Forschung Comburg: Historischer Schatz mit zu wenig Besuchern

Ein Blick aus der Luft auf die Comburg.  
Ein Blick aus der Luft auf die Comburg.   © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 15.09.2018
Bei einem dreitägigen Symposium wird die Geschichte der Comburg und die kunsthistorische Bedeutung unter die Lupe genommen. Ziel ist es, das Monument bekannter zu machen.

Imposant erhebt sich die Comburg über Steinbach, seit nun mehr als 900 Jahren. Sie hat sowohl geschichtliche als auch kunsthistorische Bedeutung. Dr. Karin Ehlers von „Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“ – Eigentümer der Anlage – spricht gar von einem „herausragenden Monument“. Besucherströme, die „in einer so bedeutenden Klosteranlage erwartbar wären, haben sich aber nicht eingestellt“.

Zu wenige Besucher

Ehlers spricht in Vertretung von Michael Hörrmann, Geschäftsführer der staatlichen Anstalt, der bei einem vergangenen Besuch in Hall „den ungeheuren kulturellen Schatz“ auf der Comburg lobte. Unter den knapp drei Dutzend Monumenten im Land sei jenes in Steinbach einzigartig, alleine durch die „Dichte an kunsthistorischen Ausnahmen“. Das Kloster in Maulbronn, das als Unesco-Weltkulturerbe freilich einen anderen Rang besitzt, locke jährlich rund 240 000 Besucher an. Auf der Comburg sind es gerade mal 20 000.

Seit gestern tagen Dutzende Historiker, Wissenschaftler und Studenten in den alten Gemäuern. Das dreitägige Symposium, zu dem auch die Öffentlichkeit eingeladen ist, soll Licht in das Dunkel der Geschichte der Comburg bringen und die historische Bedeutung bekannter machen. „Die Tagung war überfällig, nicht erst seit ein paar Jahren, sondern seit Jahrzehnten“, so Ehlers. Es sei „bedenklich“, dass die Forschung sich immer nur mit kleinen Teilen und nur sporadisch mit der Comburg befasst hat.

Angestoßen wurde das neuerliche Engagement wesentlich von Professor Dr. Klaus Gereon Beuckers vom Institut für Kunstgeschichte in Kiel. Er war einst rund 13 Jahre lang auch in Baden-Württemberg tätig und hatte dabei mehrfach die Comburg erlebt. „Die Forschungs- und Publikumslage wird dem Ensemble nicht gerecht“, sagt der Professor  bei seiner Begrüßung gestern. „Breit wahrgenommen, intensiv erforscht in vielen Publikationen, aber ohne Kontext zur Comburg genannt“, seien nur der Radleuchter und das Antependium in der Stiftskirche. Auch regional sei immer wieder geforscht worden – aber eben nicht in dem Maße, dass bundesweite Strahlkraft oder gar internationale Aufmerksamkeit erzielt werden konnte.

Das soll sich ändern. Junge Wissenschaftler sollen auf Themen aufmerksam gemacht werden, die sie in Gruppen diskutieren. „Wir wollen Forschung mit Lehre verbinden und das Ergebnis fruchtbar machen.“ Die Comburg sei „eine Schatzkiste“. Ziel, so Beuckers, sei eine Publikation, die innerhalb eines Jahres erscheinen und möglichst weite Aufmerksamkeit erzielen soll.

Kein Weltkulturerbe

Das ist ganz im Sinne von Hans-Reiner Soppa, Leiter der Akademie für Lehrerfortbildung, die die Räume der Comburg nutzt. „Das Symposium ist überfällig.“ Er könne nicht verstehen, wieso das Kloster Maulbronn als Unesco-Weltkulturerbe ausgezeichnet ist, dieses Prädikat aber für die hiesige Anlage fehlt. „Die Comburg ist geschlossener und erhaltener als Maulbronn.“

Nun werden sich die Teilnehmer bis Sonntag an die Arbeit machen, lauschen, diskutieren und neue Aspekte für die Forschung suchen. Fast 20 öffentliche Vorträge stehen auf dem Tagungsprogramm (siehe Info).

Unter den Experten ist Professor Dr. Gerhard Lubich, der in Hall aufgewachsen ist und in Bochum lehrt. Am gestrigen Freitagmorgen darf er als erster Experte sprechen und beleuchtet die Entstehungszeit der Anlage um das Jahr 1078. „Man muss eine gewisse Skepsis walten lassen“, sagt er in Bezug auf alte Forschungsarbeiten, die eine Verbindung zwischen den Grafen von Comburg-Rothenburg und dem hohenlohischen Adelsgeschlecht herstellten. Dafür gebe es keine Belege. Vielmehr deuteten Untersuchungen darauf hin, dass die Grafen irgendwann von der Bildfläche verschwanden. Belegt ist, dass die Staufer und später die Schenken von Limpurg das Zepter übernahmen. Lubich verweist auch auf die regionale Zuordnung. „Nach Merian gehört Steinbach zu Franken (...) Historisch ist das nicht Schwaben!“

Programm am Samstag und Sonntag

Öffentliche Vorträge werden noch am heutigen Samstag und morgigen Sonntag angeboten. Beginn ist heute um 9.15 Uhr mit einem Blick von Helga Steiger auf „Westturm und die Ostanlage der Großcomburg“. Im Dreiviertelstundentakt geht es mit anderen Themen bis 16 Uhr weiter. Von 16.30 Uhr bis 19 Uhr ist eine Begehung der Anlage geplant. Am Sonntag beginnt Ursula Prinz aus Kiel mit „Himmlisches Jerusalem – Zur kunsthistorischen Stellung des Comburger Radleuchters“. Weitere Referenten folgen. Abschlussdiskussion ist von 13 bis 14 Uhr.

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