Wolpertshausen Das Abwasser wird sauberer

Die Chefs der Cröffelbacher Kläranlage: Die Klärwärter (von links) Klaus Dechent und Manfred Leu vor dem neuen Klärbecken.
Die Chefs der Cröffelbacher Kläranlage: Die Klärwärter (von links) Klaus Dechent und Manfred Leu vor dem neuen Klärbecken. © Foto: Elisabeth Schweikert
Wolpertshausen / Elisabeth Schweikert 15.08.2018
Die Gemeinde Wolpertshausen erweitert die  Kläranlage in Cröffelbach. Künftig wird auch das Phosphat ausgefällt. Noch läuft die Anlage im Probebetrieb. Im Herbst ist Einweihung.

Rein optisch ist die neue Kläranlage in Cröffelbach fertig. Sie steht flussabwärts an der Bühler  unterhalb Cröffelbachs. Die Anlage ist der Arbeitsplatz von Klaus Dechent und Manfred Leu. Die beiden Klärwärter steuern derzeit die Anlage im Probebetrieb und tüfteln aus, wie diese am optimalsten gesteuert werden kann. Herzstück der Anlage ist die gut sieben Meter breite Steueranlage, in der die Daten zusammenlaufen.  Bis Herbst, so Wolpertshausens Bürgermeister Jürgen Silberzahn, dürfte alles rund laufen. Dann dürften die letzten Arbeiten abgeschlossen sein. Dann, so seine Überlegung, könnte die Erweiterung der Kläranlage mit einem Fest gefeiert werden.

Zwei Klärstraßen

Die neue Kläranlage im Bühlertal zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus. Zum einen ist es kein reiner Neubau. Der Betrieb läuft künftig über zwei Klärstraßen, über das alte und das neugebaute Klärbecken. Zum anderen wurden die Anlagen mit einer neuen Technik ausgestattet, die das Wasser noch besser reinigt als bisher: mit der sogenannten Phosphatfällung. Phosphat ist ein Stoff, der in der Landwirtschaft zur Düngung eingesetzt wird. Im Wasser führt er zu Algenwachstum. In der Folge können Sauerstoffmangel und Fischsterben auftreten. Aus diesem Grund ist seit 1986 der Zusatz von Phosphat in Waschmitteln verboten. Doch auch über menschliche Fäkalien kommen große Mengen des Mineralstoffs ins Abwasser.

Bei der Erweiterung der Kläranlage wurde ein Tanksilo gebaut. Es enthält 25 Kubikmeter Eisenchlorit. Dieses gelangt tropfenweise ins Klärbecken.  Dort bindet es sich mit dem Phosphat und flockt aus. So bleibt es im Klärschlamm gebunden. Der Klärschlamm, der in Cröffelbach anfällt, wird derzeit in Heilbronn verbrannt.

Für die Gemeinde Wolpertshausen ist die Erweiterung der Kläranlage nötig geworden, weil die seitherige, die vor zirka 25 Jahren gebaut worden war, zu klein dimensioniert war.  Hatte Wolpertshausen 1992 noch 1300 Einwohner und ein kleines Gewerbegebiet, leben dort mittlerweile rund 2200 Menschen. Das Gewerbegebiet hat sich vervielfacht. Die alte Anlage ist auf die Aufbereitung von Abwasser für 2200 Menschen angelegt, die neue für 2800 Menschen.

„Die Betonbecken der alten Kläranlage sind zwar 25 Jahre alt, aber sie sind gut“, sagt Silberzahn, „auch die Technik ist in gutem Zustand. Die Wasserwerte waren stets innerhalb der gesetzlichen Vorgaben. Mit der neuen Anlage liegen wir deutlich darüber.“ Wie Klaus Dechent ergänzt, wird auch der Energieverbrauch gedrosselt werden. Allerdings werden die Energiekosten trotz sparsameren Verbrauchs insgesamt steigen, weil zwei Aufbereitungsstraßen laufen. Mittelfristig werden die Wolpertshausener mit höheren Abwassergebühren rechnen müssen. „Die Gebühren werden neu kalkuliert“, sagt Silberzahn, „man wird sich auf eine moderate Erhöhung einstellen müssen.“

Das Projekt hat 2,4 Millionen Euro gekostet, es gab Zuschüsse in Höhe von gut einer Million Euro. Der Kostenrahmen wird eingehalten. Der Löwenanteil der Kosten fällt auf Beton- und Rohrverlegungsarbeiten in Höhe von 900.000 Euro. Die Maschinentechnik kostet 800.000 Euro.

Abwasser wird in mehreren Stufen gereinigt

Im Mittelalter  und auch in der Neuzeit waren viele Flüsse eine Kloake: Sie wurden vielfach als Abwasserkanal missbraucht. Heute kann in zahlreichen Flüssen wieder geschwommen werden. In Deutschland tragen fast 10 000 Kläranlagen dazu bei. Ihre Funktionsweise ist ähnlich, gereinigt wird in mehreren Stufen. Zunächst werden über einen Rechen feste Stoffe abgefischt. Im Klärbecken findet die biologische Reinigung statt. Dabei verarbeiten Bakterien gelöste Stoffe. Im Einsatz sind Bakterien, die mit und ohne Sauerstoff arbeiten. Bevor das Wasser in Gewässer geleitet wird, folgt die chemische Aufarbeitung. Es wird Eisenchlorit zugesetzt, um das Phosphat zu binden. Im Normalbetrieb verarbeitet beispielsweise die Cröffelbacher Anlage 350 bis 400 Kubikmeter am Tag. Bei Regen kann die Kapazität auf 3500 Kubikmeter gesteigert werden. sel

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