Vellberg / Gottfried Mahling  Uhr
Ist die CDU noch eine christliche Partei? Wofür steht das „C“? Bundestagsfraktionsvorsitzender Volker Kauder beantwortet in Vellberg-Großaltdorf alle Fragen.

Der Mensch ist zur Freiheit befreit. Aber nicht zur Freiheit des eigenen Fleisches, sondern in der Verantwortung für den Anderen.“ Volker Kauder zitiert aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater, als er erklären möchte, was das „Christlich“ im Namen der CDU denn nun bedeute. Und konstatiert: „Wir sind keine christliche Partei, denn das Christliche findet in den Kirchen statt.“ Aber: „Wir machen Politik auf Basis des christlichen Menschenbildes!“

Nach seinen Auftritten vor Wirtschaftsvertretern im Haller Hotel Hohenlohe und in der Bausparkasse spricht der Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion vor der Parteibasis. Rund 200 Zuhörer hat der 67-Jährige am Dienstag in der Turn- und Festhalle im Vellberger Ortsteil Großaltdorf. Ein Großteil ist im gleichen Alter oder älter als der Referent.

Christliches Menschenbild  – das bedeutet für Kauder: „Du bist für dich selber verantwortlich, aber wir helfen dir, wenn du wirklich Hilfe brauchst.“ Unter Freiheit versteht er: keine Verfestigung in der Sozialpolitik. Die Wirtschaft nicht mit Regulierung gängeln, sondern Unternehmern Vertrauen entgegenbringen. Müttern anders als früher die Freiheit lassen, ob sie ihre Kinder selbst erziehen oder lieber arbeiten gehen wollen. Kinder nicht in Einheitsschulen stecken, sondern individuell fördern. Aber auch Gewissensentscheidungen müssen frei sein. „Ich bin für den Schutz des Lebens vom Anfang bis zum Ende“, betont Kauder. Aus seiner Sicht darf es „Abtreibung nur dann geben, wenn die Frau vergewaltigt wurde. In allen anderen Fällen gilt: Auch ungeborenes Leben ist Leben.“ Das Nein des Bundestages zur geschäftsmäßigen Sterbehilfe im November 2015 sieht er als großen Erfolg.

Kauder spricht in seiner etwa einstündigen Rede ohne Manuskript, wird zu keiner Zeit langatmig. Er bohrt mit dem Zeigefinger energisch Löcher in die Luft oder hebt ihn mahnend, er greift mit seinen Händen imaginäre Gegenstände oder ballt sie zu Fäusten, immer wieder sucht er Blickkontakte. Der  gebürtige Hoffenheimer gilt als überzeugter Christ. Er ist Protestant, hegt aber auch Sympathien für die evangelikale Bewegung und die liturgische Ausrichtung der katholischen Kirche. In Großaltdorf stellt er fest: „Die Muslime gehören zu Deutschland, aber nicht der Islam!“ Das Land müsse sich auf seine christlich-jüdische Tradition besinnen. Und die CDU auf ihren Markenkern: „Ich mag nicht, wenn wir als Konservative bezeichnet werden, denn wir sind weit mehr. Wir sind die Christlich Demokratische Union.“

Hin und wieder verbindet Kauder seine Statements auch mit Privatem. „Meine Mutter hat mir und meinem Bruder immer wieder gesagt, wie unglücklich sie war, dass sie nicht arbeiten durfte.“ Sein Vater, ein Schulrektor, sei strikt dagegen gewesen. „Ich war in der Schule im Sport der Schlechteste und körperlich schwach.“ Entsprechend schwer habe er es in seinen 18 Monaten bei der Bundeswehr gehabt, bekennt Kauder.

Am Ende seiner Rede gibt es stehende Ovationen, danach kann das Auditorium Fragen stellen. Als „schwarzen Freitag“ und „schlimme Entscheidung“ bezeichnen zwei Zuhörer die Bundestagsentscheidung, die gleichgeschlechtliche Ehe in Deutschland zuzulassen. Für ihn sei Ehe die Verbindung zwischen Mann und Frau, sagt Kauder. Er sei überrascht gewesen, dass knapp ein Viertel der CDU-Abgeordneten anderer Auffassung gewesen ist. Die Gewissensentscheidungen seien aber zu akzeptieren.

Nach Kauder kommt Altmaier

Bereits beim Landesparteitag  2015 hatte Katrin Heinritz Volker Kauder gebeten, einen Vortrag über das „C“ im Landkreis Hall zu halten. Zwei Jahre dauerte es, bis sich der 67-Jährige für den Auftritt Zeit nehmen konnte. Warum ausgerechnet in der Turn- und Festhalle Großaltdorf und nicht in Hall oder Crailsheim vor wahrscheinlich größerem Publikum? „Ich wollte, dass die Großaltdorfer Gruppe Gospel Alive in ihrem Heimatort den Abend mitgestaltet, aber das hat leider terminlich nicht geklappt“, bedauert Katrin Heinritz.

Mit Peter Altmaier tritt nächsten Donnerstag, 13. Juli, um 18.30 Uhr das nächste politische Schwergewicht der Union im Landkreis Hall auf. Kanzleramtsminister Peter Altmaier ist zu Gast beim politischen Jacobifest-Auftakt auf dem Schrozberger Sportplatz.