Als ich erfahren habe, dass ich Malawi bald schon wieder verlassen muss, hat mich das emotional mitgenommen. Es war schwierig für mich. Es fühlt sich an wie rausgerissen“, erzählt Johanna Geiger zwei Tage, nachdem sie nach Deutschland zurückgekehrt ist – zurückkehren musste. Die 19-Jährige arbeitete im Rahmen eines Freiwilligendienstes an einer Schule. Sie hatte in Afrika Freunde gefunden und viel Spaß an ihrer Arbeit. Die Menschen in Malawi haben durch ihre Herzlichkeit großen Eindruck bei Johanna Geiger hinterlassen.

Weit weg von der Hauptstadt

Zalewa ist etwa vier bis fünf Stunden Autofahrt entfernt von der malawischen Hauptstadt Lilongwe. Die junge Frau aus Gailenkirchen arbeitete dort seit September an einer Schule. Die Organisation Face aus Wolfsburg hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Schule zu erweitern.

„Die Grundschulen in Malawi sind kostenlos. In eine Klasse gehen aber 100, manchmal 200 Mädchen und Jungen. Es gibt weder Tische noch Bänke. Die Schüler sitzen auf dem Boden“, berichtet Johanna Geiger. Die freiwilligen Helfer konnten ihre Projekte an der Schule frei auswählen und bestimmen. Die Hallerin entschied sich zunächst dafür, den Mädchen Sport näherzubringen. Nachdem es mit Leichtathletik und Ballspielen nicht geklappt hat, schwenkte Johanna Geiger um aufs Tanzen – mit Erfolg.

Später half sie in einer Übergangsklasse beim Sprachunterricht. Nachdem in den ersten Schuljahren in der Landessprache Chichewa unterrichtet wird, geht es später in Englisch weiter. Dieser Schritt fällt vielen Mädchen und Jungen schwer, erklärt Johanna Geiger. Bei diesem Übergang half sie. Mit anderen Lehrern der Schule unterrichtete die Hallerin außerdem Mathe, Biologie sowie Gartenarbeit.

Unsichere Situation

Das Coronavirus spielte in Malawi lange keine Rolle, versichert Johanna Geiger. Doch es stand zu befürchten, dass das Land seine Grenzen schließen wird – für Einreisen wie für Ausreisen. Mitte März hat ihr eine Freundin aus Indien per Whatsapp die Nachricht geschickt, dass sie, ihre Freundin, wegen Corona wohl zurück nach Deutschland muss.

Bald schon meldete sich auch die Organisation, die die Hallerin nach Afrika vermittelt hatte. Zunächst wurde ihr der frühzeitige Rückflug nahegelegt, doch schnell kam der Rückzieher. Johanna Geiger wollte auch gar nicht zurück. „Ich habe das locker gesehen. Vielleicht ist man ja in Malawi sicherer vor Corona als in Deutschland“, war ihre anfängliche Reaktion.

Rückflug verschoben

Erst als zu befürchten stand, dass die Grenzen geschlossen werden, änderte sich die Situation grundlegend. Ein erster Rückflugtermin wurde noch verschoben, doch am vergangenen Freitag war es dann so weit. Johanna Geiger flog vom internationalen Flughafen Kamuzu nahe der Hauptstadt Lilongwe über Addis Abeba in Äthiopien zurück nach Frankfurt.

Daheim in Gailenkirchen hat sich die 19-Jährige erst mal in häusliche Quarantäne begeben. „Ich bringe mein Zimmer in Ordnung und helfe im Haushalt. Natürlich freue ich mich schon sehr darauf, wenn ich meine Freunde treffen kann.“

Wunsch nach Rückkehr

Malawi gehört für Johanna Geiger trotz des schnellen und unerwarteten Abschieds nicht der Vergangenheit an. Sie wünscht sich, vor Beginn ihres Studiums im Oktober nach Ostafrika zurückkehren zu können. Ob die junge Frau aus Gailenkirchen danach auf Grundschul-Lehramt studiert, wie es lange der Plan war, ist noch nicht sicher. „Die Arbeit in Malawi hat bei mir das Interesse an sozialer Arbeit geweckt.“

Aufgewachsen in Gailenkirchen


Johanna Geiger kam in Schwäbisch Hall zur Welt. Im Haller Teilort Gailenkirchen ist sie aufgewachsen, dort ging sie auch in die Grundschule. Das Abitur machte sie im zurückliegenden Jahr am Haller Gymnasium bei St. Michael. Am 10. September 2019 flog sie nach Malawi. Im dortigen Zalewa leistete sie Freiwilligendienst an einer Schule. Seit vergangenen Samstag ist sie zurück in Hall. just