Das Ende der Terrassensitzungen

Neca Cenusic und Bettina Wilhelm durchschneiden das Band.
Neca Cenusic und Bettina Wilhelm durchschneiden das Band. © Foto: wd
WD 22.11.2014

Der Kopf ist leicht geneigt, der Blick kühn in die Kamera gerichtet: Die Schwarzweiß-Fotografie von Nikola Tesla hängt unübersehbar an der Wand in der neuen Heimstatt in Hessental. Der jüngste Verein in der Stadt, im Januar dieses Jahres von Menschen mit serbischen Wurzeln gegründet, hat sich nach dem berühmten serbischen Erfinder und Physiker benannt. Gestern ist das neue Heim des Serbisch-Deutschen Kulturvereins "Nikola Tesla" in der Geschwister-Scholl-Straße im Solpark offiziell eingeweiht worden. Zum Essen gab es serbische Bohnensuppe, Sarma (Krautwickel), Pita sa Krompirom (Kartoffeln mit Hackfleisch in Blätterteig) und Prebranac (gebackene Bohnen).

Die Mitglieder haben den Einweihungstag herbeigesehnt: Endlich haben die 162 Mitglieder, aufgeteilt in 46 Familien, eine Heimat. In den vergangenen Monaten traf sich der Vorstand im Reifenhof auf der Terrasse des Vorsitzenden Neca Cenusic zu Besprechungen. Die Mitglieder wurden über Briefe, über die Internetseite des Vereins und Mund-zu-Mund-Propaganda über wichtige Aktivitäten und Ereignisse informiert.

Schon im ersten Jahr seines Bestehens, und obwohl er noch keine Heimat hatte, beteiligte sich der Verein rege am Leben in der Stadt. Ende Juli nahm er am "Festival der Vielfalt" teil, im September hatte er beim Freundschaftstag einen Stand. Währenddessen wurde gearbeitet: Seit am 3. Juli der Mietvertrag unterschrieben wurde, sei bis auf eine dreiwöchige Pause "permanent" an dem neuen Vereinsheim gearbeitet worden, sagt Schriftführerin Jasmina Vasiljevic.

Früher, vor dem Leerstand, habe eine private Musikschule den Raum genutzt, sagt Astrid Winter, städtische Abteilungsleiterin Kinder, Jugend, Senioren und Soziales. Die Vereine der Kroaten, der Brasilianer und der Kosovo-Albaner seien in einem Haus Am Schuppach untergebracht, der Freundeskreis Afrika treffe sich im Haus der Bildung, der Internationale Kreis im Schlachthaus, auch die türkischen Vereine erwähnte Winter: "Von dieser Offenheit lebt die Stadt." Derzeit hilft Winter der Eritreischen Gesellschaft bei der Suche nach einer eigenen Bleibe. Im Rahmen der städtischen Vereinsmietregelung zahlten die Vereine für ihre Räume einen Euro pro Quadratmeter plus Nebenkosten, den Rest der Mietkosten übernehme die Stadt.

"Unglaublich, welche Dynamik dieser Verein hat", lobte die Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm. Sie sei beeindruckt, was er in zehn Monaten alles geschafft habe.

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