Ooh ooh ooh.“ Dicht gedrängt stehen die Zuschauer vor der Bühne und singen im Chor den Hit „With or without you“ von U2 begeistert mit, den die Cover Band „The Uniques“ zum Abschied spielt. Die Schwäbisch Haller Live Nacht geht ihrem Ende entgegen. Die meisten der Besucher haben bis zu diesem Zeitpunkt schon viele Konzerte hinter sich. Die Wege zwischen den einzelnen Lokalen sind erfreulich kurz, was natürlich zum häufigen Wechsel anregt.

Von 21 Uhr bis 1 Uhr nachts spielen in acht Lokalen acht Bands. Vier Stunden für acht Veranstaltungen. Schon rein rechnerisch keine leichte Aufgabe. Dementsprechend hat sich das Publikum auch geteilt. Die einen bleiben auf ihren Stühlen sitzen. Denn Sitzplätze zu ergattern ist an diesem Abend noch deutlich schwerer als Stehplätze zu bekommen. Oder überhaupt Plätze zu bekommen. Wie etwa im Molly Malone, dem Irish Pub in Schwäbisch Hall, in dem Marcus & Bruno die letzten 60 Jahre Rock- und Pop-Geschichte quasi unplugged mit Gitarren und Mundharmonika in irisch anmutender Zweitstimmigkeit präsentieren. Brechend voll möchte man meinen. Gut besucht würden die Iren es wohl formulieren.

Im „that BRGR“ tanzen südamerikanische Schönheiten im fast dunklen Raum zu den Klängen der Gruppe „Crema Latina“. Eine geschätzt mindestens doppelt so hohe Besucherzahl steht dort vor den Türen und feiert im Freien. Das Wetter meint es gut mit den Musikliebhabern. Relativ milde Temperaturen lassen einen großen Teil der Publikums lieber im Freien feiern statt in der schweißtreibenden Enge der Lokale. So auch im „Bergl Hall“. Durch die geöffneten Türen sind die „Ponycars“ draußen wahrscheinlich sogar besser zu hören als drinnen. Ein Bewirtungsstand im Freien sorgt unterdessen für Getränke und leckeres Essen.

Nase an Nase, Bauch an Bauch

Am Milchmarkt tanzen nicht nur die zahlenden Zuschauer zum fetzigen Rock ’n’ Roll, sondern auch zahlreiche zufällig vorbeikommende Samstagabendbummler. In der „Ilge“ spielt „The Voice of Germany“ Teilnehmer John Noville Reggae & Soul. Tolle Musik, klasse Stimmung, gutgelaunte Menschen, kalte Getränke und Hits, Hits, Hits. Wie in den anderen Locations auch. Man steht häufig Nase an Nase, Bauch an Bauch und meistens den anderen im Wege. Aber alle sind entspannt und gut gelaunt.

Die Cover Band „Perfect Heat“ überrascht im Sudhaus der Kunsthalle mit unbändiger Lust am Spielen. Für die Zuschauer das Schöne daran: Man kann sich diese einteilen. Oben im zweiten Stock – sehr heiß. Mit Blick auf das Dekolletee des Sängers Marcel „MR.HEAT“ Friedel, der in seinem sehr dominanten Auftreten den Abend prägt. Im ersten Stock die Band und die Fans die laut kreischend „MR.HEAT“ empfangen, wenn der singend ins Publikum geht. Im Erdgeschoß bleibt Platz für eine entspannte Pause zwischen den Konzerten.

Von Beginn an Party ist in der knallvollen „Kultbucht“ im alten Schlachthaus. „Dragon Fire“ heizt ein, und ab 1 Uhr ist dort das gemeinsame Finale. Tanzen bis zum Abwinken ist unterdessen mit DJ. „Paulo“ in der „Alten Wache“ angesagt.

„Einmal zahlen, überall reinkommen“ ist das Motto des Abends. Und so kommt man auch in den geschichtsträchtigen Büschlerkeller, der seit längerem keinen geregelten Barbetrieb mehr hat. „The Uniques“ heizen dort ein. Die Zuschauer der ersten Reihe stehen fast auf der Bühne. Die ab der zweiten Reihe sehen schon fast nichts mehr, und die dahinter müssen sich mit dem Sound begnügen. Was der Stimmung aber nicht schadet.

Eine Stadt ist in Bewegung, hat man den Eindruck bei dem ständigen Kommen und Gehen. Ein wunderbarer Live-Musik-Abend mit wenig Platz, zahlreichen Begegnungen und sehr viel Gefühl neigt sich seinem Ende zu. „Ooh ooh ooh“ singen alle noch einmal kräftig die allerletzten Töne des Abends im Büschlerkeller mit. „What’s Going On.“

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