Schwäbisch Hall Das Brückenhaus als Bühne

Schwäbisch Hall / WD 20.11.2014
Karl-Heinz Ockert und Hieronymus Bosenbeck haben einen Hauptberuf: Sie sind Handwerker. In den vergangenen Wochen haben sie einen zweiten Job ehrenamtlich ausgeübt: "Wir waren ein bisschen auch Stadtführer", sagt Ockert.

Der Geschäftsführer der Hessentaler Dachklemptnerei Kühne und Hieronymus Bosenbeck, Angestellter der Zimmerei Huter (auch aus Hessental), sanieren derzeit im Auftrag der Stadt das Häuschen auf der Henkersbrücke - sie heißt so, weil der Haller Scharfrichter auf der Brücke vor Jahrhunderten einen Holzzoll einziehen durfte.

Auf der einen Seite des Baugerüsts geht es zehn Meter zum Kocher hinunter, auf der anderen Seite drei Meter zur Brücke. Ockert und Bosenbeck arbeiten erhöht an einem zentralen Platz in der Innenstadt, das Treiben in der Fußgängerzone können sie wie in einem Schauspiel beobachten. Wiewohl die Handwerker selbst wie auf einer Bühne vor Publikum stehen.

Da gibt es vorbeilaufende Leute, laut Ockert vor allem Touristen, die fragen, was an dem Häuschen gemacht wird. Und die bei dieser Gelegenheit von den Arbeitern wissen wollen, wo es was in der Stadt zu sehen gibt. Da gibt es den Musiker, der oft an der Brückenmauer gegenüber spielt und dessen Musik Bosenbeck gewöhnungsbedürftig findet: "Und wenn er zu singen beginnt, wird's noch besser", sagt er mit süß-saurem Lächeln.

Und da gibt es den Künstler, der auf die Baustelle kam und fragte, ob er einen Karton mit alten Dachschindeln füllen kann. "Er war ganz scharf darauf", erinnert sich Bosenbeck. Der Künstler bekam die alten abgerissenen Schindeln, sie müssen sowieso entsorgt werden.

Auf einer Dachfläche von etwa 35 Quadratmetern werden 10.000 Schindeln ausgetauscht. Die neuen Stücke kommen aus einem bayerischen Schindelwerk, sind aus Lärchenholz (Bosenbeck: "Das hält länger als Fichtenholz") und sollen die nächsten 30 Jahre überdauern. Auch die Bretterschalung, also die Dachkonstruktion für die Schindeln, wird renoviert. Die Arbeiten allein am Dach kosten 13.000 Euro, sagt Dieter Hötzel vom städtischen Hochbauamt.

Hinzu kommt die Erneuerung der Blechanschlüsse an Dach und am Türmchen des nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Häuschens. "Das Kupfer leitet das Regenwasser ab und schützt das Dach so vor Feuchtigkeit", erklärt Ockert. Ende nächster Woche sollen alle Arbeiten beendet sein. Ein schöner Arbeitsplatz sei das, sagen die beiden Handwerker. Es gebe nur einen Nachteil: "Hier zieht der Wind durch. Hier oben ist's ganz schön frisch."

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