Landwirtschaft Braunsbach: Widerstand gegen Vorzeigestall

Marion und Frank Walter mit ihren Eichelmastschweinen auf der Waldweide. Das Paar plant, unweit des Waldes einen tiergerechten Schweinestall mit Strohlagerhalle zu bauen
Marion und Frank Walter mit ihren Eichelmastschweinen auf der Waldweide. Das Paar plant, unweit des Waldes einen tiergerechten Schweinestall mit Strohlagerhalle zu bauen © Foto: Ufuk Arslan
Braunsbach / Von Elisabeth Schweikert 06.10.2018
Die 1490 Schwäbisch-Hällischen Landschweine sollen doppelt so viel Platz wie in herkömmlichen Ställen bekommen.  Das 1,5-Millionen Euro-Projekt wird von Anliegern kritisiert.

Neugierig sind sie, die schwarz-weiß gescheckten Schweine. Zuerst stoben sie noch im Schweinsgalopp durchs Unterholz. Doch dann siegte ihre Neugierde. Schnaufend traben sie an, schnuppern, knabbern am Rocksaum und an den Gummistiefeln. Die 45 Schweine leben seit Mai in dem drei Hektar großen Mischwald der Familie Walter und fressen sich mit Eicheln noch etwas Speck an, bevor sie schließlich über die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall vermarktet werden. Seit 2011 mästen Walters die Mohrenköpfle, wie die Schwäbisch-Hällischen Landschweine auch genannt werden. Der Umstieg erfolgte zwei Jahre, bevor eine neue Verordnung das Aus für die Muttersauenhaltung brachte. Zu viel hätte der Umbau der Stallungen gekostet. Frank Walter: „Im Januar 2014 ging die letzte Sau vom Hof.“

Der Wunsch: Schweine mästen

Frank Walter (41) bezeichnet sich als Landwirt mit Leib und Seele. Vor allem die Tierhaltung hat’s ihm angetan. Der Traum des staatlich geprüften Landwirts: Schweinemast. Bislang steht die Familie auf mehreren Standbeinen: Ackerbau (60 Hektar Land), Güllefahren für eine landwirtschaftliche Gemeinschaft, Lkw-Fahren bei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft und das Gehalt Marion Walters (48) als kaufmännische Angestellte.

2015 fiel die Entscheidung: Der Traum soll verwirklicht werden. Den Ausschlag dafür, dass es kein konventioneller Stall mit Spaltenböden werden soll, gab Marion Walter. „Solange die Schweine bei uns sind, muss es ihnen gut gehen.“ Das war ihre Bedingung. Von da an suchten sie nach einer tiergerechten Haltungsform, die zu dem passt, was die Familie leisten kann.

Mit Ringelschwanz

Fündig wurde das Paar in Neresheim. Ein Biobauer dort hält Schweine auf Stroh, die Tiere haben den doppelten Platz wie in herkömmlichen Ställen. „Die Schweine können dann auch ihre Ringelschwänze behalten“, erklärt Marion Walter. Weil zu eng gehaltene Schweine aus Langeweile ihren Artgenossen die Schwänze abbeißen, werden diese in der konventionellen Haltung kupiert, also abgeschnitten. Das Stallkonzept überzeugte die beiden und sie planten. Mit 1490 Schweinen, denn „es braucht schon eine gewisse Größe, dass sich das Ganze rechnet“, erklärt Frank Walter. Sie konnten auch auf Erfahrungen zurückgreifen: Ein Stall, wie er in Jungholzhausen-Zottishofen geplant wird, steht seit 2016 baugleich in Schrozberg-Standorf (www.landwehrhof-baureis.de).

Tier- und umweltgerecht

Inzwischen stehen die Pläne für den Stall. Er wurde von der OPG Schweinehaltung als Förderprojekt eingestuft. Die „Operationelle Gruppe Schweinehaltung“ hat das Ziel, innovative Baukonzepte zu fördern, die tier- und umweltgerecht sind. Beteiligt sind an der OPG die Landwirtschaftsämter, die landwirtschaftliche Hochschule Hohenheim und die Hochschule für Umwelt in Nürtingen sowie die Landesanstalt für Schweinezucht in Boxberg. „Die baulichen Mehrkosten in die Innovationen werden bezuschusst“, erklärt Frank Walter. Im Gegenzug verpflichtet sich das Paar, dass Studenten in ihrem Stall forschen dürfen. Und: sie müssen Öffentlichkeitsarbeit leisten. Deshalb wird ein Raum angebaut, und durch eine Glasscheibe können Besucher in den Stall schauen. Rund 1,5 Millionen Euro kostet das Ganze.

Der neue Stall ist zirka 40 auf 100 Meter groß und knapp 10 Meter hoch. Er soll in zehn Buchten Platz für 1490 Schweine bieten. Während in einem konventionell betriebenen Stall die Tiere auf 1,1 Quadratmeter Spaltenboden stehen, sollen den Schweinen in Jungholzhausen 2,0 Quadratmeter mit Stroh eingestreute Fläche zur Verfügung stehen.

