Erster Weltkrieg Das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren in Hall

Schwäbisch Hall / Heike Krause 09.11.2018
Vor exakt 100 Jahren wird in der Novemberrevolution die Republik ausgerufen. Zwei Tage später endet der Krieg. Ein Blick auf die Zeit in Hall.

Seit dem 11. November 1918 schwiegen in Europa die Waffen; seit dem 1. August 1914 hatten sie das Wort. In vier Jahren, drei Monaten und elf Tagen starben 303 Haller; andere trugen schwere Verwundungen davon. Körperbehindert und psychisch traumatisiert, mussten viele fortan ihr Leben fristen. Am Morgen des 11. November 1918, um 5 Uhr, unterzeichneten in einem Waldstück bei Compiègne Abgesandte aus Großbritannien und Frankreich sowie vier Vertreter der deutschen Regierung, des Auswärtigen Amtes, des Reichsheers und der Kaiserlichen Marine in einem Eisenbahnwaggon den Waffenstillstandsvertrag. Um 11 Uhr trat er in Kraft.

In Hall schnell reagiert

Vor 100 Jahren, am 11. November 1918, prangte auf dem Titelblatt des Haller Tagblatts die Schlagzeile: „Schwere Waffenstillstandsbedingungen – Der Kaiser abgedankt und nach Holland – Die Revolution“.

Damit war eigentlich alles gesagt. Aus einer Sonderausgabe der Zeitung vom 9. November hatten die Haller bereits die Neuigkeiten aus Berlin erfahren: Reichskanzler Max von Baden verkündete am selben Tag den Thronverzicht des Kaisers und übergab sein Amt dem SPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert. Dieser rief die Republik aus und bildete unter seiner Führung den „Rat der Volksbeauftragten“ als provisorische Regierung. In Deutschland versuchte die Demokratie Fuß zu fassen.

In Schwäbisch Hall reagierte man sofort auf diese Ereignisse; die SPD und die Gewerkschaften veranstalteten am 10. November eine Volksversammlung, zu der „Bürger aus allen Gesellschaftskreisen, Soldaten, Arbeiter und Arbeiterinnen in großer Zahl erschienen“. Im Vordergrund der Versammlung standen ganz praktische Fragen, vor allem nach der Versorgung der heimkehrenden Soldaten. Als das 1914 in Hall aufgestellte Landsturm-Bataillon in der Nacht zum 26. November 1918 zurückkehrte, wurde es von einer geschmückten und beflaggten Stadt empfangen.

Innenpolitischer Druck

Die neue Zeit war für die Bevölkerung zwiespältig und vor allem ungewiss; die wirtschaftlichen Verhältnisse blieben noch auf sehr lange Zeit angespannt. Bereits zur Kriegszeit erlassene Maßnahmen konnten auch nach dem Waffenstillstand nicht gelockert werden.

Vielmehr verschärfte sich die Situation noch, auch durch das Diktat der Siegermächte: zunehmende Arbeitslosigkeit, der Beginn der Inflation als Folge der Kriegsausgaben sowie der hohen Zahlungsverpflichtungen des Reiches nach dem Krieg. Dazu kamen die Bedingungen aus dem am 28. Juni 1919 unterzeichneten Friedensvertrag von Versailles: Gebietsabtretungen, Abrüstung und Reduzierung des Berufsheers auf 100 000 Mann, Reparationsleistungen in Höhe von 226 Milliarden Goldmark, Auslieferung von Eisenbahneinrichtungen und 90 Prozent der Handelsflotte, Lieferungen an Kohle, Maschinen, Fabrikeinrichtungen, Werkzeugen und Haustieren, Anerkennung der alleinigen Kriegsschuld. Das alles verschärfte den innenpolitischen Druck in Deutschland.

Bereits 14 Jahre später, mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, endeten die ersten, zaghaften demokratischen Versuche in Deutschland.

Die Autorin Die Historikerin Dr. Heike Krause ist Stadtarchivarin in Gaildorf sowie Archivarin des Haller Diaks.

Gedenken an Pogromnacht

Nicht nur der Erste Weltkrieg, sondern insbesondere der Zweite Weltkrieg hat in Hall Spuren hinterlassen. Dazu gehören die Gräueltaten der Nazis in der Reichspogromnacht vor genau 80 Jahren, in der die Synagoge in Steinbach in Brand gesteckt sowie der Betsaal in der Oberen Herrngasse und weitere jüdische Gebäude verwüstet wurden. Bücher wurden auf dem Marktplatz verbrannt. Heute, 16 Uhr, wird der Israelkreis dort ein Gebet sprechen. Um 18 Uhr beginnt die zentrale Gedenkveranstaltung mit Wortbeiträgen und Musik.

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