Wahl Bürgermeisterwahl: Helle Freude bei Rechtenbachers

Bühlerzell / JOCHEN KORTE 29.09.2014
98,61 Prozent Zustimmung bei 40,75 Prozent Wahlbeteiligung: Franz Rechtenbacher ist gestern von den Bühlerzeller Bürgern mit einem guten Ergebnis für die fünfte Amtszeit ausgestattet worden.

Offenbar hatte es gestern Abend niemand so richtig eilig, das Wahlergebnis zu erfahren. Ausgezählt war schon um 18.35 Uhr. Doch die Schar der Feiernden war in Gespräche vertieft und stieß schon vorher mit Franz und Waltraud Rechtenbacher an. So dauerte es noch etwa zehn Minuten, bis Sybille Ziegler, Rechtenbachers Stellvertreterin und Vorsitzende des Gemeindewahlausschusses, an das Stehpult schritt und das Resultat verkündete. Dass die Zustimmung überwältigend sein würde, war zu erwarten. Eine Frage stand hinter der Wahlbeteiligung. Die fiel mit 40.75 Prozent so aus, dass Franz Rechtenbacher und seine Frau Waltraud mit den etwa 50 Gästen laut applaudierten.

Hat sich Franz Rechtenbacher denn auch selbst gewählt? "Das habe ich noch nie gemacht. Ich wähle mich nie selber", sagte der Bürgermeister. Immerhin, seine Familie war an der Wahlurne.

Vor acht Jahren da waren es noch knapp 50 Prozent Beteiligung, erinnert sich Rechtenbacher. So viel würden es sicher nicht, orakelte er. Schließlich kenne er seine Wähler. Mancher werde sich wohl gedacht haben, es reiche, wenn ein paar gingen. Es sind dann doch deutlich mehr geworden.

1644 Bürger über 16 Jahre hätten zur Wahl geben können. 670 haben es getan. 21 Stimmen waren ungültig. Auf Rechtenbacher entfielen 640 Voten. Drei Stimmen bekam Sybille Ziegler, sechs weitere sechs andere Bürger.

"Es freut uns, dass Sie unser Bürgermeister bleiben", sagt Sybille Ziegler. Sie wünschte Rat und Bürgermeister die Kraft, gute Entscheidungen zu treffen und auch "Eingebung von oben". Frei nach Goethe zitierte sie den Satz, der an Rechtenbachers Frau Waltraud gerichtet war: "Nur wer mit einem Bürgermeister verheiratet ist, weiß wie ich leide." Für Waltraud Rechtenbacher hatte sie einen Strauß Blumen. "Nicht geleast, wie sonst fast alles in der Gemeinde", versicherte Ziegler. "Ich bin stolz, dieses Ergebnis erreicht zu haben", meinte ein gelöst wirkender Franz Rechtenbacher.

Unter Anspannung schien er an diesem Abend ebenso wenig gestanden zu haben wie seine Frau. Mit Bürgern und Gemeinderat gelte es, gemeinsam einen guten Weg zu gehen. Wie beliebt Rechtenbacher bei seinen Kollegen ist, zeigte die Schar der Bürgermeister unter den Gratulanten: Ute Zoll (Vellberg), Siegfried Trittner (Obersontheim), Michael Dambacher (Bühlertann), Jürgen Silberzahn (Wolpertshausen), Roland Wurmthaler (Ilshofen), Kurt Wackler (Satteldorf) sowie Manfred Fischer aus Neuler im benachbarten Ostalbkreis.

Kommentar von Jochen Korte: Einer der weiß, wie Zell tickt

Eine wirkliche Wahl hatten die Bühlerzeller gestern nicht. So ist es eben, wenn nur ein Kandidat antritt. Doch wer hätte gegen Franz Rechenbacher kandidieren wollen? Einen Bürgermeister, der überaus beliebt und in den Vereinen zuhause ist, der seit 32 Jahren am Ruder steht und den alle kennen - da stehen die Chancen gleich Null. Zumal es, das Ergebnis hat es gezeigt, auch kaum Frustwähler gibt. 21 ungültige Stimmen, damit kann der Amtschef bestens leben.

Rechtenbacher ist ein alter Fahrensmann, der den Gemeinderat respektiert. Wie es auch umgekehrt der Fall ist. Er geht nicht mit den Kopf durch die Wand, sondern setzt, wie weiland beim Umbau der alten Schule zum Rathaus, auf die Kraft der Argumente. Dass gestern im Ratssaal gefeiert wurde unterstreicht, dass es die richtige Entscheidung für das Gebäude war.

Das wird aus dem Gemeinderat, der erst später auf des Bürgermeisters Linie eingeschwenkt war, wohl niemand bestreiten. Diese Politik des Konsenses schätzen die Bühlerzeller und statten ihren ersten Bürger mit einem Ergebnis aus, das ihn strahlen lässt. Wenn er sich eine höhere Beteiligung gewünscht hätte, lässt er sich das jedenfalls nicht anmerken. Er wolle jedes Ergebnis demütig anerkennen, hatte Rechtenbacher gesagt. Die gut 40 Prozent sind für die fünfte Amtszeit ein gutes Resultat. Auch wenn es keine vollen acht Jahre werden, wie Rechtenbacher schon vor der Wahl erklärt hat: Einen Mann, der besser weiß, wie die Bühlerzeller ticken, hätten die Bürger wohl kaum finden können.

 

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