Es waren knapp 30 Personen, die am 25. März mit einer bestätigten Covid-19-­Infektion am Diakonie-­Klinikum in Behandlung waren. Mittlerweile sind es auf den Isolierstationen im Schnitt zwischen 40 und 50 Patienten – rund zehn Prozent der Bettenkapazität. Die Zahlen steigen. Von einem Sturm will Holger Praßel noch nicht reden, aber der Wind wehe stärker, die große Welle der Erkrankungen komme noch. Das Krankenhaus bereitet sich weiter vor, im Brennpunkt zu sein. Der Klinikum-Geschäftsführer und Pressesprecherin Manuela Giesel informieren beim gestrigen Pressegespräch im Rathaus zum aktuellen Stand der stationären Gesundheitsversorgung und richten Appelle an die Bürger.

Diak hat drei Isolierstationen in leer stehendem Haus errichtet

„Mittlerweile gibt es drei Isolierstationen im Waldhaus, das leer stand und dafür sehr gut geeignet ist“, macht Praßel deutlich. Die Menschen werden dort seit 14 Tagen von Intensivmedizinern rund um die Uhr versorgt und abgeschirmt, im Schnitt acht Tage im Klinikum behandelt und danach in häusliche Quarantäne entlassen, ergänzt Giesel. Die Pressesprecherin nennt 43 Menschen, die wieder gesund das Krankenhaus in die häusliche Isolation verlassen haben. „Von den 20 Intensivplätzen sind zehn belegt“, informiert Praßel. Es sei möglich, insgesamt acht weitere Plätze zu schaffen, um Patienten beatmen zu können. Vier Intensivplätze müssten aber freigehalten werden, um beispielsweise Unfallopfer zu versorgen.

Planbare Behandlungen werden verschoben – Diak such Helfer

Der zwölfköpfige, interdisziplinäre Führungsstab bewertet täglich die Lage neu. Planbare Behandlungen wie beispielsweise eine normale Hüftoperation werden verschoben, um so viele Kräfte wie möglich für die Intensivmedizin zu gewinnen. Solche Operationen werden aber trotzdem gemacht, wenn es zu Schmerzen oder Entzündungen kommt, erläutert der Geschäftsführer.

Schwäbisch Hall

Zudem suchen die Verantwortlichen des Diakonie-Klinikums freiwillige Helfer, die das Krankenhauspersonal bei Bedarf unterstützen, wenn die Zahlen weiter steigen. Gesucht werden vor allem intensivmedizinisch erfahrene Pflegekräfte und Ärzte, informiert Giesel. Es seien bereits Meldungen in niedriger zweistelliger Zahl eingegangen. Interessierte können sich auf der Webseite www.diakoneo.de/coronahelfer registrieren und werden dann persönlich kontaktiert, sobald sie gebraucht werden.

„Bitte ehrlich sein und nicht persönlich, unvorbereitet ins Krankenhaus kommen oder in eine Arztpraxis gehen, sondern telefonisch Kontakt aufnehmen“, appelliert Praßel an die Bürger. Es sollten die Symptome geschildert und dann den weiteren Anweisungen gefolgt werden. Praßel nennt Symptome wie trockenen Husten, Fieber, Geruchs- und Geschmacksverlust, Magen-Darm-Beschwerden. Auch bei einer Verletzung, einem Unfall sei es wichtig, ehrlich zu sein, sonst steige die Gefahr, dass das Klinikum wichtige Rettungskräfte verliere, wenn die sich infizieren, in Quarantäne geschickt werden müssen, ergänzt Giesel.

Kreis Hall

Seit einigen Tagen tragen die Krankenhaus-Mitarbeiter Mund- und Nasenschutz, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren – Patienten ebenso, wenn möglich. „Ein besserer Schutz als ohne“, betont der Geschäftsführer.

Das Verhalten jedes Einzelnen zähle, appelliert Praßel. Die Menschen sollten möglichst zu Hause bleiben. Ansonsten Regeln befolgen, Abstand halten, Sozialkontakte vermeiden, so viel wie möglich telefonisch oder elektronisch erledigen, um die Kurve der Erkrankungen abzuflachen, dadurch Zeit zu strecken.

Versammlungsverbot: Bußgelder zwischen 100 und 1000 Euro werden fällig


„Es sind erste Bußgelder auf dem Weg“, informiert OB Pelgrim beim Pressegespräch im Rathaus. In einer Höhe von 100 bis 1000 Euro treffen sie diejenigen, die sich nicht an das Versammlungsverbot im öffentlichen Raum halten. Mehr als zwei Menschen dürfen nicht draußen zusammen sein – es sei denn, es sind Angehörige aus dem gemeinsamen Haushalt. Mit einem Freund oder einer Freundin spazieren zu gehen, ist in Ordnung, aber zu dritt nicht. Im öffentlichen Raum soll ein Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden. Öffentliche Einrichtungen wie beispielsweise Spielplätze sind mindestens bis zum 19. April gesperrt. Die Stadtverwaltung werde mit zusätzlichen Mitarbeitern von Schulen und Schulsozialarbeit stärker kontrollieren.

Der Wochenmarkt auf dem Marktplatz wird heute einen Stand weniger haben, weil der Kaffeeausschank nicht mehr akzeptabel sei, so Pelgrim. Die Anordnung der Stände wurde bereits verändert, Gänge verbreitet, um mehr Abstand zu schaffen. Trotzdem werde für Samstag erwogen, den Markt auf den Dietrich-­Bonhoeffer-Platz vor der Volksbank zu verlegen

110 bestätigte Corona-Erkrankte sind es in Schwäbisch Hall (Landkreis 437, 11 Tote), nennt Pelgrim am Dienstagmittag Zahlen. 279 Personen leben in häuslicher Quarantäne. cus