In den vergangenen Monaten hat eine Flut von Haschisch-Prozessen das Haller Amtsgericht überschwemmt. Trotz der Verfahren wird in Hall und anderswo weiter viel "gekifft". Handelt es sich hier um einen Kampf gegen Windmühlenflügel?
WOLFGANG AMENDT: So würde ich das nicht sehen. Es geht um Einzelschicksale, bei denen wir auch Erfolge haben. Eine Vielzahl der Abgeurteilten steht die Bewährung durch oder taucht als Drogenkonsument nicht mehr auf.

Würde eine Haschisch-Freigabe die Arbeitsüberlastung bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Justiz abbauen?
Kurzfristig ja. Ich bin aber überzeugt, dass eine Ausbreitung selbst dieses Konsum-Segments zu einer Ausweitung von Straftaten gerade auch im Bereich der Beschaffungskriminalität führen würde. Ungezügelter Konsum führt zu Beschaffungsbedarf.

Sollte man nicht eine stärkere Trennung ziehen zwischen Haschisch und den so viel gefährlicheren Drogen wie Heroin oder beispielsweise dem synthetisch hergestellten Crystal Meth?
Die Rechtsprechung tut es. Der Wortlaut des Gesetzes differenziert nicht nach der Art der Droge.

Der Konsum von Haschisch wird von Rechts wegen nicht bestraft. Erwerb, Verkauf, Handel und Anbau sind aber illegal. Halten Sie es für gerechtfertigt, dass auch solche Konsumenten kriminalisiert werden, die zum Eigenverbrauch Hanfpflanzen hochziehen?
Ja. Weil es immer mehr ist, als sie selber brauchen, und die Gefahr des Handels groß ist.

Kürzlich verurteilte das Haller Amtsgericht eine 39-jährige Cannabis-Konsumentin, die regelmäßig kleine Portionen Marihuana einkaufte, zu einer Strafe von 80 Tagessätzen (800 Euro). Eine gleichaltrige Autofahrerin, die betrunken gegen ein Auto und eine Mauer prallte, bekam in einem anderen Prozess neben dem Führerscheinentzug eine Strafe von 60 Tagessätzen (600 Euro). Nimmt hier die Rechtsprechung eine angemessene Gewichtung vor?
Das kann man so nicht vergleichen. Hätte die Betäubungsmittel-Konsumentin nur einmal das Gesetz gebrochen, wäre die Geldstrafe im unteren Bereich ausgeworfen worden.

Die Abgabe von Haschisch an Minderjährige ist ein Verbrechen, die Abgabe von Alkohol an Minderjährige eine Ordnungswidrigkeit. Ist diese Regelung angemessen?
Die strenge Strafandrohung für die Abgabe von Betäubungsmitteln halte ich für richtig. Mein Standpunkt wäre, dass Alkoholabgaben an Personen im kindlichen Alter strenger geahndet werden sollten.

Info Dr. Wolfgang Amendt (62) ist seit 1998 Direktor des Haller Amtsgerichts. Cannabis steht für Hanf. Marihuana besteht aus den getrockneten Blättern der Hanfpflanze, Haschisch ist das zu Platten gepresste Material.