Schwäbisch Hall Caritas eröffnet Anfang Dezember einen "Ort des Zuhörens" am Säumarkt

Initiatoren des Ortes des Zuhörens (von links): Wolfram Kaier, Ingrid Schumm, Eleonore Reddemann, Hans Weller, Ellen Eichhorn-Wenz, Andrea Schieweck.
Initiatoren des Ortes des Zuhörens (von links): Wolfram Kaier, Ingrid Schumm, Eleonore Reddemann, Hans Weller, Ellen Eichhorn-Wenz, Andrea Schieweck. © Foto: wd
Schwäbisch Hall / WOLF-DIETER RETZBACH 20.11.2014
Menschen, die trauern, arm, krank, einsam sind - sie alle können im Haller "Ort des Zuhörens" über ihre Not reden. Im Dezember startet das von der Glücksspirale unterstützte Angebot der Caritas.

Die Kirche muss vor Ort Anteil nehmen am Leben der Menschen, sie muss sich für ihre Nöte, Probleme und Bedürfnisse öffnen. Diese Meinung des Mailänder Kardinals Carlo Maria Martini haben sich die Verantwortlichen von zwei Caritas-Regionen - Heilbronn-Hohenlohe und Ludwigsburg-Waiblingen-Enz - zu Herzen genommen. Sie eröffnen am 6. Dezember ein neues Angebot für Menschen in Notlagen: Den "Ort des Zuhörens" in den Räumen der diakonischen Seelsorge der Gesamtkirchengemeinde Schwäbisch Hall. Drei Tage später, am 9. Dezember, sind dann auch die Angebote nutzbar. Herkunft und Konfession der Besucher spielen dabei keine Rolle.

Zwölf geschulte Ehrenamtliche bieten sich als Zuhörer an. Falls nötig, werden die Besucher in eine professionelle Beratung weitergeleitet. Die Gespräche sind in einem Raum, den viele wohl als gemütliches (Wohn-)Zimmer bezeichnen würden. Darin stehen zwei Sofas, ein Tisch mit einer Kerze darauf, an den Wänden hängen Bilder mit bunten Bäumen, Blumen und Naturlandschaften.

Dass der "Ort des Zuhörens" am Säumarkt und damit zentral in der Stadt liegt, ist kein Zufall: Das Angebot soll gut erreichbar und leicht zugänglich sein. "Kirche muss näher an die Nöte und Lebensrealitäten der Menschen heran", sagt Ellen Eichhorn-Wenz, Fachleiterin Soziale Hilfen bei der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz. Diakonisches und karitatives Handeln sei ein "Grundpfeiler kirchlichen Handelns. Zuhören, präsent sein für Menschen in Not, das hat einen zutiefst theologischen Hintergrund", so Eichhorn-Wenz.

Die Kirche "mit ihrer Seelsorge vor Ort muss die Nähe zu den Menschen suchen", betont auch Wolfram Kaier, Pastoralreferent der katholischen Gesamtkirchengemeinde Schwäbisch Hall. Oft aber sei die Distanz zu den Bedürftigen (zu) groß: Soziologisch gesehen kämen die meisten Kirchenmitglieder und Pfarrer aus einer gesellschaftlichen Schicht, so Kaier: "Wenn wir ,Kirche' sagen, dann meinen wir Mittelschicht. Wir beten für die Armen, als ob sie nicht zu uns gehören. In Lateinamerika gehen die Priester in arme Viertel, um das Leben mit den Bewohnern zu teilen."

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart gibt es bislang 33 "Orte des Zuhörens". In vielen Kommunen sei Armut das große Thema, teilen die Initiatoren mit. Auch gebe es "so viele Jugendliche, die Probleme haben und froh sind, dass ihnen jemand zuhört", so Kaier.

Im Landkreis Hall wird es zwei "Orte des Zuhörens" geben, in Hall und in Gerabronn. Auch in Künzelsau wird das Angebot eröffnet. Die Zuhör-Orte in den beiden Caritas-Regionen werden durch die Unterstützung der Glücksspirale möglich gemacht: Die Rentenlotterie unterstützt das Projekt mit knapp 77000 Euro. "Man liest häufig über einsame Menschen, die mit ihren Sorgen und Nöten ganz alleine stehen", sagt Hans Weller, Geschäftsführer der Lotto-Bezirksdirektion Ostwürttemberg. "Die ,Orte des Zuhörens' werden somit zu einer wichtigen Anlaufstelle für Menschen, die Rat und Trost suchen."

Info Der Haller "Ort des Zuhörens" (Säumarkt 2) ist von 9. Dezember an immer dienstags (10 bis 12 Uhr) und donnerstags (16 bis 18 Uhr) und an einem Samstagvormittag (erster Termin: 20. Dezember, 10 bis 12 Uhr) im Monat geöffnet. Für den "Ort des Zuhörens" in Hall und an anderen Standorten werden noch weitere Ehrenamtliche gesucht. Kontakt: Ingrid Schumm, Telefon 0791/ 970200.

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