Schwäbisch Hall / GOTTFRIED MAHLING In der amerikanischen und deutschen Comic-Scene ist der Kalifornier Thomas Yeates seit Jahrzehnten einer der Stars schlechthin. Noch bis zum morgigen Donnerstag lässt er sich von der Haller Altstadt inspirieren.

Wenn Thomas Yeates von seinem Hotelzimmer im "Goldenen Adler" auf den Haller Marktplatz schaut, gerät er ins Schwärmen. "Die Kirche, die große Treppe und in welchen Farben das Licht durch das Fenster dringt - einfach großartig", sagt der 60-Jährige aus Jenner, einer Kleinstadt wenige Kilometer nördlich von San Francisco.

Thomas Yeates ist in der hiesigen Comicbuch-Szene spätestens seit den 80er-Jahren bestens bekannt. Dennoch ist er im März 2015 zum ersten Mal überhaupt auf Deutschland-Tournee. In großen Comic-Shops in Darmstadt, Frankfurt und Bochum wird er von seinen Fans umlagert. Danach, am vergangenen Wochenende, ist er auf der Comic-Manga-Convention innerhalb der Leipziger Buchmesse mit einem Stand vertreten, verkauft unter anderem eine überformatige Hardcover-Spezialauflage von "Zorro versus Dracula". "Es lief wirklich gut, ich hatte alle Hände voll zu tun", sagt der Kalifornier.

Dass er nicht direkt nach dem Abschluss der "Leipzig book fair" zurück in die Staaten fliegt, ist seinem Freund Uwe Reber zu verdanken. Der 50-jährige Haller ist seit Kindertagen großer Comic-Fan und im Jahr 2007 auf der Suche nach einer "Billy the Kid"-Ausgabe des mittlerweile verstorbenen Zeichners Al Williamson, die es in Deutschland nicht zu kaufen gibt. Uwe Reber fragt per Mail bei Thomas Yeates an - mit Erfolg. "Billy the Kid" wird über den Atlantik nach Hall geschickt.

Als Gegenleistung bietet Uwe Reber, der hauptberuflich als Webmanager den Internetauftritt der Sparkasse Heilbronn betreut, Hilfe bei der Gestaltung von Thomas Yeates' Homepage www.thomasyeates.com an. "Ich kann ziemlich schlecht mit Computern umgehen, da war ich über Uwes Unterstützung richtig dankbar", erzählt Yeates, der Reber dieser Tage erstmals besucht.

Neben einer Stadtführung inklusive Comburg-Besichtigung will sich der Comic-Zeichner auch Rothenburg ob der Tauber und Heiddelberg anschauen. "Ich habe mir allerdings auch etwas Arbeit mit nach Hall gebracht", verrät Thomas Yeates und zeigt einen Entwurf der jüngsten Prinz-Eisenherz-Ausgabe. "Prince Valiant", so der englische Titel, erscheint bereits seit 1937 und gilt als eines der größten Comic-Abenteuer aller Zeiten. Prinz Eisenherz ist ein Superheld aus dem sagenhaften Königreich Thule im hohen Norden, den es an den Hof von König Artus verschlägt und der anschließend im ganzen frühmittelalterlichen Europa unglaubliche Abenteuer erlebt. Seit dem 1. April 2012 zeichnet Thomas Yeates die Prinz-Eisenherz-Serie, die in den Vereinigten Staaten regelmäßig in großen Zeitungen und in Deutschland in jährlichen Fortsetzungsbänden erscheint.

Die Altstadt von Schwäbisch Hall passt zwar nicht ganz in die dunkle Zeit des 5. und 6. Jahrhunderts, aber vielleicht könnte auch hier oder auf der Comburg ein Abenteuer von Prinz Eisenherz spielen, sind sich Uwe Reber und Thomas Yeates einig. Der Künstler aus Jenner kennt die mittelalterliche Architektur Europas bislang nur aus Büchern und Filmen.

Auf was er sich am meisten freut, wenn er wieder daheim an der amerikanischen Westküste ist? "Wahrscheinlich auf meine Gitarre", sagt Thomas Yeates. Mit seiner Band "The Jenners" spielt er unter anderem Protestsongs gegen die Kriege im Irak und in Afghanistan.

Zur Person

Thomas Yeates wurde 1955 in Sacramento geboren und lebt heute in Jenner nördlich von San Francisco an der Pazifikküste. Der Hobby-Musiker ist verheiratet und hat eine 19-jährige Tochter. Seine Karriere als Zeichner begann Thomas Yeates mit einer Ausbildung an der Joe Kubert School of Cartoon and Graphic in New Jersey. Anschließend zeichnete er für verschiedene Verlage unter anderem Sgt. Rock, Warlord, Swamp Thing, Timespirits, Universe X, Paradise X, Tarzan und The Outlaw Prince. Zu seinen jüngeren Aufgaben zählen Zorro vs. Dracula, Law of the Desert Born und Prince Valiant (Prinz Eisenherz).

SWP