Vereinsleben Das Flügelhorn kann viel erzählen

Ilshofen / Ute Schäfer 20.06.2018
Zum 60-jährigen Bestehen des Obersteinacher Posaunenchors gibt es in der Kirche im Ilshofener Teilort ein stimmungsvolles Konzert mit mehr als 50 Bläsern.

Die Kirchengemeinden Obersteinach und Ruppertshofen wachsen derzeit zusammen – der Pfarrplan macht‘s möglich beziehungsweise nötig. Eine schöne Geste also, das Jubiläum des Obersteinacher Posaunenchors gemeinsam zu feiern – und so lud der Obersteinacher Chor den Ruppertshofener Bruderchor zum Jubiläumskonzert ein. Füreinander und miteinander sollte musiziert werden. Und schon kam das Zusammenwachsen an seine Grenzen. Denn die beiden Chöre sind jeweils so groß, dass es in der Obersteinacher Peter- und Paulkirche ein echtes Platzproblem gab. Nur dicht gedrängt konnten die vielen Bläser vor dem Altarraum sitzen.

Allerdings gab diese Enge dem Konzert auch eine ganz besondere Note. Denn sitzen Musiker dicht beieinander, kommen sie leicht in den gemeinsamen Fluss. Dann stellt sich der große Einklang mühelos ein – was am Sonntagabend der Fall war. Abwechselnd spielten die Chöre, manchmal auch gemeinsam, und was sich da an klanglicher Wucht – aber auch an klanglicher Vielfalt entwickelte, war wirklich hörenswert. Die Zuhörer in der voll besetzten Obersteinacher Kirche ließ das lange applaudieren.

Neu eingekleidet

Und auch wenn die Grenzen zwischen den Chören verschwammen, so waren sie an ihren Hemden doch gut zu erkennen. Die Ruppertshofener Spieler und ihr Dirigent Frank Neber kamen in Weiß. Die Obersteinacher hatten sich extra fürs Jubiläumskonzert mit neuen Hemden eingedeckt, sagte deren Dirigent Gerhard Neber. Die Obersteinacher Farbe: dunkelblau.

Ein Jubiläumskonzert kommt natürlich nicht ohne Rückblick aus, doch diesmal ging es nicht um Jahreszahlen oder Jahresfeiern. Beim Rückblick kamen die alten Instrumente zu Wort, darunter auch das älteste Instrument des Chors, ein Flügelhorn, im Dienst sichtbar ergraut. Das früher mutmaßlich goldglänzende Instrument ist heute stumpf und matt – aber nicht minder geliebt. Denn das Instrument kann viel erzählen, sagte Flügelhornbläser Markus Kretzschmar. Es war wahrscheinlich schon bei der ersten Probe dabei, nachdem Pfarrer Schwarz 1958 den Posaunenchor mit 13 jungen Bläsern gegründet hatte. Ein paar der Bläser hatten zuvor Erfahrungen im Chor in Wolpertshausen gesammelt. Am Anfang traf sich der Chor im Pfarrhaus, „praktisch neben dem Wohnzimmer vom Pfarrer“, so Kretzschmar. Langjähriger Dirigent war Otto Fischer.

Auch die alte Posaune erinnerte sich an früher – und vor allem an die Zeiten, in denen sie noch keine Kollegen im Chor hatte. Jetzt gibt es immerhin eine Handvoll davon, berichtet Caronin Küssner, die selbst die Posaune spielt und zweite Chorleiterin ist. Dann kam die Tuba zu Wort – nicht zuletzt deshalb, weil der Chor eine neue Tuba anschaffen will und derzeit dafür spart, erklärte Tubist Michael Breitkreuz. Auch der Erlös des Konzerts soll dafür verwendet werden.

In den vergangenen 60 Jahren hat sich der Chor zu einem großen Posaunenchor mit über 40 Bläsern entwickelt, etwa 35 waren beim Konzert dabei. Seit einem einem Jahr bildet der Chor sogar eine Jungbläsergruppe aus, die bei dem Konzert natürlich nicht fehlen durfte. Die fünf Nachwuchsspieler präsentierten ihre Stücke durchaus passabel und waren ob ihres verdienten Applauses so stolz als hätten sie das Konzert ganz alleine bestritten.

Viel Applaus gab es auch zum Schluss. Eine Zugabe wurde gefordert und Dirigent Gerhard Neber zeigte sich „überrascht, aber vorbereitet“. Beide Chöre gingen in eine zweite Runde und dann mit ihren Zuhörern zum gemütlichen Beisammensein im Dorfanger vor der Kirche.

Ehrungen für treue Mitglieder

Urkunde und Nadel gab es für Stefan Breitkreuz (25 Jahre) sowie für Rainer Franz, Martin Gagstatter, Rainer Hanselmann, Andrea Kochendörfer und Albrecht Neber (je 40 Jahre). Für 57 Jahre in verschiedenen Posaunenchören wurde außerdem Ulrich Irmscher geehrt, der zwar erst seit einigen Jahren in Obersteinach wohnt, seither aber mitbläst und viele Funktionen im Chor übernommen hat. uts

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