Es dampft nach jedem Ausatmen. Ein bitter-kalter Wind zieht dort oben. Doch Jürgen Gehrke ist auf Hochtouren, braucht nicht einmal Handschuhe. Mit einem schweren Vorschlaghammer tänzelt er über das schmale Holz und stelllt sich an den Rand. Von dort wuchtet er kurz darauf einen Balken mit gezielten Hammerschlägen in den Spalt. Der Träger sitzt.

Die Konstruktion, die auf dem Betonunterbau mit den Katakomben steht, soll später das Flachdach für den Sportpark am Kocher tragen. 50 Elemente aus Fichtenholz, die jeweils sechs Meter lang sind und 77 Kilo wiegen, müssen dafür befestigt werden. Neben Gehrke sind noch vier weitere Männer im Einsatz. Die hölzernen Außenwände haben sie am Morgen bereits aufgestellt und befestigt. Jetzt geht es Zug um Zug weiter mit dem restlichen Aufbau der Stadion-Räume.

"Das ist nicht die ideale Jahreszeit", meint Gehrke, der nicht nur als Zimmerei-Unternehmer, sondern auch als Vertreter der Unicorns vor Ort ist. Für den Bau des Sportparks haben Sportfreunde und TSG Schwäbisch Hall gemeinsam eine Gesellschaft gegründet. Künftige Nutzer werden vorwiegend die Unicorns Bundesliga-Footballer und die Sportfreunde-Fußballer sein, die derzeit in der Verbandsliga kicken.

"In zwei Monaten ist das Wetter sicher besser - aber so viel Zeit haben wir nicht", so Gehrke. Die Hoffnung, dass die Mannschaften bereits im Frühjahr vor neuer Kulisse spielen können, ist längst begraben. Grund waren unter anderem die zu niedrigen Temperaturen, bei denen nicht gearbeitet werden kann. Bereits 2014 wurde das Projekt kurz nach dem Start ausgebremst. Architekt Ulrich Mix musste nachbessern. "Da geht es um Punkte wie Hochwasserschutz und die Frage, wo die Nulllinie ist", erklärte TSG-Präsident Kurz Hocher. 8000 Kubikmeter Erde mussten aufgeschüttet werden - noch fehlt einiges für den Tribünenaufbau. "Jetzt warten wir auf die Maurer", meint Gehrke. "Letzte Woche war es zu kalt, diese Woche ist Fasching, da kommen sie auch nicht."

Er und die anderen wollen nun die Platten für das Dach montieren. "Dann kann der Dachdecker zum Verschweißen kommen." In zwei bis drei Wochen soll auch das Tribünendach geliefert werden. Es soll an das Dach, wo derzeit gearbeitet wird, montiert werden und über der Tribüne in Richtung Spielfeld der Auwiese ragen. Parallel dazu sollen in den nächsten Wochen Heizung, Sanitär und Lüftung installiert werden. "Der Innenausbau ist langwierig", weiß Jürgen Gehrke.

Die Unicorns rechnen damit, dass sie erst ihr zweites oder drittes Heimspiel der kommenden Saison im neuen Stadion bestreiten werden. "Die Eröffnung ist auf Mitte, Ende Juni anvisiert", meint der Unicorns-Vorsitzende. Ursprünglicher Termin war Ende April. Die Sportfreunde planen bereits, wie aus internen Quellen zu erfahren ist, mit einem Eröffnungsspiel gegen einen Bundesligisten. Noch sei nicht bestätigt, ob es der VfB Stuttgart oder der FC Nürnberg sein werde. Weil ein genauer Fertigstellungstermin für das Stadion nicht feststeht, ließe sich das nicht planen. Da die Bundesligasaison im Sommer beendeten sei, könne das Spiel auch kurzfristig organisiert werden. Der Sportfreunde-Vorstand war für ein offizielles Statement gestern nicht erreichbar.

Das Stadion und seine Kosten

Dimensionen Der Sportpark am Kocher soll über 1180 Sitzplätze verfügen, davon 572 überdacht. Die Räume darunter sollen 845 Quadratmeter Nutzfläche bieten. Ursprüngliches Ziel war, das umgebaute Stadion auf der Auwiese Ende April zu eröffnen.

Ausstattung Geplant sind eine neue Tribüne, Vereins- und Schulungsräume und ein Eventplatz, auf dem es Hamburger- und Wurst-Stationen sowie Fanartikelverkauf geben soll. Eine Vereinsgaststätte wird nicht gebaut, ein Catering-Raum wird aber eingerichtet.

Kosten Es wird mit Kosten in Höhe von 2,48 Millionen Euro gerechnet, wovon die Stadt Schwäbisch Hall einen Zuschuss von 1,94 Millionen Euro bewilligt hat. Der Gemeinderat stimmte in der jüngsten Sitzung zu, davon 700000 Euro unmittelbar auszuzahlen.

SWP