Es gibt keinen Grund zur Entwarnung“, machte Ministerpräsident Winfried Kretschmann kürzlich deutlich, nachdem sich Bundeskanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten im Kampf gegen die Pandemie beraten hatte. Es gelte weiterhin vorerst bis zum 19. April die Kontaktsperre, die verschärften Regeln zu befolgen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, um Leben zu retten – vor allem die Krankenhäuser sollten nicht überlastet werden, da generell im Gesundheitssystem mit steigenden Patientenzahlen aufgrund von Covid-19 gerechnet wird.

Die Zahl der Corona-Erkrankten steigt auch im Kreis Hall. Seit Donnerstag, 26. März, hat sie sich von 311 auf 582 (Stand Donnerstagabend) fast verdoppelt. In der Stadt Hall ist sie mit 144 Corona-Erkrankten am höchsten. Lässt sich bereits eine positive Entwicklung, ein erstes Zeichen für eine Verlangsamung beim Blick auf die Daten erkennen? Landrat Gerhard Bauer und OB Hermann-Josef Pelgrim meinen Ja.

„Im schlimmsten Fall war eine Vervielfachung der Zahl an Infizierten zu befürchten, was aber so nicht eingetreten ist“, teilt Landrat Gerhard Bauer in einem Brief an die Kreistagsmitglieder mit. Dies zeige, dass die „Schutzmaßnahmen greifen, aber auch, dass sie von unserer Bevölkerung und unserer Wirtschaft in der ganz großen Mehrzahl gewissenhaft beherzigt und eingehalten werden. Dafür bin ich überaus dankbar.“

Die Kurve sei flacher gehalten worden. Das sei „eine ermutigende Situation“. Zurücklehnen dürfe man sich aber noch lange nicht. Der vom 1. auf den 2. April festgestellte Anstieg der Infizierten um weitere 50 Personen sei noch immer zu hoch. „Gerade jetzt vor den Osterfeiertagen und angesichts des wärmeren Frühlingswetters ist es notwendig, dass unsere Gesellschaft weiterhin Disziplin und Verantwortungsbewusstsein zeigt, auch wenn es in dieser Zeit besonders schwer fällt“, appelliert der Chef der Kreisverwaltung.

186 Menschen wieder gesund

„Wir dürfen in unserem Verhalten, in unserer Solidarität und Rücksichtnahme und in unseren getroffenen Maßnahmen nicht nachlassen, wenn wir eine neue Ansteckungswelle verhindern wollen. Denn die traurige Wahrheit ist, dass wir aufgrund der Virus-Infektion bereits 15 Verstorbene im Landkreis betrauern müssen.“

Es gebe aber auch Erfreuliches zu berichten: Inzwischen seien 186 infizierte Menschen im Landkreis Hall wieder vollständig genesen.

„Es ist weniger geworden. Wir sind bei 143 Personen in häuslicher Quarantäne. In der Spitze waren wir bei über 200 Personen“, stellt Pelgrim gestern Mittag beim Pressegespräch im Rathaus fest. Von Bund und Land werde eine Verdopplungsrate der Corona-Erkrankten von zehn Tagen angestrebt. Die Stadt sei auf einem guten Weg, denn in der Kocherstadt läge diese Rate mittlerweile bei sieben bis acht Tagen. Vor einer Woche seien es noch fünf Tage gewesen. Der OB appelliert an die Selbstdisziplin der Bürger, die Natur in gebotenem Abstand zu genießen.

Bislang Stundungsanträge in Höhe von 650 000 Euro bei der Stadt eingegangen


Der Wochenmarkt ist heute nicht auf dem Marktplatz, sondern auf dem Dietrich-Bonhoeffer-Platz sowie dem weiteren Veranstaltungsplatz, „um die Stände noch weiter ausei­nanderziehen, noch mehr Platz und Abstandsflächen schaffen zu können“, erklärt OB Pelgrim beim Pressegespräch.

Insgesamt 34 Kinder sind in der Notbetreuung der Stadt untergebracht – 15 im Kita-Alter und 19 im Grundschulalter. Darauf haben Eltern Anspruch, wenn sie in der kritischen Infrastruktur arbeiten, beispielsweise in der medizinischen Versorgung tätig sind. Eine pä­dagogische Fachkraft kümmert sich dabei um fünf Kinder. Die Stadtverwaltung hat Kapazität für mindestens 50 Kinder.

18 500 Euro sind mittlerweile im Corona-Hilfsfonds, den die Stadt bei der Hospitalstiftung eingerichtet hat. Mit dem Fonds sollen Menschen und Organisationen unterstützt werden, die durch die Pandemie in Not geraten sind. Den Anfang machte das Unternehmen Recaro mit einer Spende von 10 000 Euro, weitere Spenden folgten.

Sechs Millionen Euro Steuerausfälle der Stadt nennt Pelgrim mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Bei der Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft Schwäbisch Hall seien Stundungsanträge im Volumen von 650 000 Euro eingegangen. Das hängt auch mit Mietkosten zusammen, weil Gaststätten geschlossen bleiben müssen. Die Inhaber versuchen, den Ausfall teils über Lieferdienste, per Essen zum Mitnehmen zu kompensieren. Wie die Stadt beziehungsweise die GWG als Vermieter ihren Mietern entgegenkommt, ist noch offen. Eine geplante Aufsichtsratssitzung wurde wieder verschoben, informiert Pelgrim. cus