Schwäbisch Hall Fulminanter Start mit „Bohemian Rhapsody“

Der Solist des Abends, Gábor Boldoczki.
Der Solist des Abends, Gábor Boldoczki. © Foto: d
Schwäbisch Hall / Andreas Dehne 05.06.2018
Der Hohenloher Kultursommer feiert im Schloss Neuenstein einen gelungenen Einstand.

„Es ist wieder so weit!“ – Seine Durchlaucht Kraft Fürst zu Hohenlohe-Oehringen und Hausherr im Schloss Neuenstein scheint als Vorsitzender der Kulturstiftung Hohenlohe die Region förmlich aus dem dornröschenhaften kulturellen Winterschlaf erwecken zu wollen. „Willkommen auf Schloss Neuenstein“, begrüßt er die knapp 400 Zuschauer im voll besetzten Rittersaal des Schlosses fast enthusiastisch.

Als erstes Stück erklingt das „Concerto grosso B-Dur op. 6 Nr. 7“ von Georg Friedrich Händel. Grandios dargebracht vom Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim unter der Leitung von Timo Handschuh. Mit dem böhmischen Komponisten Johann Baptist Georg (Jiri) Neruda (Konzert für Trompete, Streicher und Basso continuo Es-Dur) setzt der Solist des Abends, Gábor Boldoczki, der 2017 einen Echo-Klassik-Preis erhalten hat, sein erstes, deutliches musikalisches Zeichen. Sein Trompetenspiel der Spitzenklasse lässt aufhorchen.

Sehr bemerkenswert das letzte Stück vor der Pause. Die „Introduktion, Thema und Variationen für Oboe“ des Hofkapellmeisters in Weimar Johann Nepomuk Hummel. Boldoczki macht mit seinem Arrangement daraus Variationen „für Flügelhorn und Orchester.“ Boldoczki, der dabei drei verschiedene Instrumente spielt, bläst spannungsreiche Melodiebögen in fast endlos anmutenden Läufen mit gestochen scharfen und glasklaren Tönen. Der Applaus vor der Pause ist beeindruckend.

Mit Joseph Haydn (Sinfonie A-Dur Hob. I:21) und Johann Baptist Vanhal (Konzert für Flügelhorn und Orchester F-Dur) geht es in die zweite Hälfte. Orchester und Solist gelingt es doch tatsächlich, sich noch einmal zu steigern. Vor allem der äußerst spielfreudig auftretende Gábor Boldoczki lässt mit seiner virtuosen Konzertkunst keine barocken Zöpfe unberührt. Frisch, lebendig und sehr modern klingend, sind seine Arrangements bei all seiner spielerischen Brillanz und makelloser Tongebung ein musikalisches Highlight des Eröffnungskonzerts mit dem Titel „Bohemian Rhapsody.“ Das begeisterte Publikum bekommt noch eine fulminante Zugabe.

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne, möchte man Hesse nach etwa 90 Konzertminuten gerne zitieren. Der Hohenloher Kultursommer hat seinen Zauber gefunden. Einen ganz hervorragenden Solisten, ein wunderschönes Ambiente in einer ungewöhnlichen Räumlichkeit und ein grandios aufspielendes Ensemble. So musikalisch hochwertig darf es ruhig weitergehen. Man kann sich den Worten des Fürsten nur anschließen. Endlich ist „es wieder so weit!“

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