Schillingsfürst Broadway-Klänge beim Konzerttag

Schillingsfürst / Ralf Snurawa 14.08.2018
Der Frage, was den Klang der USA ausmacht, geht der Hohenloher Kultursommer beim Konzerttag auf Schloss Schillingsfürst nach. Bekannte Melodien aus Hollywoodfilmen sind auch darunter.

Swingender Jazz, Broadway-Schlager und Hollywood-Melodien waren diesmal am Sonntagnachmittag auf dem Schillingsfürster Schlossberg zu hören – keine Bezüge zu Franz Liszt, der als Freund von Kardinal Gustav Adolf von Hohenlohe-Schillingsfürst gelegentlich auf dem Schloss zu Besuch war. Auch Bezüge zu Wien fehlten, war doch ein Familienzweig derer von Hohenlohe-Schillingsfürst in Wien ansässig und stammt der derzeitige Fürst auch von dort. Und schließlich gab es ebenso nichts Richtung Thema Greifvögel, die ja im Fürstlichen Falkenhof gehalten werden.

Allerdings – das musste man sich im Verlauf des Nachmittags mit den Konzerten eingestehen – als Kulisse für Filme oder als Ort für Open-Air-Konzerte funktioniert das Schloss allemal.

Im Musiksalon wurde der Konzerttag mit Broadway-Melodien eröffnet. Zu hören waren die Violinspielerin Amy Lungu, der Tenor Benjamin Rick und der Pianist Christoph Weinhardt. Gemeinsam gestalteten sie Ende und Schluss ihres Konzerts: John Kanders einladendes und gewitzt vorgetragenes „Welcome“ aus dem Musical „Cabaret“ und Bart Howards leicht euphorisches „Fly Me To The Moon“, das man eher als Jazzstandard kennt, denn als Teil einer kurz nach Frank Sinatras Tod entstandenen Revue über ihn.

Ein paar Raritäten hatte das Trio ebenfalls im Programm: Harry Warrens „Lullaby of Broadway“ gehörte etwa dazu, einst durch den Musicalfilm „Gold Diggers of 1935“ bekannt geworden. Bisweilen reichte das Angebot eben auch über den Broadway-Bezug hinaus.

„Mary Poppins“ mit den Melodien der Brüder Sherman kam erst 40 Jahre nach dem Spielfilm nach New York. Amy Lungu gestaltete das Medley zwischen gewitztem „A Spoonful of Sugar“ und „Supercalifragilisticexpialigetisch“ sowie im Walzertakt schwelgenden „Chim Chim Cheree“.

Benjamin Rick lotete die Tragik zu „Why God, Why“ aus Claude-­Michel Schönbergs „Miss Saigon“ ebenso herzergreifend aus, wie er Leonard Bernsteins „Maria“ den nötigen sehnsüchtigen Stimmschmelz verlieh. Christoph Weinhardt durfte zwischendurch mit George Gershwins „Three Preludes“ Tastenzauber verbreiten. Leonard Bernsteins „West Side ­Story“ wurde später noch einmal vom „Ensemble Classique“ im Schlosshof thematisiert. Der Song „I Feel Pretty“ gelang den drei Trompetern, drei Posaunisten und Schlagzeuger Ulrich Heiler genauso gewitzt tänzelnd wie zuvor Lungu und Weinhardt im Musiksalon. An deren „America“-­Schwung oder an Ricks „Maria“-Sanftheit kamen die sieben Herren im Schlosshof aber nicht heran.

Deren Stärke lang mehr bei den swingenden Jazzstandards. Angesichts eines mitreißenden „I Got Rhythm“ und „I Got Plenty O’Nuttin’“ verzieh man beim George-Gershwin-­Medley auch, dass Harold Arlens „Over The Rainbow“ plötzlich Gershwin zugeschlagen wurde.

Nach und nach mehr Groove entwickelte später Fats Wallers „Lounging At The Waldorf“. Bachisches Pulsieren konnten die zahlreichen Zuhörer zum Arrangement von Joseph Kosmas „Autumn Leaves“ vernehmen, das Posaunist Peter Seitz wie die meisten anderen Arragements geschrieben hatte.

Höhepunkt des Konzerts war die Ellington-Hommage. „It Don’t Mean A Thing (If It Ain’t Got That Swing)“ hatte, wenn auch sehr zivilisiert, den nötigen Drive. Trompeter Rolf Ihler nutzte zu „Echoes of Harlem“ zum für den Duke typischen „Jungle Sound“ das Whiskey-Glas für Wahwah-Effekte; und Posaunist Uwe Schrodi ließ „Solitude“ zum hingebungsvoll gespielten Ellington-Klassiker werden.

Hingebungsvoll und verträumt

Ähnlich empfunden, wenngleich noch verträumter, konnte man in der Ludwig-Doerfler-Galerie Panflötenspieler Ulrich Herkenhoff zusammen mit Pianist Felix Romankiewicz Claude Debussys „Clair de lune“ spielen hören.

Leicht hölzern, aber wunderbar groovend klang dagegen ein anderer Filmmelodienklassiker: Henry Mancinis „Pink Panther“. Sehnsüchtig klang davor Ennio Morricones „Es war einmal in Amerika“ herüber, mit viel Verve und Witz am Ende Vladimir Cosmas Musik zu „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“.

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