Theater Braunsbacher Laientheater überzeugt

Das „Mädchen von Orlach“ erzählt eine Legende, die sich in dem kleinen Dorf bis heute hält. Das Braunsbacher Laientheater nimmt sich bei seinen Vorstellungen dieses Themas an.
Das „Mädchen von Orlach“ erzählt eine Legende, die sich in dem kleinen Dorf bis heute hält. Das Braunsbacher Laientheater nimmt sich bei seinen Vorstellungen dieses Themas an. © Foto: Wilfried Schön
Braunsbach / Sonja Alexa Schmitz 28.07.2018

Das gleich mal vorneweg: „Das Mädchen von Orlach“ ist nichts zum Lachen. Allerdings auch nicht wirklich zum Gruseln. Auch wenn die Effekte, die das Technikteam unter Alexander Bauer professionell beisteuert, wirklich beachtlich sind.

Die diesjährige Theatergeschichte ist eine besondere für Braunsbach und Umgebung. Sie soll sich vor 185 Jahren tatsächlich zugetragen haben, so gerne man auch glauben würde, dass es nicht so ist. Darin erscheint einer jungen Orlacherin, Magdalena Gronbach, der Geist einer „weißen Frau“, der Nonne Mariana Susana. Diese bittet das Mädchen, ihr Elternhaus abzubauen, damit die Nonne erlöst werden kann. Und Magdalena solle standhaft bleiben dem „Schwarz“ gegenüber, einem toten Abt, der das Mädchen ebenfalls besucht und fortan von ihm besessen ist. Der will vor allem eins: das Haus abbrennen. Es muss aber abgebaut werden, sonst habe der Geist der weißen Frau nie Ruhe.

Warum das alles passiert, ist den meisten Zuschauern eh klar. Sie kennen die Geschichte. Es ist ihre persönliche Heimatgruselkunde: Der Abt hat zu Lebzeiten, 400 Jahre vor dem Ereignis in Orlach, jede Menge Kinder gezeugt, umgebracht und unter dem Gronbachhaus verscharrt.

Wahnwitzige Besessenheit

Dieses Stück auf die Bühne zu bringen, ist eine Herausforderung für das Laientheater. Grusel und Magie zu erzeugen, zum Beispiel in Form einer Haube, die vom Kopf fliegt, einer Ohrfeige aus dem Nichts und mit verzerrten Stimmen sprechen, gehören dazu. Die Magdalena, der die Angst ins Gesicht geschrieben steht und im nächsten Augenblick, in ihrer Besessenheit wahnwitzig spricht, wird hervorragend gespielt. Diese Rolle war lange unbesetzt, bis man Mareike Lang aus Schwäbisch Hall dafür finden konnte. Die Abiturientin ist überzeugend, in Sprache und Körperhaltung.

Sehr gut gelöst hat die Regisseurin Ulrike Frick die Aufgabe, die Geschichte verständlich zu machen, ohne dass sie das Theaterspiel irritiert oder in die Länge zieht. Sie hat jugendliche Schauspieler auf die rechte Seite der Bühne platziert, die bei einem Lagerfeuer zusammensitzen. Ein Mädchen erzählt ihren Freunden die mysteriöse Geschichte, die sich damals in Orlach zugetragen hat. „Der Schwarz“ versucht das Haus der Gronbachs abzubrennen. Mit tollen Effekten, einem rot beleuchteten Tuch, das aus dem Fenster wabert und krachenden Geräuschen eines Brandes, wird das effektvoll umgesetzt.

Und dann kommt wohl das Highlight des Theaterabends. Die Besucher drehen sich um. Die Feuerwehrlöschgruppe Arnsdorf, in historischen Uniformen und mit einem alten Pumpenwagen, kommt angerannt und geht ans Löschen. Hier kann man nicht anders, allen Ernst der Lage zum Trotz, lachen hier sowohl Publikum als auch Schauspieler.

Wo es geht, baut die Truppe, in deren Stücken es in anderen Jahren eher ulkig zuging, einen kleinen Scherz in die ernste Angelegenheit. So lacht das Publikum dankbar über den Witz mit dem Most, der für die tapferen Feuerwehrleute aus dem hinteren, (dem guten) Fass kommen soll.  

Was zum Nachdenken

Als die Vorstellung auf der Theaterinsel nach nicht zu langen und nicht zu kurzen zwei Stunden zu Ende geht, hat sich der Mond stimmungsvoll hinzugesellt. Der Applaus klingt am Vorpremierenabend noch etwas müde, was aber durchaus der Wärme oder dem Gratissekt, den die Gemeinde an diesem Abend, ausschenkte, zuzuschreiben sein könnte. Bürgermeister und Mitspieler Frank Harsch nimmt ein Mikro und erzählt in seiner amüsanten Art von der Schwierigkeit, so viele Köpfe unter einen Hut und auf eine Bühne zu bringen, „wo jeder es besser weiß und ich weiß ja sowieso alles“. Er betont auch noch mal, dass es dieses Jahr eben keinen Schwank auf der Bühne gibt, sondern eine ernste Sache zum Nachdenken.

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