Umbau Club Alpha 60: Umbauarbeiten im neuen Domizil an der Spitalmühlenstraße gestartet

In der Spitalmühlenstraße 13/2 wird seit Samstag fleißig gearbeitet. Bis zum Frühjahr 2016 soll das Gebäude bezugsfertig sein.
In der Spitalmühlenstraße 13/2 wird seit Samstag fleißig gearbeitet. Bis zum Frühjahr 2016 soll das Gebäude bezugsfertig sein. © Foto: Ernst-Walter Hug
ERNST-WALTER HUG 11.08.2015
Die Umbauarbeiten für das neue Domizil des Haller Clubs Alpha 60 in der Spitalmühlenstraße sind am vergangenen Samstag offiziell gestartet. Im Frühjahr 2016 soll Einweihung gefeiert werden.

Wuuuummmm! Beim ersten Schlag mit dem großen Vorschlaghammer wackelt die Wand. Beim zweiten und dritten Schlag bricht der Gipskarton, wird von den anderen mit einem Pickel von der Wand gewuchtet. Weitere zehn Schläge und die Holzkonstruktion darunter hat nachgegeben, die Kantholzstreben lösen sich aus Decke und Boden, verbiegen und verwinden sich ineinander. Die gesamte Zwischenwand ist nicht mehr. Eisenwinkel werden mit dem Akkuschrauber entfernt, die Holzplatten und Kanthölzer draußen im Foyer und Treppenhaus gestapelt. "Zur Wiederverwertung", sagt Frieder Simpfendörfer, der an diesem ersten wirklichen Arbeitstag der Clubfreiwilligen die Vor-Ort-Koordination und damit die Verantwortung übernommen hat. "Wir schreiben von jedem Arbeitstag Protokolle und übergeben die dann der jeweils nächsten Arbeitsgruppe."

Nach den Ferien soll mehr Schwung in den Umbau kommen

Diese erste Gruppe am Samstag umfasste nur vier Leute, und die hatten sich noch nicht mal im vom Club benutzten Online-Terminplaner "Doodle" eingetragen, so dass Frieder Simpfendörfer, als er morgens aufschloss, nicht mal wusste, ob überhaupt jemand kommt. "Eingetragen haben sich acht weitere Freiwillige", sagt er, "doch die gehen jetzt erst mal in die Ferien."

Aber das sei vielleicht gar nicht so schlecht. Oft wäre es bei solchen Projekten ja so, dass die Anfangseuphorie nach zwei, drei Einsätzen nachlasse und der eine oder andere wegbleibe. So habe man nach den Ferien wieder Leute, die mit Schwung an die Sache gingen.

Das Phänomen, dass sich nur relativ wenige auch für die tatsächlichen Arbeiten engagieren, sei nicht neu und auch kein Club-spezifisches. Die meisten jungen Leute kämen halt zum Abfeiern am Wochenende, Interessiertere auch zu Konzerten und anderen Veranstaltungen. Diejenigen aber, die sich in den Arbeitskreisen und Projektgruppen bemühen, das Clubleben voranzubringen, blieben oft lange dabei, weit übers Jugendalter hinaus.

"Manche kriegen schon graue Haare", frotzelt einer der vier vom Samstag und blickt dabei seinen Mitschaffer an. Manche der Arbeitskreise im Club existieren ja auch schon lange, der "AK Kino im Schafstall" beispielsweise schon seit über 40 Jahren, oder der "AK Bar", der die Clubabende am Laufen hält, fast so lange wie der Club alt ist, und der feiert im kommenden Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Das bedeutet, dass heute dort die Kinder und Enkel der Gründergeneration aktiv sind.

Das Image des Clubs Alpha in einigen Kreisen der Haller Bevölkerung hat sich seltsamerweise kaum gewandelt, die Inhalte der Arbeit des Clubs Alpha 60, der sich längst nicht mehr nur Jugendclub nennt, sondern "soziokulturelles Zentrum", schon.

Das wird auch am Nutzungskonzept der neuen Räumlichkeiten deutlich. Das seit 2003 im "30-Jahre-Provisorium Löwenkeller" existierende, von einem Pächter betriebene "Art Café" wird mit umziehen, im Obergeschoss sind Gästezimmer für Künstler und Ateliers für Kultur und Kunst geplant, darunter, neben dem alltäglichen Clubraum mit Bar, wird es eine fester Bühne mit großen Veranstaltungsraum geben. Und ein großer Backstage-Bereich macht deutlich, dass im Club nicht nur heimische Amateure, sondern auch europaweit und international renommierte Künstler auftreten.

400.000 Euro Miete gehen in 20 Jahren an die Stadt

Dort im künftigen Backstage-Bereich schraubt Frieder Simpfendörfer mittlerweile aus Kanthölzern und Brettern, die zuvor noch eine Wand waren, eine Recycling-Leiter für die weiteren Arbeiten zusammen. "Wir müssen für dieses vom Land geförderte Projekt Eigenleistungen im Wert von 65.000 Euro erbringen, und auch die von der Stadt zu investierenden 400.000 Euro zahlen wir in Form von Miete in den kommenden 20 Jahren zurück", so Frieder Simpfendörfer. "Außerdem brauchen wir für unsere Ausstattungskosten rund 20.000 Euro, wovon wir bislang etwa die Hälfte in Form von Spenden bekommen haben." Aber das lasse sich alles auf der Internetseite des Clubs Alpha nachlesen, wo auch einen Umbau- und Umzugsblog veröffentlicht werde.

Der Umzug in die Spitalmühlenstraße 13/2, im Alpha-Jargon kurz SMS 13/2 genannt, in das Haus, das einst eine Wäscherei, dann die Haller Arbeit der Erlacher Höhe und zuletzt Asylbewerber beherbergte, soll im Frühjahr 2016 erfolgen. Rechtzeitig fürs 50-Jährige.

Der Verein Club Alpha 60 wurde am 16. Juli 1966 vom späteren Landtagsabgeordneten Dr. Walter Müller, dem späteren Notar und mittlerweile verstorbenen Dieter Vogt und weiteren Freunden gegründet und öffnete am 3. September desselben Jahres zum ersten Clubabend im ersten Domizil, dem Anlagencafé in den Ackeranlagen.

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