Zum Ende der offiziellen Verabschiedung von Jürgen König als Bürgermeister von Rosengarten erlebt man den erfahrenen Kommunalpolitiker fast sprachlos. „Ich habe immer gedacht, dass ich alles weiß, was der Gemeinderat macht“, sagt König, nachdem ihm sein ehrenamtlicher Stellvertreter Martin Melber eine außergewöhnliche Ehrung übergeben hat. Denn das Gremium hat am 28. Januar – ohne Königs Wissen – den Beschluss gefasst, ihm die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Rosengarten zu verleihen. „Meines Wissens sind Sie erst der achte Ehrenbürger und der einzige noch lebende“, sagt Melber.

Jürgen König bekommt stehende Ovationen

Die Rührung ist König und seiner Frau Andrea anzusehen. Auch schon kurz vor der Ehrung, als rund 250 geladene Gäste aus allen gesellschaftlichen Bereichen in der freigeräumten Maschinenhalle des Feuerwehrmagazins dem langjährigen Bürgermeister mit minutenlangem Applaus und stehenden Ovationen ihren Respekt erweisen. „Meinem Elternhaus, meiner Familie, und insbesondere meiner Frau, meiner Tochter Mirjam und meinem Sohn Martin habe ich es zu verdanken, dass wir in Rosengarten diesen gemeinsamen Weg bis heute so gut gemeistert haben“, so König. Das wird auch seine 84-jährige Mutter Johanna gern gehört haben, die die Verabschiedung des Sohns nicht verpassen wollte. „Spenden statt Geschenke“ habe er sich für die Bürgerstiftung Rosengarten gewünscht, sagt König: „Und Stand heute sind es schon 3415 Euro.“

Bürgermeister Jürgen König wird gebührend verabschiedet

Person Bürgermeister Jürgen König wird gebührend verabschiedet

Doch Geschenke gab es trotzdem. Michelfelds Bürgermeister Wolfgang Binnig, der achteinhalb Jahre unter König im Rosengartener Rathaus gearbeitet hat, überbrachte als stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender des Gemeindetags die Glückwünsche der Bürgermeisterkollegen. Er überreichte König eine vier Meter lange Schnur, an der zahlreiche Gutscheine befestigt waren. „Deine Ära über drei Jahrzehnte hinweg zu würdigen in einem Zeitrahmen von neun Minuten: Eine sportliche Aufgabe, die Du mir da gestellt hast“, so Binnig in seiner Rede. In Schlagzeilen beleuchtet er knackig das Wirken Königs: „Für Floskeln bleibt kein Raum. Aber die hast Du ja ohnehin nie gemocht. Eher die klaren Worte – authentisch, ehrlich und manchmal auch unbequem.“

Vor- und Querdenker

Als Bürgermeister sei König immer „Initiator, Vor- und Querdenker“ gewesen. Mit diesen Worten würdigt Martin Melber den Verwaltungschef: „Sie haben Rosengarten gelebt.“ Im Namen der Mitarbeiter der Gemeinde sagt Heide Schab Dank, Pfarrer Heinrich Hauerstein von der evangelischen Kirchengemeinde Rieden stellt Königs Engagement für die Kirchengemeinden in den Vordergrund und Alexander Hofmann, Feuerwehrkommandant und Dirigent des Chorprojekts Rosengarten, lobt seinen Einsatz für Vereine und Feuerwehr.

„Sie, liebe Gäste, bringen mit Ihrem Kommen Ihre Wertschätzung zum Ausdruck. Und Sie, liebe Redner, haben das mit sehr persönlichen Worten zum Ausdruck gebracht“, sagt König in seinem Schlusswort. Eine bewegte und arbeitsintensive Zeit liege hinter ihm, „ich scheide mit großer Dankbarkeit aus dem Amt“. Er zitiert aus dem Lied 595 des evangelischen Gesangbuchs: „Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, muss eine Mannschaft sein, sonst ist man auf der weiten Fahrt verloren und allein.“ Rosengarten und seinem Nachfolger Julian Tausch wünsche er nur das Beste für die Zukunft.

Nach rund anderthalb Stunden geht eine würdige Verabschiedung für den dienstältesten Schultes im Landkreis zu Ende. Der Abend hat um kurz vor sieben aber erst richtig begonnen: Vor der Halle trudeln schon die ersten Gäste des anschließenden Bürgerfests ein. Die provisorischen Parkplätze, die die Feuerwehr auf Feldern beim Feuerwehrmagazin eingerichtet hat, sind da schon fast völlig belegt.

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