Eng geht es zu am frühen Samstagnachmittag im Braunsbacher Simon-­Berlinger-Haus, sogar sehr eng. „Wie so oft platzt unser Museum aus allen Nähten“, kommentiert das eine sichtlich erfreute Elisabeth Quirbach. Die Vorsitzende des Vereins Kultur im Rabbinat weiß es zu schätzen, dass so viele Interessierte gekommen sind, um dem Festakt zum zehnten Geburtstag des Rabbinatsmuseums beizuwohnen.

Dabei bewiesen, so Bürgermeister Frank Harsch, die Kochertäler wie so oft in letzter Zeit wieder einmal Flexibilität. Denn eigentlich gibt es das Museum schon elf Jahre. Der wirkliche zehnte Geburtstag konnte aber nicht gefeiert werden. Direkt vor der Tür des ehemaligen Rabbinatsgebäudes war nämlich 2018 eine große Baustelle. Die Sanierung nach dem Unwetterunglück von 2016 war im Gange und die Feier verschoben worden.

Der Schultes erinnert an die Zeit, als das Haus in einem erbärmlichen Zustand gewesen sei. „Es war dem Verfall preisgegeben“, berichtet er. Dank unermüdlichem Einsatz des Fördervereins, von Sponsoren und öffentlichen Geldern sei es möglich geworden, das Rabbinat zu retten. „Dem Gebäude wurde seine Würde wiedergegeben“, meint das Gemeindeoberhaupt. Dann wurde auch noch ein überregional bedeutsames Museum eingerichtet, das besonders auf die 350 Jahre jüdisches Leben im Ort eingehe.

Besonders wichtig sei für die heutige Gesellschaft, die Folgen der Naziideologie erlebbar zu machen. Dankbar sei er dafür den Aktiven im Museum, besonders Elisabeth Quirbach und Hans Schulz. Auch die Besucher sehen das so, spenden den Köpfen hinter den Ausstellungen und Veranstaltungen donnernden Applaus.

Quirbach erinnert sich daran, als das Gebäude stand und erst noch mit Inhalt gefüllt werden musste. Doch welches Museum sollte entstehen? Schließlich eröffnete im April 2008 das jüdische Museum. Der Förderverein, der sich für den Erhalt des Gebäudes eingesetzt hatte, änderte seinen Zweck, verschrieb sich dem Rabbinatsmuseum.

Talmud aus dem Jahr 1711

Seitdem habe es weiter viel Unterstützung gegeben – unter anderem vom damaligen Landesrabbiner Netanel Wurmser. Die Ausstellung habe etliche Förderungen erhalten. So habe man bedeutsame Exponate anschaffen können – beispielsweise einen Band des Talmud aus dem Jahr 1711, mit dem auch Braunsbacher gearbeitet hätten.

Los ging’s mit dem Museum erst in einem kleinen Raum. Der sei aber schnell wieder zu eng geworden und die Fläche wurde ausgedehnt. 2010 wurden vor dem Eingang Stelen mit den Namen von Braunsbacher Juden installiert. „So wurde es auch zu einer Gedenkstätte“, so Quirbach. 2014 erhielt das Rabbinat den Namen Simon-Berlinger-Haus.

Stillstand gebe es nicht in dem historischen Gebäude. So gibt es dort Audioguides, die mit Kopfhörern durch die Ausstellung führen. Die Schautafeln seien erst vor kurzer Zeit erneuert und erweitert worden.

Mittlerweile gebe es über 1000 Besucher im Jahr. Einige davon seien Nachfahren der ehemaligen Braunsbacher Juden. Es sei für ein kleines Dorf wie Braunsbach doch beachtlich, ein solch international bedeutsames Museum zu beherbergen. Es sei nicht immer leicht. „Man macht sich nicht immer nur Freunde damit, daran zu erinnern“, so Quirbach. Sie dankt den vielen Helfern, die aus dem Rabbinatsmuseum das gemacht haben, was es heute ist.

Richard Beißer umrahmt den Festakt musikalisch. Der Virtuose an der Klarinette spielt mal nachdenkliche, mal fröhliche Stücke. Professor Dr. Herbert Rommel aus Weingarten hält den Festvortrag. Der Titel: „Der Wert des Menschen ist unantastbar?! – Zum Wert des Menschen in Judentum, Christentum und Islam.“