Mir hat es so richtig den Boden unter den Füßen weggezogen“, beschreibt Emilia Köger das Gefühl, als sie die Nachricht bekam, dass sie aus den USA nach Hause geschickt wird. Sie war seit August als Stipendiatin des Parlamentarischen Patenschafts-Programms des Bundestags in Wisconsin. Seit 16. März ist sie wieder in ihrer Heimat Sulzbach-Laufen. Vier Monate früher als geplant. „Ich habe die Corona-­Entwicklung in den deutschen Medien etwas verfolgt. In den USA hat man zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich was davon gemerkt“, erzählt sie am Telefon.

Als sie dann ins Büro kam – Emilia besuchte nicht nur das College, sondern arbeitete auch für Optima in Green Bay –, erreichte sie die E-Mail, dass sie heimgeschickt wird. „Ich bin etwas in Panik geraten, weil ich in vier Tagen mein Auto verkaufen, mein Bankkonto schließen und die Versicherung kündigen musste.“ Als sie ihre Eltern angerufen hat, hätten diese sie beruhigt und gemeint, dass sie das alles auch von zu Hause aus machen könne. Wichtiger sei, „sich richtig zu verabschieden“. Emilia schrieb Briefe an ihre Freunde und verabschiedete sich noch mal bei einem Essen (Foto) persönlich.

Emilia ist 24 Stunden unterwegs

Vier Tage nach der Mitteilung ging der Flieger in Richtung Heimat. „Es war total traurig, als mich meine Gastmutter zum Flughafen gebracht hat. Sie hat auch geweint“, erzählt die 20-Jährige etwas bedrückt.

Seit ihrer Rückkehr ist Emilia auch in zweiwöchiger Quarantäne, weil sie über New York, momentan ein Risikogebiet, geflogen ist. Daher ist sie viel daheim, kocht, hilft ihren Eltern und macht Sport. „Ich sortiere auch meine Amerikaunterlagen und wasche die Wäsche nach und nach“, sagt sie und lacht.

Momentan fehle ihr vor allem die Mentalität der Menschen in den USA. „Sie sind dort sehr freundlich und Hilfsbereitschaft ist selbstverständlicher als hier.“ Auch ihre Freunde aus aller Welt, die sie bei ihrem Aufenthalt kennengelernt hat, fehlen ihr sehr. „Mit einer Freundin habe ich schon telefoniert und wir tauschen uns über Snapchat aus.“

Geplant hatte sie für ihren USA-Aufenthalt noch einiges. „An dem Wochenende, an dem ich heimfliegen musste, wollte ich mit Freunden einen Roadtrip planen.“ Außerdem stand auch Inselhopping auf Hawaii auf der To-do-Liste. Ein kleiner Trost für sie ist, dass sie ihr Zertifikat für das Programm bekommt, als hätte es regulär stattgefunden. „Ohne Vermerk auf Corona“, fügt sie an.

Kein Kaffee trinken mehr mit den Freunden zusammen

Im Gegensatz zu Emilia ist Nicole Schmieg beim Telefonat am Montag noch in den USA. Die 16-Jährige ist derzeit in Phoenix, Arizona, und weiß noch nicht, wann sie von der Organisation AFS nach Hause geschickt wird, nur dass sie früher fliegen muss. Ebenfalls im August ging es für sie eigentlich für zehn Monate in den Bundesstaat. „Trotz Ungewissheit geht es mir ziemlich gut, auch wenn ich gerade schon lieber zu Hause wäre“, erzählt die Vellbergerin am Telefon. In Phoenix gebe es derzeit noch keine offizielle Ausgangssperre. „Aber die meisten bleiben zu Hause und so kann ich auch meine Freunde nicht sehen.“ Sie vermisse es vor allem, mit ihnen nach der Schule in ein Café um die Ecke zu gehen.

Seit Montag ist für sie auch Home­schooling angesagt. Für viele Kurse werde das Material auf Onlineplattformen zum Bearbeiten bereitgestellt. Jeden Tag schaut Nicole in ihre E-Mails, ob endlich ein Rückreisedatum bekannt gegeben wird. „Einige deutsche Schüler, die ich kenne, sind auch schon heimgeflogen“, erklärt sie.

Einer der Gründe, warum sie noch nicht darunter war, sei, dass sie nicht in der Nähe eines internationalen Flughafens wohne. „Deshalb war ich nicht in der ersten Gruppe.“ AFS versuche die Heimreise nach Deutschland so zu organisieren, dass sie nicht umsteigen muss. Das heißt für sie, dass sie vielleicht eine vier- bis fünfstündige Fahrt nach Los Angeles vor sich hat.

Zwei weitere Jugendliche berichten über ihre Rückkehr aus dem Ausland: Maya Lemke aus Braunsbach und Emma Schäfer aus Ilshofen