Wahnsinn!“ Diesem Ausruf einer Besucherin kann kaum widersprochen werden. Was Mnozil Brass im großen Saal des Carmen-Würth-Forums in Künzelsau-Gaisbach aufführen, ist teilweise kaum zu glauben. Auf zwei Trompeten gleichzeitig spielen – wie geht das überhaupt? Schließlich müssen die Lippen am Trompeten-Mundstück gut abschließen, müssen Lippenspannung und Atemdruck genau auf die Tonhöhe abgestimmt sein. Das ist mit einer Trompete schwierig genug, aber Thomas Gansch, der Kopf von Mnozil Brass, kann es tatsächlich auch auf zwei Instrumenten virtuos. Das ist eine der Überraschungen, die man bei Mnozil Brass erleben kann. Am Samstag hat die Gruppe, die in ihr Programm einige Clownerie einfügt, in Künzelsau etwa 700 Zuschauer zum Staunen und zum Lachen gebracht.

Musiker und Komödianten

Mnozil Brass – das ist ein seltsamer Name für ein österreichisches Bläserensemble. Die Erklärung: Mnozil war der Name des Wirtshauses, in dem sich die Musiker als Studenten in Wien kennengelernt haben. Sieben Mitglieder hat die Gruppe, und alle sind sie nicht nur spitze auf ihrem Instrument, sondern obendrein begabte Komödianten.

Die Show von Mnozil Brass ist bunt und wirkt oft wirr, aber tatsächlich ist sie durch und durch planvoll angelegt. Schon beim ersten Auftritt wird das klar: Was zunächst klingt wie ein chaotisches Durcheinander-Getute ist tatsächlich ein kunstvolles Arrangement verschiedener virtuos dargebotener musikalischer Motive. Mnozil Brass spielt Melodien, die ganz unterschiedlichen Kontexten entnommen werden. Die „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgsky sind an diesem Abend ebenso vertreten wie „Star Wars“-Motive oder alpenländische Klänge, typische Blasmusik­arrangements und Hits aus Rock- und Popmusik.

Dazu kommen Zaubertricks und pantomimische Darbietungen. Da krabbelt der Tubist auf allen vieren über die Bühne und hebt das Bein an seiner Tuba. Da gibt es eine Trauerfeier für eine Fliege, bei der das aus der Trompete geschüttelte Kondenswasser zum Weihwasser wird.

Ungezählte kleine Instrumente

Und nicht zuletzt gibt es musikalische Späße: Die Gruppe imitiert perfekt die Klangeffekte, die entstehen, wenn einem Schallplattenspieler der Strom abgedreht wird und die Platte erst langsamer läuft, dann stehen bleibt oder wenn sie wieder anläuft. Wie exakt gleichzeitig die Bläser da ihre Glissandi spielen, das kann nicht mehr übertroffen werden.

Ganz nebenbei werden eine große Zahl kleinere Instrumente gespielt: eine Ukulele, ein primitiver Kanister-Zupfbass, eine Schalmei, allerlei Schlaginstrumente, Bodypercussion, Tröten, Glöckchen, Hupen, ein Besen, der den Takt schlägt, und mehr. Dazu singen die sieben auch noch sehr schön mehrstimmig, einige jodeln, und es gibt Beatbox-Beiträge, also Schlagzeuggeräusche, die mit dem Mund gemacht werden. Alles in allem ist es eine furiose Show, für die sich die Besucher im Carmen-Würth-Forum mit stehenden Ovationen bedanken.

Info


Die Musiker von Mnozil Brass sind: Thomas Gansch, Robert Rother, Roman Rindberger (alle Trompete und Gesang), Leonhard Paul (Posaune, Basstrompete und Gesang), Gerhard Füßl (Posaune und Gesang), Zoltan Kiss (Posaune, Basstrompete und Gesang) und Winfried Brandstötter (Tuba und Gesang).