Ilshofen Brautstrauß direkt vom Gärtner

Marta und Friedrich Brunner feiern heute Goldhochzeit.
Marta und Friedrich Brunner feiern heute Goldhochzeit. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Ilshofen / SONJA ALEXA SCHMITZ 25.07.2014
Der Blumenstrauß, den Marta Brunner vor ihr weißes Brautkleid halten musste, war riesig. "Der war vielleicht schwer", sagt sie. Er war vom Fachmann - ihrem Mann, dem Gärtner Brunner.

"Schaffen, Schweigen, Schenken." Mit diesen drei Worten beschrieb einst eine ältere Dame die Tugenden einer Ehefrau. Marta Brunner hat es nicht vergessen. Immerzu und immer noch schafft sie in der Gärtnerei ihres Mannes. Geschwiegen hat sie, als ihr in der ersten Zeit die Knie vom vielen Arbeiten weh taten. Geschenkt hat sie ihrem Mann vier Kinder. Angefangen hat die Brunner-Geschichte als sie 23 und er 25 war. Die Onolzheimerin Marta Kern kellnerte in Crailsheim im Schwarzen Bock, dem Gasthof ihres Onkels. Friedrich Brunner, der bereits bei seinem Vater in der Gärtnerei arbeitete, ging hin und wieder mit seinen Freunden ins Kino. Hinterher kehrten sie gern ins Café Kett ein. Das taten an diesem Abend auch Marta Kern und ihre Kolleginnen. Interessierte Blicke. "Wer seid denn ihr?", fragten die Jungs. Kellnerinnen vom Schwarzen Bock? Stimmt das auch? Einer wollte es genau wissen. Also ging Friedrich Brunner Tage später auf ein Bier in ebendieses Gasthaus. Tatsächlich, da war das Mädle aus dem Café Kett. "Ein Kulmbacher" bestellte er und blätterte in einer Illustrierten. Das tat er von nun an regelmäßig. "Ich wollte doch sehen, ob sie die Richtige ist fürs Geschäft", so Gärtner Brunner junior.

Irgendwann einmal hat er sich getraut, sie zu fragen, ob sie mit ihm ausgehen möchte - der Ilshofener Fasching war das Ziel Aber auch da ist noch nichts passiert. "Wir waren damals eben genant", sagt er. Erst mal musste die Auserwählte der Familie vorgestellt werden. Die haben sie gleich gemocht, vor allem mit der Schwester hat sich eine enge Freundschaft entwickelt. Kein Wunder, wie viele Stunden haben sie nebeneinander auf dem harten Brett über dem Frühbeet gehockt und Pflanzen pikiert? "Ich war zu stolz zuzugeben, wie weh es mir tat", gesteht Marta Brunner.

Vor der Hochzeit: Sie pikiert Pflanzen, er topft ein

So verbrachten sie das erste Jahr vor ihrer Hochzeit. Sie schlief im Zimmer der Schwester, pikierte Pflanzen, während er eintopfte und Männerarbeit verrichtete. Nun, 50 Jahre später, hat sich so viel nicht geändert. Natürlich schläft sie jetzt im Zimmer ihres Mannes, und pikieren tut sie mit 74 Jahren ebenso wenig wie er mit 76 Jahren noch harte Gärtnerarbeit verrichtet. Aber jeden Morgen verlassen sie ihre Wohnung, gehen über den Flur, öffnen die Tür zur Gärtnerei und arbeiten.

Sie unterstützen den Sohn, der vor elf Jahren den Betrieb übernommen hat. Sie hilft im Verkauf und ein bisschen im Büro, er kümmert sich um die Gräberpflege. Das ist das Stichwort. Da fällt Marta Brunner ein, ihrem Mann etwas von einem Kunden auszurichten. Er hört zu, runzelt die Augenbrauen, fragt nach, überlegt etwas. Den Besuch hat er für einen Moment vergessen.

"Aber mit 75 will ich definitiv aufhören", sagt Marta Brunner. Sie freut sich auf den Ruhestand ebenso, wie sie sich über die gemeinsamen Feierabende freut. Da setzen sie sich aufs Sofa, trinken hin und wieder ein Gläschen Wein und schauen Fernsehen. Wenn dann wirklich die Zeit des Ruhestands gekommen ist, dann wollen sie für die fünf Enkel da sein. Das Paar bekam drei Söhne und eine Tochter. Der älteste Sohn starb 1990. Die Kinder sind in die grünen Fußstapfen getreten: Gärtner, Floristin und Baumschulmeister sind ihre Berufe.

Heute kommen sie aus dem Feiern nicht raus. Nicht nur ihre Ehe wird 50 Jahre alt, auch der Meisterbrief von Friedrich Brunner hat in diesem Jahr 50-Jähriges. Er machte einen Monat vor der Hochzeit die Prüfung. "Ich will nur einen Meister heiraten", hätte sie damals immer gescherzt.

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