Camping Camping: Steinbacher Pächter kritisiert kostenlose Stellplätze auf Auwiese

Familie Cocchi aus Bologna verbringt den Montag in Hall. Mit ihrem Wohnmobil machen die Besucher Station auf einem der kostenlosen Stellplätze auf der Auwiese.
Familie Cocchi aus Bologna verbringt den Montag in Hall. Mit ihrem Wohnmobil machen die Besucher Station auf einem der kostenlosen Stellplätze auf der Auwiese. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / WOLF-DIETER RETZBACH 11.08.2015
Die Wohnmobil-Stellplätze sind wegen Bauarbeiten von der Weilerwiese an die Auwiese verlegt worden. Für den Pächter des Campingplatzes in Steinbach sind beide Standorte schädlich für sein Geschäft.

Familie Seitel hat den Campingplatz "Am Steinbacher See" seit 21 Jahren gepachtet. Die Arbeit mache ihnen Spaß, sagen Thomas und Jutta Seitel. Und doch hat sich das Ehepaar mehrmals überlegt, "ob man das überhaupt noch weiter machen soll, ob sich das überhaupt noch lohnt, wenn es dort immer mehr wird".

Die Seitels deuten damit an, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Wohnmobile auf den offiziell ausgewiesenen Stellplätzen der Weilerwiese geparkt wurden. Weil dort jetzt ein Ärztehaus und ein Hotel gebaut werden, sind die Camperplätze auf den öffentlichen Parkplatz an der Auwiese verlegt worden. Dort können die Camper ihre Wohnmobile kostenlos parken. Auf der Weilerwiese hatten sie die normalen Parkgebühren zu zahlen.

Die Wohnmobilstellplätze sollen "auch künftig am Standort Auwiese bleiben", teilt Corina Stein von der Stadtverwaltung mit. Die Plätze seien "ruhig und dennoch zentral gelegen. Die Innenstadt ist entlang des Kochers zu Fuß oder mit dem Fahrrad in wenigen Minuten zu erreichen". Der Standort werde "sehr gut" angenommen, die Nutzer hätten bislang nichts beanstandet.

Am Standort Weilerwiese gab es nur Stromanschlüsse. Über die Ausstattung auf der Weilerwiese mit Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten werde in den kommenden Haushaltsberatungen entschieden, so Corina Stein. Die Entsorgung des Campermülls werde durch die Straßenreinigung über die dort aufgestellten Mülleimer entsorgt, im gleichen Rhythmus wie überall in der Stadt. Eine Belegungsstatistik für die auf Weilerwiese und Auwiese geparkten Wohnmobile gebe es nicht.

Pächter verlangen 23 Euro für einen Stellplatz

Die Pächterfamilie Seitel muss sich mehr Arbeit machen. Wie viele Ankünfte es gab, wie viele Abreisen, aus welchen Ländern die Gäste kommen, wie viele Nächte sie auf dem Campingplatz geblieben sind - "wir müssen aufwändige Statistiken machen, die wir, genau aufgeschlüsselt, jeden Monat an das Statistische Landesamt übermitteln müssen", sagt Pächter Thomas Seitel.

Sein Unternehmen habe Auflagen und Vorschriften, trenne und entsorge jedes Jahr viel Müll - und auf der Auwiese gebe es nichts davon. Dann kämen Camper, die von der Auwiese mit dem Rad zum Steinbacher Campingplatz fahren, um dort duschen zu können. Außerdem wollen auf der Auwiese stehende Wohnmobilisten auf der Steinbacher Anlage ihr Abwasser entsorgen und Frischwasser tanken. Die Pächter erlauben das nicht mehr. "Die auf der Auwiese stehen, wollen dort billig Urlaub machen", sagt Thomas Seitel. Dabei "ist Camping bei uns auch nicht teuer": Die Pächter verlangen für einen Stellplatz und zwei Personen 23 Euro pro Tag, inklusive Strom.

Die Stellplätze an der Auwiese machen den Campingplatz-Pächtern das Leben schwer. Auf der Weilerwiese hatte es anfangs nur wenige Stellplätze gegeben, "damit hätten wir leben können". Dann aber habe es immer mehr gegeben, die Einhaltung der Obergrenze sei zudem nicht kontrolliert worden: "Manchmal standen bis zu 15 Wohnmobile auf der Weilerwiese." Wenn aber auf dem Steinbacher Campingplatz nur drei Camper am Tag fehlen, sind das 90 pro Monat. "Da geht uns viel Geld verloren", sagen die Pächter, die hohe Unterhaltungskosten haben und jedes Jahr in Reparaturen und Umbauten investieren müssen.

"Jedem Pächter ist es am liebsten, wenn es solche Stellplätze wie auf Weilerwiese und Auwiese nur in solchen Städten angeboten werden, in denen es keinen Campingplatz gibt", sagt Thomas Seitel. Gebe es sie wie in Hall trotzdem, dann, wünscht sich Seitel, "dürften die Camper dort nicht länger als vier Stunden stehen". Das müsste das Ordnungsamt kontrollieren.

90 Stellplätze, 4000 Gäste

Historie Den Campingplatz in Steinbach gibt es am heutigen Standort seit 1971. Davor war er laut der Pächterfamilie Seitel auf der Kocherwiese. Familie Seitel hat den Campingplatz "Am Steinbacher See" seit 21 Jahren von der Stadt gepachtet. Seitdem hat die Familie laut eigenen Angaben etwa 300.000 Euro in die Anlage investiert. Das seien die Kosten nur für die großen Projekte - kleinerere Reparaturen und der Austausch etwa von Duschköpfen und Klobrillen nicht eingerechnet. In diesem Jahr muss auf der Anlage eine neue Heizung eingebaut und das Dach repariert werden.

Statistik Auf dem Steinbacher Campingplatz übernachten pro Jahr etwa 4000 Gäste. Es gibt 90 Stellplätze, etwa 30 sind mit Dauercampern belegt.

WD


KOMMENTAR VON WOLF-DIETER RETZBACH
Nicht gerecht gegenüber Pächtern


In einer Stadt wie Backnang, die in Stadt und direktem Umkreis keinen Campingplatz hat, machen solch offizielle Wohnmobil-Stellflächen Sinn, wie es sie in Hall auf der Weilerwiese gab und jetzt auf der Auwiese gibt. In der Kocherstadt aber gibt es einen professionell geführten und vergleichsweise günstigen Campingplatz in Steinbach. Die Innenstadt ist von dort durch den Stadtpark zügig erreichbar – Steinbach ist nicht Sulzdorf. Die Wohnmobil-Stellplätze auf der Auwiese gehören deshalb abgeschafft. Sie gefährden den Betrieb des Steinbacher Campingplatzes. Dass es die Plätze auf der Auwiese gibt, ist nicht gerecht gegenüber den Pächtern. Diese führen aufwendige Statistiken, trennen und entsorgen den Müll der Gäste. Nichts davon passiert auf der Auwiese: Dort schmeißen die Camper ihren Müll in öffentliche Mülleimer, die die Mitarbeiter der Straßenreinigung leeren. So zahlen die Bürger für die Entsorgung des Mülls der Camper. Die Wohnmobilisten lockt auf der Auwiese zudem ein kostenloser Stellplatz. Wer sich aber ein Mobil kaufen kann, wird sich auch Übernachtungen auf dem Campingplatz leisten können.