Landschaftsgestaltung Das Erbe des Neubauers

Elisabeth Schweikert 30.08.2017
In Schönenberg hat Armin Hauenstein ein 179 Jahre altes Bauernhaus saniert. Der Hof beherbergte früher das Hohenloher Heimatmuseum.

Der Neubauer „Hannß Jerg“ Feuchter hatte einen Traum: Er wollte das schönste Haus im ganzen Oberamt Schwäbisch Hall bauen. Wie in Schönenberg überliefert wird, und Friedrich Krumrein in seinem Buch „Auslese“ notiert hat, ging deshalb Johann Georg Feuchter in alle Orte in der Umgebung und schaute sich um. An welchem Vorbild er sich orientierte, ist unbekannt, aber das 1838 gebaute Anwesen gehörte im 19. Jahrhundert zu den größten und schönsten im Dorf. So kam der Hof zu seinem Hausnamen: Neubauer.

Heute leben dort Armin Hauenstein (84) und seine Lebensgefährtin Heidi Lindner. Der Landschaftsarchitekt hatte 1982 die Landesgartenschau in Schwäbisch Hall konzipiert und umgesetzt und war so in die Region gekommen – und ist geblieben. Einen Beitrag dazu leistete das Haus, das zwischen 1971 und 1983 das Hohenloher Bauernmuseum war – der Vorgänger des Hohenloher Freilandmuseums Wackershofen. Das Museumshaus stand zum Verkauf und Hauenstein bekam den Zuschlag. In den Jahren darauf renovierten er und seine inzwischen verstorbene Frau Ricarda das Anwesen. Bei der Führung macht Hauenstein auf Details aufmerksam, dass etwa das Natursteinpflaster im Flur ursprünglich zum Teil in der Schlachtküche lag. Oder dass die Sandsteinblöcke, aus denen die Mauern im Erdgeschoss bestehen, jeweils ein „B“ tragen. Hauenstein geht davon aus, dass die Steine von der abgegangenen Ruine Bachenstein stammen, welche früher nahe Döttingen stand.

Pflaster und Rasen statt Beton

Rund um das Haus hat Armin Hauenstein  das weitläufige Gelände mit fachlicher Hand gestaltet. „Hier liegt die Gelbinger Gasse“, zeigt er auf das Pflaster vor der Scheune. Als vor 30 Jahren die Gasse in Hall neu gepflastert wurde, konnte er die ausrangierten Steine kaufen.

Der Hofbereich war betoniert, als Hauensteins einzogen. Der Beton wurde rausgerissen, auf den Schotter einige Zentimeter Substrat aufgebracht. Die eine Teilfläche vor dem Haus ist englischer Rasen, die andere, die größere Fläche, eine bunte Blumenwiese.

Den Bauerngarten an der Südseite bewirtschaftet der Gärtner selbst. Wein rankt am Haus empor („Die Trauben sind heuer schön wie noch nie.“), daneben liegen die Gemüserabatten. „Wir essen das ganze Jahr vom Garten.“ Prall wachsen Spitzkohl, Rosenkohl, Wirsing, Rote Beete und Möhren in den Beeten. „Hier habe ich den frühen Ackersalat gesät, dort geht Winterspinat auf.“ Endivien, Radicchio, Frisée und Kopfsalate sind frisch gepflanzt.

Hauenstein führt über das weitläufige Gelände mit Gewächshaus, Streuobstwiese (er hat 50 Bäume gepflanzt), Teich und Wald und berichtet aus seinem Leben. Geboren wurde er in Nürnberg. Bei einem Bombenangriff auf die Stadt starben sein Vater und sein Großvater. Er, seine Mutter und sein kurz zuvor geborener Bruder waren auf sich gestellt. „Ich bin früh entwurzelt worden.“ Er arbeitete als Bub in der Landwirtschaft – so wurde der Grundstein zu seinem Studium gelegt.

Die Liebe zum Gestalten von Schönem kam von seinem Onkel hinzu, mit dem er sich gut verstand. Dieser war wie Hauensteins Großvater Künstler.

Wurzeln schlug Hauenstein schließlich doch: in dem Haus in Schönenberg, das er umgestaltet hat. Die Dorfgemeinschaft hält jährlich bei ihm in der Scheune ein Fest ab. Und in seiner Arbeit, die den 84-Jährigen immer noch beflügelt: Er berät Schrozberg, Niederstetten, Michelfeld und Gerabronn in Sachen Städtebau. So gesehen macht er dem Hausnamen alle Ehre, ist er in diesem Sinn doch auch ein Neubauer.