Schwäbisch Hall / Verena Köger Beim BEST-Training in der Bausparkasse wollen 18 Jugendliche herausfinden, welchen Bildungs- und Berufsweg sie einschlagen wollen. Im Team leiten sie Fähigkeiten aus ihren Interessen ab.

Was will ich später einmal werden? Superstar, Astronaut oder Rennfahrer? In der Kindheit war diese Entscheidung noch willkürlich, doch für Jugendliche, die bald ihren Schulabschluss machen, wird es Zeit herauszufinden, welchen weiteren Bildungs- oder Berufsweg sie einschlagen wollen.

Das Programm BEST (Berufs- und Studienorientierung) soll bei dieser Entscheidung helfen. Roland Bergmann von der Haller Agentur für Arbeit und Elisabeth Matthes, Lehrerin am Gymnasium bei St. Michael (GSM) in Hall, bieten das zweitägige Training seit 2013 an. Zum ersten Mal findet ein Teil im Ausbildungszentrum der Bausparkasse statt. 18 ­Jugendliche machen mit

Von der Freizeit zur Studienwahl

Selina Maurer aus Obersontheim ist in der Kursstufe 1 am GSM. Sie macht 2020 Abitur. Höchste Zeit, sich über die Berufswahl Gedanken zu machen. Sie war bereits beim Studieninformationstag in Heidelberg an der juristischen Fakultät. Jura ist aber nicht das einzige Fach, das die 16-Jährige interessiert. „Ich bringe mir gerne selbst Sachen bei. Gerade lerne ich Polnisch. Vielleicht finde ich ja ein Studium, das Jura und Sprachen kombiniert“, hofft Selina. Die Recherche allein vor dem Computer fällt ihr schwer. „Während des Trainings kann ich mich mit anderen austauschen, die ähnliche Erfahrungen machen. Ich bin nicht alleine.“

Der erste Tag des Trainings dreht sich um Interessen, Werte und Selbsteinschätzung. Hobbyanalyse ist angesagt. Die Schüler schreiben auf, was sie in ihrer Freizeit machen. „Auch Chillen gehört dazu“, betont Matthes. Die persönlichen und sozialen Kompetenzen, die die Jugendlichen außerhalb der Schule erwerben, sollen in die Berufs- und Studienwahl einbezogen werden, so die Lehrerin.

Jan Blendinger aus Hessental interessiert sich momentan für Medienberufe rund um Internet, Fernsehen oder Radio. Aber es gebe so viele Teilbereiche, die dem GSM-Schüler die Entscheidung schwer machen. Das Schulpraktikum hat ihm dabei geholfen, herauszufinden, was er nicht werden will, nämlich Polizist. „Das sind mir zu viele festgelegte Strukturen. Es gibt keine Möglichkeit auszubrechen“, meint der 18-Jährige. „Ich entdecke immer wieder neue Berufsfelder, die ich spannend finde. Ich schwanke hin und her“, sagt Jan.

Auch Cedric Wüst aus Michelbach ist mit der großen Auswahl an Möglichkeiten überfordert. Beinahe 20 000 Studiengänge gibt es laut Bergmann in Deutschland. „Mir fehlt da echt der Überblick“, sagt Cedric. Architektur, Eventmanagement oder Hotellerie – all diese Bereiche schwirren dem 16-Jährigen im Kopf umher. Der GSM-Schüler erhofft sich vom Training, dass er ein „grobes Feld“ eingrenzen kann, in welche Richtung es für ihn geht.

Aus dem Bauch heraus

Nachdem sich die Jugendlichen gegenseitig ihre Hobbys vorgestellt haben, gilt es, den Interessen Fähigkeiten zuzuordnen. Ein Schüler betreibt Calisthenics, ein Training, bei dem nur das eigene Körpergewicht genutzt wird. Die anderen Jugendlichen finden, dass diese Sportart zum Beispiel von Selbstdisziplin, Ausdauer, Leistungsbereitschaft und Konzentrationsfähigkeit zeugt.

„Das Besondere am BEST-­Training ist der Austausch untereinander. Wir beraten ja meist im Einzelgespräch“, erklärt Bergmann. „Und wir haben hier viel mehr Zeit. Die Gespräche in der Arbeitsagentur dauern meist eine Stunde. Wir haben zwei Tage.“

Nach der Hobbyanalyse füllen die Teilnehmer einen Fähigkeitsfragebogen aus, um Interessenfelder, zum Beispiel praktisch-technisch, sozial oder unternehmerisch, kennzeichnen zu können. „Es geht aber nicht nur darum, mit dem Stift etwas anzukreuzen. Das Training ist vor allem auf das Bauchgefühl ausgerichtet“, stellt Matthes klar. Auch meditative Übungen, Kurzgespräche wie beim Speeddating und Selbsterkundung gehören dazu. Unter welchen Arbeitsbedingungen fühle ich mich wohl? Arbeite ich gerne alleine oder im Team? Will ich Verantwortung übernehmen? Nach der ersten Etappe machen die Jugendlichen online den landesweiten Orientierungstest, den jeder Studienanwärter bei der Bewerbung vorweisen muss.

Beim zweiten Termin am Mittwoch, 27. März, im Haus der Bildung werden die Ergebnisse des Orientierungstests aufgearbeitet. Roland Bergmann geht unter anderem auf Bewerbungsverfahren und Fristen ein. Durch angeleitete Recherche am Computer sollen die Jugendlichen konkrete Studienfächer und mögliche Hochschulen und Universitäten finden.

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Teilnehmer aus Hall, Gaildorf und Mosbach

Das Entscheidungstraining richtet sich an Schüler aus Gymnasien von Klassenstufe 10 bis 13. Der Großteil der BEST-Teilnehmer besucht das Gymnasium bei St. Michael (GSM). Circa ein Viertel kommt von anderen Schulen wie dem Erasmus-Widmann-­Gymnasium und dem Berufskolleg Fremdsprachen in Hall sowie dem Schenk-von-Limpurg-Gymnasium in Gaildorf. Ein Jugendlicher ist aus Haßmersheim im Neckar-Odenwald-Kreis angereist. Er absolviert in Mosbach einen Bundesfreiwilligendienst und hat bei der dortigen Agentur für Arbeit von dem Training in Hall gehört. Das Angebot ist freiwillig. Die Teilnehmer werden für die Zeit freigestellt. ena