Hund“, lächelt Kersten Sauskojus den Rüden an, der sich an ihr Bein schmiegt. Der Husky-Mix kam 2009 zu ihr und ihrem Mann Oliver Glasbrenner. Bis vor drei Jahren lebte das Paar noch im Rems-Murr-Kreis in Rudersberg. Neun Huskys, ein Podenca und ein Foxhoundmix wohnen nun mit auf dem neuen Grundstück in Finsterrot, auf dem früher ein Dobermann-Züchter sein Zuhause hatte. Es ist ein richtiges Rudel, das teils im Garten und teils in den Zwingern tollt: Bei Besuchern heulen die Hunde beeindruckend intensiv. „Da war alles da, was wir brauchten“, lobt die 51-Jährige die Immobilie. „Und wir konnten 2016 aufstocken.“ Sie züchten nun die Siberian Huskys im SHC, dem Siberian Husky Club Deutschland. Hündin Sisko, auf deren „Standhitze“ sie gerade warten, liegt entspannt im Schatten unterm Busch.

Erfolgreich bei Rennen

„Ursprünglich wollten wir ja erst in Rente Hunde halten“, gibt Sauskojus schmunzelnd zu. Katzen hatten sie schon länger. Doch der Zufall und die Liebe zu den sportlichen Tieren brachten eine andere Wendung. Als Zweites kam die Husky-Hündin Anuuk aus dem Tierheim zu ihnen, dann folgte Luni – gerettet aus einer spanischen Tötungsstation. „Die geht ab wie eine Rakete“, urteilt sie über das flinke Tier, mit dem sie auch „Canicross“, Geländelauf mit Zugleine, macht. „Ab da hatten wir Blut geleckt“, lacht sie. Zum 50. Geburtstag ihres Mannes schenkte sie ihm Kimi, ebenfalls ein Husky aus der Rennlinie.

Thema Tierernährung

„Seit 2010 nehmen wir an Rennen sowie deutschen und internationalen Meisterschaften teil“, erzählt Sauskojus. Denali Valley Racing Siberians heißt ihr Schlittenhundeteam und auch die Zucht. Wenn nicht genügend Schnee liege, nutze sie den bereiften Trainingswagen. 2016 wurde Kersten Sauskojus Vize-Europameisterin im Bikejöring, ein Zughundesport auf dem Rad.

Liebevoll nennt sie ihre Arbeit „Die Manu“, eigentlich Barf-Manufaktur, gegründet Ende 2017. Durch den frühen Tod ihrer Katze Kira an Nierenversagen sei sie 2007 auf das Thema Tierernährung gekommen. „Katzen würden Mäuse kaufen“, war der Titel eines Buches, das sie sehr beeinflusst habe. „Wie bei den Menschen könnte man Trocken- und Dosenfutter für Tiere mit Dosenravioli oder Tiefkühlpizza als einzige Ernährungsbausteine gleichsetzen“, erläutert sie. Vom Trockenfutter habe sie die Ernährung auf rohes Futter umgestellt. Ihr ältester Kater sei 19 Jahre alt. Ihre Hunde wurden von Anfang an „gebarft“. Der Begriff stehe für biologisch artgerechte Rohfütterung und orientiere sich an den Beutetieren. „Auch Innereien, Pansen, Knochen, Gemüse, Obst oder Eier gehören dazu, das benötigen die Tiere“, erläutert sie.

Im Ferienprogramm dabei

Nach dem Fernstudium der Tierpsychologie 2016 und der Ausbildung zur zertifizierten Ernährungsberaterin nach Swanie Simon wollte sie mehr Zeit mit ihren Tieren verbringen und mehr aus ihrem Interesse an deren Ernährung machen. Und so tauschte Kersten Sauskojus ihren sicheren Job als Entwicklungsingenieurin bei einem koreanischen Großkonzern im Großraum Stuttgart gegen die Selbstständigkeit. „Mein Mann war von der Idee sofort begeistert und unterstützt mich total“, ist sie dankbar. In der Gemeinde sind beide längst heimisch geworden. Beim Sommerferienprogramm stellt sie ihr Hunderudel einheimischen Kindern vor. „Da freuen wir uns schon total drauf“, meint sie und tätschelt ihre Hunde.

Die Manufaktur in der Metzgerei

In Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern wie der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall oder dem Bleyer Frischemarkt produziert Kersten Sauskojus in Mainhardt-Hohenstraßen in den Räumen der früheren Metzgerei Dietz Frischfutter für Hunde, abgepackt als Tagesrationen in recyclebare Pappbecher. Für die Zubereitung hat sie sich Großmaschinen zum Würfeln und Wolfen über Metzgereibedarf gekauft. Auch ihre Vermieterin sei ihr bei mancherlei praktischen Fragen hilfreich zur Seite gestanden. Die individuelle Zusammensetzung erfolge nach einer gründlichen Anamnese über einen Fragebogen und Ernährungsberatung. Dadurch, dass sie das portionierte und gefrorene Frischfutter auch ausliefere, kenne sie alle Kundenhunde persönlich. Das Konzept als „individuelles Gesamtpaket“ sei in der Region einzigartig. „Ich hatte schon zehn Jahre praktische Erfahrung beim Barfen, bevor ich mich weiter gebildet und selbstständig gemacht habe“, setzt sie hinzu. may

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