Infotag Das Geheimnis um den richtigen Ton

Linda und Marie Brenner lernen bei Monika Fitzlaff, wie man Ton verarbeitet.
Linda und Marie Brenner lernen bei Monika Fitzlaff, wie man Ton verarbeitet. © Foto: Guido Seyerle
Kirchberg / Guido Seyerle 13.03.2018

Selbstständigkeit seit 30 Jahren ist eine Ansage – vor allem, wenn sich die Märkte stark verändern. Monika und Stefan Fitzlaff in Kirchberg-Mistlau haben dies mit ihrer Töpferei geschafft. Am Wochenende begann das Jubiläumsjahr mit einem „Tag der offenen Töpferei“ inklusive der Ausstellung „Wolle trifft Seide“ der Textilkünstlerin Marianne Wurst.

Monika Fitzlaff freute sich über den regen Besuch, auch der Töpfernachwuchs versuchte sich beim Modellieren des Naturmaterials. Man spürte bei ihrer Anleitung: Die 59-Jährige hat Erfahrung in der Unterrichtung. Sowohl ihr Mann wie auch die gebürtige Hallerin sind in Crailsheim, Ilshofen, Kirchberg und Wolpertshausen gern gesehene Lehrkräfte im Werkunterricht.

Faszination fürs Material

Wenn man das Ehepaar, das sich bei der Lehre in der Töpferei Heckmann in Schwäbisch Hall kennen- und liebengelernt hat, bei der Arbeit beobachtet, fallen zuerst einmal die feingliedrigen, aber muskulösen Finger auf. Wie viele Tausend Gefäße und Dekoartikel sie wohl schon geformt haben? Noch immer spürt man die Faszination der Töpfer für ihr Material, die Unterhaltung führt schnell zu Details von Bodenarten und ihrer chemischen Zusammensetzung.

Der am Tag der offenen Tür von den Gästen verarbeitete Ton stammt aus dem Westerwald. Die Töpferin erklärt: „Diesen hellen Ton findet man nur dort, er ist so über die Jahrtausende liegenge­blieben. Der Ton, den man bei uns abbaut, wurde auf seinem natürlichen Weitertransport vermischt.“ So können zum Beispiel durch Beimischungen von Mineralien Einfärbungen entstanden sein – was erfahrene Töpfer wiederum für die Farbgebung nutzen können. Nicht verwunderlich, dass die Fitzlaffs ein Geheimrezept haben und fünf verschiedene Tonarten miteinander vermischen.

Julie Oberndörfer (11) sowie Linda (10) und ihre Schwester Marie Brenner (11) aus Unterspeltach freuen sich, dass sie selbst Hand anlegen dürfen. Das Thema heißt „Faden/Textur“. Spitzentücher werden auf den weichen Ton gedrückt, dadurch entsteht ein Muster, das von den Kindern weiterentwickelt wird. Monika Fitzlaff freut sich: „Eigentlich wollten wir Figuren gestalten, doch die jungen Gäste sind kreativ und formen nun Namensschilder.“ Gleichzeitig lernen sie Details, zum Beispiel dass der Ton bei 1300 Grad gebrannt wird, Seladon eine grünliche Glasur ergibt und dass der einen Kubikmeter große Brennraum 22 Stunden lang angeheizt wird. Marie Brenner hat sichtlich Spaß am Gestalten und sagt: „Der Ton fühlt sich weich und cool an.“

Während sich ein Dutzend Besucher in Werkstatt und Schauraum umschaut, berichtet das Töpferehepaar von Besonderheiten der vergangenen 30 Jahre. Anfangs stellten Fitzlaffs auf großen Messen wie in Frankfurt aus. Doch der Markt veränderte sich stark. Fast alle Fachgeschäfte, die handgefertigte Tonwaren verkaufen, mussten schließen. Stefan Fitzlaff (61) und seine Frau reagierten und bauten sich den Schulunterricht als zweites Standbein auf. Drei Kinder haben sie großgezogen, ein Töpfer-Nachfolger ist aber nicht in Sicht.

Eine der Freundschaften, die sich auf den großen Messen gebildet hat, besteht bis heute: Textilkünstlerin Marianne Wurst aus Oberdischingen präsentiert in Mistlau ihre Arbeiten, sie hat unter anderem bereits in New York und Tokio ausgestellt. In mehreren Workshops werden bis zum 6. Mai die Kombinationen zwischen Textil, Ton und Textur praktisch vermittelt.

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