Michelbach Bürger und Gemeinderat gegen 700-Meter-Abstand der Konzentrationszone

Mountainbiker fahren auf der Schotterpiste an der Kohlenstraße.
Mountainbiker fahren auf der Schotterpiste an der Kohlenstraße. © Foto: Ufuk Arslan
Michelbach / SIGRID BAUER 16.07.2016
Einige Bewohner der Oberen Wiesen klagen über Lärm durch die Windräder bei Ostwind. In der jüngsten Bürgerfragestunde meldeten sie sich vehement zu Wort.

Bis zur jüngsten Sitzung des Gemeinderats waren Bürgermeister Werner Dörr keine Beschwerden über zu laute Geräusche durch die Rotoren bekannt. Als die Windkraftkonzentrationszone wieder auf der Tagesordnung des Gemeinderats stand, nahmen das einige Michelbacher Bürger zum Anlass, auf die Lärmbelästigung in den Oberen Wiesen hinzuweisen. “Vor allem nachts sind sie bei Wind aus östlicher Richtung auch bei geschlossenem Fenster deutlich hörbar. Schlafen bei offenem Fenster ist da nicht mehr möglich“, sagte Matthias Rothmund. “Die Schlafzimmer in den Häusern sind nach Osten ausgerichtet, weil das im damaligen Bebauungsplan so stand“, erklärte er weiter. Die gemessenen Werte lägen an manchen Windtagen deutlich über den prognostizierten Werten von 33 Dezibel, in der Spitze erreichten sie die Grenzwerte von 40 Dezibel. Dies könne er belegen, so der Physiker.

Zur Erklärung: 40 Dezibel ist der Grenzwert, der nachts in Wohngebieten nicht überschritten werden darf. Rothmund appellierte an die Verwaltung und den Gemeinderat, das bei der Konzentrationsflächenplanung zu berücksichtigen. “Wenn der derzeitige Abstand von 1500 Metern zu solcher Lärmbelästigung führt, wie kann dann der avisierte Abstand von 700 Metern (wie von der Verwaltungsgemeinschaft vorgeschlagen, die Redaktion) überhaupt noch aufrechterhalten werden?“, folgerte er. Auch Ilse Maas, Tim Geiersbach und Christoph Müller bestätigten die Lärmbelästigung.

Da die Stadt Schwäbisch Hall auf dem 700-Meter-Mindestabstand besteht, hat Michelbach bei der Abstimmung im Gemeinsamen Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft wohl kaum keine Chance, seine Forderung nach einem größeren Abstand zur Ortsgrenze von Michelbach durchzusetzen. Deshalb forderte unter anderen Bernhard Hauber die Verwaltung auf, aus der Verwaltungsgemeinschaft auszutreten. Laut Bürgermeister Werner Dörr ist das aber nicht so einfach. “Die Verwaltung hat den Gemeinderäten inzwischen die damalige Vereinbarung zugeschickt“, bestätigt Hauptamtsleiter Berthold Krist. “Wir werden sicher in einer der nächsten Sitzungen darüber berichten, welche Möglichkeiten es dafür gibt“, so Krist gegenüber dem HT.
 

Glandorf: Jedes Windrad mehr bringt mehr Stromschrott

Stellungnahme Zu den Äußerungen Rothmunds sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Gebhard Gentner, er werde nicht auf einen von Dritten wiedergegebenen Wortlaut Stellung nehmen. “Herrn Dr. Rothmund sehe ich aber als befangen an, da er private Schallgutachten für die Klage und Beschwerden von Bürgern aus Michelbach erstellt hat“, schreibt er dem HT. Auf das Argument der BI zum überflüssigen Strom aus Windkraft antwortet Gentner: “Der Windstrom wird hauptsächlich in Norddeutschland erzeugt und müsste nach Süddeutschland geliefert werden. Da die Trassen bekannterweise noch nicht gebaut sind, kann Strom aus Norddeutschland nicht nach Süddeutschland.“ In Süddeutschland herrsche daher Stromknappheit. “Abschaltzeiten (des Windparks Kohlenstraße) gab es netzlastig bedingt keine und es ist sehr unwahrscheinlich, dass dies auf absehbare Zeit der Fall sein wird“, schreibt er weiter. Bis einschließlich Juni hat der Windpark 24,7 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt (trotz Probebetrieb und Abstellzeiten bei Wartungsarbeiten). Im ersten Betriebsjahr 2016 rechnen die Stadtwerke mit knapp 37, später mit jährlich 46 Millionen Kilowattstunden produziertem Strom.

Ablehnung Die Bürgerinitiave Pro Limpurger Berge (BI) ist weiter aktiv: “Wir lehnen sämtliche Windkraftwerke im Wald und anderen Problemorten ab und kämpfen  dagegen, dass die Limpurger Berge weiter durchlöchert und zerstört werden – auch weiterhin. Appelle an die Vernunft und lauter Protest bringen nichts mehr, nachdem die Anlagen stehen. Jetzt ist harte Kleinarbeit gefragt, die wir nicht an die große Glocke hängen“, schreibt Karl-Heinz Glandorf dem HT.  Auf die Frage, ob die BI eine Chance sieht, die laufenden Anlagen zu stoppen, antwortet er: “Natürlich wünschen wir den Rückbau der Anlagen allein schon aus Naturschutzgründen. Zudem vergrößert jede zusätzliche Windindustrieanlage den überschüssigen Strom – man kann auch drastisch von Stromschrott reden.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel