Nachruf Christoph Graf Douglas hinterlässt auch Spuren in der Sammlung Würth

Christoph Graf Douglas hat es verstanden, geistreich plaudernd Kunst-Wissen zu vermitteln.
Christoph Graf Douglas hat es verstanden, geistreich plaudernd Kunst-Wissen zu vermitteln. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / BETTINA LOBER 14.09.2016
Die Holbein-Madonna und die Alten Meister in Hall – das ist auch Christoph Graf Douglas zu verdanken. Am Freitag ist der Kunstvermittler überraschend gestorben.

Wenn er anfing über Kunst zu sprechen, hingen die Zuhörer förmlich an seinen Lippen: Christoph Graf Douglas. Er war einer der bedeutendsten Kunstberater Deutschlands. Am Freitag ist der 68-Jährige überraschend gestorben. Die Nachricht von seinem plötzlichen Tod hat die Mitarbeiter der Sammlung Würth bestürzt. Im Foyer der Kunsthalle Würth in Hall wird an den wortgewandten Kunstliebhaber und Kunstfachmann erinnert. Ihm verdankt die Sammlung Würth nicht nur die Vermittlung eindrucksvoller Kunstwerke, wie etwa die ehemalige Sammlung der Fürsten zu Fürstenberg, die nun als Alte Meister in der Johanniterkirche eine Heimat gefunden haben, oder die Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren, sondern auch „große Momente der verbalen, ja poetischen Kunstvermittlung“, sagt Kunsthallendirektorin Sylvia Weber.

Man denke nur an seinen kurzweiligen Vortrag, den er im Januar zur Finissage der Ausstellung „Silberhirsch und Wunderprunk“ hielt: Geistreich plauderte er aus dem Nähkästchen eines Silber-Kenners, immerhin war er jahrelang Deutschland-Chef des Auktionshauses Sotheby’s. Dort wurde spürbar, warum er als fähiger und wichtiger Kunstvermittler galt: Seinem erkenntnis- und anekdotenreichen Ton konnte sich kaum jemand entziehen. „Er war ein einfühlsamer, aufgeschlossener und begeisterungsfähiger Liebhaber von Kunst, Natur und Mensch“, sagte Feuilleton-Redakteurin Gina Thomas von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Graf Douglas verstand es, seinen eigenen riesigen Hunger nach Wissen und Schönheit, mit Humor weiterzugeben. Im Dezember 2009 hatte die Haller Bürgerstiftung ihn eingeladen, im Schulzentrum Ost die „Rede an die Jugend“ zu halten: Er machte keinen Hehl daraus, dass er kein besonders guter Schüler war, und dass er seinen Opel Olympia gegen alte Bauernmöbel eintauschte. Das hatte auch seinen damaligen Nebensitzer Thomas Preisendanz erstaunt. Letzterer war bis Ende Juli Schulleiter des Gymnasiums bei St. Michael – noch so eine Verbindung von Graf Douglas nach Hall.

Am 13. Juli 1948 wurde er in Konstanz geboren. In Freiburg machte er sein Abitur, um danach in Freiburg und Braunschweig Kunstgeschichte zu studieren. Dabei entwickelte sich sein Faible für Silber: Während des Studiums in Braunschweig kam er in einem Zimmer der Villa einer Industriellenfamilie unter. „Stehlen Sie mir nicht mein Silber“, habe ihn der Hausherr gewarnt. Abends wurde der Student in die Bibliothek gebeten und musste den Ausführungen über Musik, Wein oder eben Silber folgen. Später promovierte Graf Douglas über Konstanzer Silber.

Seinen jungen Zuhörern bei der „Rede an die Jugend“ im Dezember 2009 riet er genau das: „Entwickeln Sie eine Leidenschaft, Ihr Leben wird dadurch schöner und voller.“

Douglas’ Passionen beschränkten sich nicht auf die bildende Kunst: Wenn man ihn auf seinem Hofgut Dauenberg bei Eigeltingen nordwestlich des Bodensees besuchte, sei man zunächst einige Kilometer durch den Wald gefahren, erzählt Kunsthallendirektorin Sylvia Weber: „Der Weg war gesäumt mit Dichtertafeln mit Versen von Rilke und Hesse.“ Das Thema Poesie sei ihm immer wichtig gewesen.

Dazu fühlte sich der bodenständige Adlige, der nicht nur für Sotheby’s weltweit unterwegs und seit 1996 als selbstständiger Kunstberater tätig war, stets seiner Heimat verbunden, war auch Forstwirt. Er liebte die Natur, den Wald, seinen Garten. Verheiratet war er mit der Innenarchitektin Bergit Douglas aus der Oetker-Dynatie, mit der er drei Kinder hat.

Christoph Graf Douglas galt als einer der einfühlsamsten Experten der europäischen Kunstszene. Auch den Ankauf der Humboldt-Reisetagebücher durch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat er mit eingefädelt. Ihm sei es darum gegangen jedes Kunstwerk zu begreifen und es an den entsprechenden Menschen zu bringen, beschreibt Gina Thomas Douglas’ erfolgreiche Tätigkeit.

„Als einen sehr positiven Humanisten“ wird der Unternehmer und Sammler Reinhold Würth den Kunstberater in Erinnerung behalten: „Christoph Graf Douglas war sehr geradlinig, zu 100 Prozent zuverlässig, bodenständig, kein bisschen arrogant, sondern bescheiden.“ Christoph Graf Douglas war in der Kunstwelt gewiss eine Ausnahmeerscheinung. Sylvia Weber sagt: „Wir verlieren einen Freund.“

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