Wir haben in der JVA Schwäbisch Hall aktuell noch keine Gefangenen, die mit dem Coronavirus infiziert sind oder bei denen der Verdacht auf eine Infektion besteht“, sagt Mathias Rössle. Der Leitende Regierungsdirektor führt die Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall. Dort, in der Kolpingstraße, sitzen derzeit 405 Gefangene ein.

In der Haller JVA und ihren beiden Außenstellen arbeiten inklusive aller Teilzeitkräfte 227 Bedienstete, die meisten von ihnen in Schicht- und Wechseldiensten an sieben Wochentagen. Bei einem der Bediensteten hat sich inzwischen der Verdacht auf eine Ansteckung dieser Tage bestätigt.

Die Insassen erhalten derzeit keinen Besuch

Lange vor dem Bekanntwerden dieser Ansteckung wurden Sicherheitsmaßnahmen veranlasst. Die drastischste: Die Insassen erhalten derzeit keinen Besuch. Das Ministerium der Justiz und für Europa hat Besuche untersagt. Damit soll verhindert werden, dass das Virus in die Haftanstalten eingeschleppt wird.

Nicht einmal die Angehörigen können ihre Männer, Söhne oder Väter derzeit sehen. „Das ist natürlich für die Gefangenen und ihre Familien ein massiver Einschnitt. Wir versuchen jedoch, deren Kontakte durch eine erhebliche Ausweitung der Telefonzeiten der Gefangenen so gut es geht aufrechtzuerhalten“, erklärt Mathias Rössle.

Crailsheim/Hall

Der Mindestumfang der Besuche ist gesetzlich geregelt. Die Gefangenen haben in normalen Zeiten das Recht, mindestens eine Stunde im Monat Besuch zu erhalten. In der Haller Vollzugsanstalt wird die Regel großzügig ausgelegt. Zuletzt betrug die Besuchszeit regelmäßig monatlich bis zu vier Stunden, verteilt auf maximal vier Termine.

Hamsterkäufe hin, leere Regale her – die Gefangenen in Schwäbisch Hall werden versorgt wie immer. „Unsere Lebensmittellager sind gut gefüllt“, sagt Mathias Rössle.

Auch personell ergeben sich trotz der einzelnen Infektion noch keine Engpässe. Zwar fallen weitere Mitarbeiter aus, weil sie sich in Risikogebieten aufgehalten haben oder Kontakt zu einem infizierten Menschen hatten und deshalb zu Hause bleiben. Doch diese Ausfälle könnten kompensiert werden. Für den Dienstbetrieb gebe es keine Beeinträchtigungen.

Völlig einschränken lasse sich das Infektionsrisiko für die Insassen nicht, denn der Personenkontakt sei nicht komplett reduziert. Allerdings weist Mathias Rössle darauf hin, dass die baulichen und organisatorischen Sicherheitseinrichtungen des Vollzugs allgemein einen nicht unerheblichen Infektionsschutz nach außen hin bieten.

Es gibt nur wenige Ausnahmen

Anstaltsfremde Personen und ehrenamtliche Mitarbeiter dürfen die JVA momentan nicht betreten. Ausnahmen sind zugelassen, wenn es aus dringenden Gründen, also zur Aufrechterhaltung des Dienstbetriebs, zur Versorgung mit Lebensmitteln oder für eine sachgerechte rechtliche Verteidigung der Gefangenen, absolut notwendig ist, erklärt Mathias Rössle. In diesen Ausnahmefällen müssen sich diese Personen vor dem Betreten zu ihrem aktuellen Gesundheitszustand, einem etwaigen Aufenthalt in Risikogebieten sowie zu möglichen Kontakten mit Personen erklären, die an dem Coronavirus erkrankt sind.

Gefangene werden bei Symptomen in besonderer Abteilung isoliert

Diese Überprüfung gilt auch für Gefangene, die zur Verbüßung einer Freiheitsstrafe oder für eine Untersuchungshaft von der Polizei in die Haller JVA gebracht werden. „Hat sich der Gefangene zuvor innerhalb der Inkubationszeit in einem Risikogebiet aufgehalten, hatte er in dieser Zeit nachweislich Kontakt mit einer mit dem Coronavirus infizierten Person oder zeigt er gar auffällige oder unklare Symptome, wird der Gefangene zunächst unverzüglich auf einer besonderen Abteilung isoliert und einem Anstaltsarzt vorgestellt, der die weitere medizinische Abklärung und Behandlung in Abstimmung mit dem örtlichen Gesundheitsamt übernimmt“, erklärt der Haller Anstaltsleiter zur Aufnahme neuer Gefangener.