Die Mitglieder der Bürger­energiegenossenschaft Ilshofen sind geduldige Menschen. Vor mehr als zwei Jahren haben sie bei der Gründungsversammlung die ersten Anteile gezeichnet. Doch mit einer Gewinnbeteiligung ist frühestens ab 2020 zu rechnen. In diesem Jahr ist noch ein Minusbetrag von 3244 Euro zu verzeichnen. Den einmaligen Anlaufkosten von rund 2000 Euro und über 1000 Euro Abschreibungen standen bisher nur geringe Einnahmen aus der Stromproduktion gegenüber. Trotzdem hat die gut besuchte erste Generalversammlung am Dienstag im Rathaus dem ehrenamtlich arbeitenden Vorstand und Aufsichtsrat ihr volles Vertrauen ausgesprochen und die vorgelegte Bilanz einstimmig akzeptiert.

Hoffnungsvoller Start

Am 10. Mai 2017 ist die Bürger­energiegenossenschaft Ilshofen hoffnungsvoll gestartet. 48 Mitglieder haben ein gemeinsames Geschäftsguthaben von 194.250 Euro angelegt. Inzwischen ist die Zahl der Teilhabenden auf 66 gestiegen und das Kapital hat sich auf 319.500 Euro erhöht. „Leider hat uns der Genossenschaftsverband Baden-Württemberg die in der Gründungsversammlung vorgestellte Mustersatzung nicht durchgehen lassen. Die Eintragung ins Genossenschaftsregister hat sich 15 Monate lang hingezogen“, berichtete Vorstandsvorsitzender Roland Samer.

Erst Fotovoltaik, dann Windkraft

Unterschiedliche Auffassungen habe es bezüglich der Windradbeteiligung in Ruppertshofen gegeben, die bei den Gesamtinvestitionen nicht mehr als 50 Prozent betragen darf. Man habe sich schließlich darauf geeinigt, zuerst die drei eigenen Fotovoltaik-Projekte zu realisieren, ehe sich die Genossenschaft an Windkraftanlagen beteiligt.

Außerdem soll die Satzung neben der wirtschaftlichen Förderung und Betreuung der Mitglieder auch „deren soziale und kulturelle Belange“ berücksichtigen. „Unser Ziel ist die Erzeugung erneuerbarer Energie, nicht soziale und kulturelle Belange“, monierte Samer. Dennoch musste man die Satzungsänderung vornehmen, um die Anerkennung als Genossenschaft nicht zu gefährden. Ein weiterer Passus, der geändert werden muss, betrifft die Beteiligung an den Windrädern der Zeag und die Energiegewinnung vor Ort und in der Region Heilbronn-Franken. Die Mitglieder beschlossen die Satzungsänderung einhellig.

Die Realisierung der Fotovoltaikanlagen auf den Dächern städtischer Gebäude zog sich unplanmäßig lange hin. Recht zügig konnten die Module auf dem bereits bestehenden Gebäude der Kläranlage Obersteinach im September 2018 ans Netz gehen. Die installierten 27 Kilowatt-Peak produzierten bereits 21 943 Kilowattstunden. Dafür hat die Genossenschaft 32.525 Euro investiert, sie kann einen Nettoüberschuss von 2423 Euro verzeichnen, was einer Rendite von 7,4 Prozent vor Steuer entspricht.

Beim neuen Feuerwehrgerätehaus in Obersteinach verzögerte sich der Stromanschluss der EnBW, weshalb die Anlage auf dem Dach erst seit März dieses Jahres Strom produzieren kann. Sie leistet 55,8 kWp, brachte bisher 48.356 Kilowattstunden und der Betreiberin Netto-Einnahmen von 3935 Euro (7,1 Prozent Rendite). Die Bürgerenergiegenossenschaft hat 55.358 Euro investiert.

Als neuestes Projekt ging im Mai nach Bauverzögerungen und mehreren Umplanungen des Daches die Anlage auf dem neuen Kindergarten in Ilshofen in Betrieb. Statt im November konnte sie erst im Februar montiert werden. Durch den Produktionsausfall und niedrigere Einspeisevergütungen sei ein Schaden von 4900 Euro entstanden, klagte Vorstand Samer. Bürgermeister Martin Blessing zeigte sich kulant und erließ die Dachmiete an die Stadt für 2019 in Höhe von 774 Euro, obwohl darauf kein Rechtsanspruch bestand. Jetzt produziert die mit einer Leistung von 98,84 kWp installierte Anlage planmäßig und ohne Störung. Die Gesamtinvestition von knapp 80.000 Euro wurde mit einem günstigen KfW-Darlehen von 52.000 Euro bei einer Verzinsung von 1,55 Prozent auf zehn Jahre vorfinanziert.

Neue Mitglieder willkommen

Nun hat die Bürgerenergiegenossenschaft Ilshofen mit 170.000 Euro die Beteiligung an den Zeag-Windrädern Ruppertshofen I und II abgeschlossen. 50.000 Euro sollen über Darlehen finanziert werden. Um den Kapitalbedarf von 120.000 Euro zu decken, hat der Vorstand die Mitglieder gebeten, eine Aufstockung ihrer Einlagen zu überdenken. „Nicht einmal 2000 Euro pro Anleger wären nötig, um den Betrag zusammenzubekommen“, rechnete Roland Samer vor und betonte, dass der Genossenschaft auch neue Mitglieder höchst willkommen seien. Die Investition in Windräder winkt mit einer Rendite von 4,6 Prozent in diesem Jahr und bis zu 5,4 Prozent 2022.

Um langfristig den Energiemix halb Sonne, halb Wind sicherzustellen, soll mit einer Fotovoltaikanlage auf den geplanten Erweiterungsbauten der Kläranlage Ilshofen als Nächstes wieder in Sonnenenergie investiert werden.

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