Sie nimmt einen ordentlichen Stapel Briefe und Papier mit nach Berlin: Die Grünen-Politikerin Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, hat am Samstag nicht nur beim Sommerfest der grünen Kreisverbände Hall und Hohenlohe im Biergarten des Gasthofs Roter Ochsen in Wackershofen gesprochen. Sie nutzte die Gelegenheit auch, um sich vor dem Fest mit Vertretern von Asyl-Freundeskreisen aus der Region sowie Flüchtlingen über ihre Situation auszutauschen.

Charlotte Rehbach vom Freundeskreis Asyl in Crailsheim berichtet dagegen von einer guten Vernetzung zwischen Ehrenamtlichen und Stadt, die extra Flüchtlingsbeauftragte einstellte. 280 Ehrenamtliche seien in Crailsheim registriert, Einsätze können schnell und gezielt koordiniert werden. Problematisch sei aber, dass teils mehr als 200 Kinder nicht in den Kindergarten dürfen. Und: Rund 100 Männer aus Gambia im Zuständigkeitsbereich des Crailsheimer Freundeskreises hätten kaum Aussicht auf Anerkennung: „Sie dürfen zu keinem Kurs, dürfen nicht arbeiten, und sie sind seit zwei Jahren da“, erklärt Rehbach und fürchtet wachsende Probleme.

Ulrike Seitz vom Haller Freundeskreis hat Hasan Abbas aus Damaskus und Mohammad Hussein aus Nordafghanistan mitgebracht. Ulrike Seitz erzählt zudem von zermürbenden Wartezeiten, die das Zusammenkommen von Mutter und Sohn verhindern, sowie plötzlich in der Landeserstaufnahmestelle fehlende Papiere.

Der bereits seit den 90ern bestehende und mittlerweile von Pfarrer und Bürgermeister reanimierte Freundeskreis in Kirchberg habe einen Arbeitskreis gegründet, der speziell beim Ausfüllen der Formulare hilft, „was eigentlich nicht nötig sein sollte“, sagt Bernard Cantré. Er sorgt sich um den Fortbestand der eigentlich guten Stimmung in den Freundeskreisen: „Dazu soll sich die Politik bitte den qualifizierten Kopf zerbrechen.“ Die Freundeskreisvertreter haben außerdem Briefe parat, in denen sie ihr Anliegen und einzelne Fälle schildern und der Bundestagsvizepräsidentin mitgeben.

Roth ermutigt die Ehrenamtlichen und Flüchtlinge, spricht von einer „Willkommensstruktur“, in welche die vielzitierte Willkommenskultur nun münden müsse. Gleichzeitig dürften sich sozial Schwache nicht als Konkurrenz zu den Asylbewerbern wahrnehmen. Eine weitere Aufgabe sei, Bleibeperspektiven zu schaffen: „Dass Menschen über Monate nicht wissen, was passiert, ist ein Turbo für den Frust.“

Schnelle Lösungen kann Claudia Roth an diesem Samstagnachmittag freilich auch nicht bieten.

Sommerfest der Grünen im Biergarten des Roten Ochsen in Wackershofen

Hoffnung Es falle nicht leicht, angesichts des Anschlags in Nizza und des Putsch-Versuchs in der Türkei (Claudia Roth: „Die Türkei braucht keinen Putsch, sondern Rechtsstaatlichkeit und Demokratie.“), ein Sommerfest zu feiern, räumen die Redner im Ochsen-Biergarten einmütig ein. Ein Gespräch wie mit den Flüchtlingskreisen, gebe Hoffnung, betont Roth. Sie fordert legale Fluchtwege – „der EU-Türkei-Deal ist gefährlich und falsch“ –, kritisiert Rüstungsexporte, mahnt zu ernsthaften Schritten in Sachen Klima und schimpft über die Brexit-Demagogen, die sich nun aus dem Staub machten. Bevor gemütlich im Biergarten geplaudert und gespeist wird, bekommt Claudia Roth zum Dank eine Tasche mit Hohenloher Spezialitäten – und vor allem über die Wibele freut sie sich besonders.

Protest Am Rande des Festes hat sich ein Dutzend Windkraft-Kritiker aus dem Hohenlohekreis eingefunden, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. (Bericht folgt).