Autobahn Bundeswehr hebt Notlandeplatz auf

Das Drohnenfoto zeigt den A-6-Abschnitt, der binnen weniger Stunden zur Flugzeug-Landebahn umgebaut werden konnte. Im Hintergrund sind der Windpark Kirchberg und die Autobahn-Anschlussstelle bei Kleinallmerspann zu sehen.
Das Drohnenfoto zeigt den A-6-Abschnitt, der binnen weniger Stunden zur Flugzeug-Landebahn umgebaut werden konnte. Im Hintergrund sind der Windpark Kirchberg und die Autobahn-Anschlussstelle bei Kleinallmerspann zu sehen. © Foto: sss
Ilshofen / Gottfried Mahling 29.09.2017

Zigtausend Autos rasen täglich über den 2400 Meter langen Autobahnabschnitt. Schnurgerade schneidet die Fahrbahn durch die Hohenloher Landschaft, und darüber befindet sich nur der Himmel. Stromleitungen und Brücken sucht man vergebens. Dem aufmerksamen Fahrer wird zudem auffallen, dass ein Grünstreifen fehlt. Eine Mittelleitplanke ist zwar vorhanden, doch die Fahrbahn komplett durchbetoniert. Die vier Fahrspuren plus zwei Standstreifen sind insgesamt so breit, dass darauf große Flugzeuge landen könnten. Potenzielle Hindernisse in der Nähe, wie der Wasserturm bei Herboldshausen, sind mit einem rot-weißen Warn-Anstrich versehen.

Die Strecke zwischen der Anschlussstelle Kirchberg bei Kleinallmerspann und dem Parkplatz Reußenberg ist einer von 20 Autobahn-Behelfsflugplätzen auf dem Territorium der ehemaligen Bundesrepublik. In Baden-Württemberg existierten zwei weitere Landebahnen: auf der A 6 zwischen Kirchardt und Sinsheim-Steinsfurt und auf der A 81 zwischen Osterburken und Möckmühl. Angelegt wurden sie wegen diesem Szenario: Die Armeen des Warschauer Paktes marschieren in der BRD ein. Um den Angriff effektiv zurückschlagen zu können, sollten die Behelfsflugplätze binnen weniger Stunden für Nato-Kampfflugzeuge einsatzbereit sein.  Die lediglich gesteckte Mittelleitplanke hätte auch auf dem Hohenloher Abschnitt kurzerhand beseitigt werden können. Der Reußenberg-Parkplatz wurde extra trapezförmig angelegt, damit Flugzeuge darauf abgestellt werden konnten. Und über breite Zufahrtsstraßen wären ein mobiler Tower und ein mobiles Radar schnell an den Einsatzort gefahren worden.

Nach Informationen des Regierungspräsidiums Stuttgart ist auf dem Behelfsflugplatz Kleinallmerspann jedoch nie ein Kampfflugzeug gelandet – anders als etwa auf der A 29 bei Ahlhorn in Niedersachsen. Der dortige Behelfsflugplatz wurde im Rahmen der Nato-Übung „Highway 84“ für 48 Stunden in Betrieb genommen. In dieser Zeit starteten und landeten dort Maschinen des Typs Transall, F4-Phantom, Tornado und Thunderbolt II.

Heute wäre ein etwas größerer Aufwand nötig, um den Behelfsflugplatz Kleinallmerspann in Betrieb zu nehmen. „Das alte Schutzplankensystem im Mittelstreifen ist im Jahr 2014/15 zur Erhöhung der Verkehrssicherheit durch ein neues Schutzplankensystem mit einer deutlich höheren Durchbruchsicherheit ersetzt worden. Dieses neue System lässt sich im Gegensatz zum alten System nur mit vergleichsweise hohem Aufwand demontieren“, teilt das Regierungspräsidium Stuttgart mit.

Vorausgegangen sei eine Stellungnahme des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr vom September 2014, derzufolge der Notlandeplatz Kleinallmerspann aufgehoben sei und künftig entfallen könne. Aus diesem Grund müssen beim geplanten A-6-Ausbau keine Besonderheiten am 2400 Meter langen Abschnitt beachtet werden.

Autobahn-Abschnitt erst 38 Jahre alt

Die 1966 festgelegte Linienführung der A-6 Heilbronn – Nürnberg stimmte weitgehend mit der damals 30 Jahre alten Vorkriegsplanung überein. Lediglich im Bereich des Kochertals gab es aufgrund der Fortschritte im Brückenbau deutliche Abweichungen. Als letzter Abschnitt wurden 1979 die 58 km Autobahn zwischen Anschlussstelle Kupferzell und Ansbach-West für den Verkehr freigegeben.