Die Tiere sollen sich frei zwischen drinnen und draußen bewegen können. Aktivitäts- und Fressbereiche sollen von Kotbereichen getrennt sein. Für die Tiere gibt es zudem eine 1,5 Meter breite Suhle. Lecksteine, Scheuerholz und weitere Beschäftigungsmöglichkeiten sollen dazu beitragen, dass die Tiere ihre artgerechten Verhaltensweisen ausüben können. „Die Urinstinkte sind da“, erklärt Frank Walter. Bei den Eichelmastschweinen habe er beobachtet, wie rasch die Tiere wieder ihr natürliches Verhalten zeigen.

Ein Roboter verteilt Stroh

Die Fütterung und die Einstreu läuft computergesteuert, ein Roboter, der an der Stalldecke rangiert, bringt das Stroh aus. Einfach auch das Ausmisten: Der Bereich, in sich dem die Kotstelle der Schweine befindet, soll mit einem Radlader geräumt werden.

Bewusst haben sich Walters für die Schwäbisch-Hällischen Schweine entschieden. „Ich gebe das Beste, das ist gutes Material. Das kann ich mit gutem Gewissen weitergeben“, erklärt Walter und meint: „Es tut mir in der Seele weh, wenn Landwirte etwas produzieren und dann wird’s beim Discounter verrammscht.“ Über die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft sehen sie die Vermarktung gesichert.

So das Projekt genehmigt wird, soll gleich mit dem Bau begonnen werden, damit bis zum Juli mit der Mast und Ferkelaufzucht begonnen werden kann. Dann will auch Marion Walter in ihrem Beruf kürzer treten. „Dann bin ich mehr oder weniger der Azubi von Frank. Aber das ist okay. Mich reizt es, mit ihm zusammen etwas aufzubauen und seinen Traum zu verwirklichen. So ein Hof ist viel Arbeit. Aber es ist ein schönes Leben, mit und in der Natur. Und man ist sein eigener Herr.“

Großer Protest in Zottishofen

68 Bürger aus Zottishofen haben den Einspruch gegen das Baugesuch der Familie Walter unterschrieben. Das sind im Prinzip alle. Wichtigster Punkt ist die befürchtete Geruchsbelästigung. Hinzu kommt, dass für den Bereich südwestlich von Zottishofen ein kleines Wohngebiet diskutiert wird. Der Wunsch: Wegen der zu erwartenden Geruchsbelästigungen soll zwischen Stall und Zottishofen ein größerer Abstand eingeplant werden. Laut Plan beträgt der Abstand rund 800 bis 900 Meter Luftlinie.

Ein Unterzeichner der Unterschriftenliste, der namentlich nicht genannt werden möchten, sagt, die Gemeinde könnte ein Grundstück zum Austausch anbieten, das weiter weg liege. Darauf angesprochen sagt Bürgermeister Frank Harsch, dass dieses nicht im Eigentum der Gemeinde sei, es allerdings denkbar sei, dass durch Grundstückstausche ein alternativer Standort ermöglicht werden könnte. Er will in diesem Punkt mit den Betroffenen und dem Landratsamt nochmal das Gespräch suchen.

Die Bauherren Marion und Frank Walter waren, als ihr Vorhaben konzipiert war, zunächst im Landwirtschaftsamt. „Wir haben uns vorab erkundigt, ob am geplanten Standort ein Stall möglich wäre. Nach ersten allgemeinen Berechnungen des Amtes haben wir grünes Licht bekommen. Herr Harsch hat uns dann zu einem späteren Zeitpunkt angeboten, bei den Windrädern zu bauen. Wir haben das abgelehnt, weil sonst der gesamte Verkehr durch Zottishofen gegangen wäre. Wir wissen, was es heißt, wenn große Sattelzüge am Haus vorbei fahren.“ Wie Frank und Marion Walter weiter berichten, gebe es für den Standort Jungholzhausen nach der Bauzeit eine andere Möglichkeit, das Futter, die Schweine und den Mist zu transportieren.

Das Gutachten über eine mögliche Geruchsbelästigung haben die Bauherren erst in Auftrag gegeben, nachdem das betreuende Ingenieurbüro signalisiert hatte, dass Immissionen in Zottishofen nicht ankommen würden. „Wenn wir davon ausgegangen wären, dass an diesem Standort ein Stall nicht möglich wäre, hätten wir kaum ein Gutachten in Auftrag gegeben“, teilen Walters auf Nachfrage mit. Laut Immissionsgutachten ist keine Geruchsbelästigung für Zottishofen zu erwarten.

Der Gemeinderat Braunsbach hat einstimmig „Ja“ gesagt. Er forderte: Alle bau- und emissionsrechtlichen Vorschriften müssten berücksichtigt werden, die Zufahrt Lkw-tauglich gemacht werden, die Wasserver- und Abwasserentsorgung sichergestellt werden.

Bis Ende Oktober will das Landratsamt über das Baugesuch entscheiden. Angehört werden Vertreter des Landwirtschaftsamtes, der Naturschutzbeauftragte, das Wasserwirtschaftsamt, das Immissionsschutzamt, Brandschutzsachverständige sowie das Amt für Veterinärwesen. sel

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