Die Einweihung der Radbrücke über die Grimmbachmündung war etwas Besonderes: Sie erfolgte wenige Monate nach der Flutkatastrophe und damit ein Symbol, dass es in Braunsbach irgendwann wieder ein normales Leben geben würde. Doch so erfreut die Teilnehmer bei der Einweihung der Radbrücke waren (darüber läuft der Kocher-Rad-Weg), so enttäuschend war der Prüfbericht, den Wolfgang Krop zur Abnahme des Bauwerks noch im gleichen Jahr abgab: Note 4, die schlechteste Bewertung die es für Brückenbauwerke gibt (bei Brücken gibt es nur die Noten 1 bis 4). „Die Note 4 heißt sehr, sehr schlecht. Jedoch nicht einsturzgefährdet wie bei der Brücke in Genua.“
Der wohl gravierendste Fehler beim Bau: Die Brücke saß nicht auf den richtigen Lagern sondern auf den Montagelagern aus Holz. Hinzu kamen Abplatzungen am Beton, ungleichmäßige Lackierung, eine freie Kammerwand bei der Bewehrung. „Ich habe die Brückenprüfung der Baufirma geschickt, die hatten daraufhin schier einen Salto rückwärts gemacht“, berichtet Krop.

Braunsbach Straße zwischen Braunsbach und Orlach ist wieder offen

Fassungslos verfolgten die Gemeinderäte bei der jüngsten Ratssitzung Wolfgang Krops Vortrag. Er hatte vor zwei Jahren den Auftrag bekommen, alle Brücken in der Gemeinde zu kontrollieren. Dass er gleich auf so eklatante Mängel stoßen würde, damit hatte keiner gerechnet.  Mittlerweile musste die Baufirma bei der eingangs beschriebenen Brücke nacharbeiten. Nach erneuter Prüfung bekam das Bauwerk die Note 2,5. „Warum hat sie nach der Nacharbeitung nicht die Note 1 bekommen?“, hakte Gemeinderat Walter Falk nach. „Weil noch nicht alle geforderten Nachbesserungen ausgeführt worden sind“, antwortete Krop, „wir sind in Kontakt mit der Firma.“ Und Bürgermeister Frank Harsch ergänzte: „Die Note muss besser werden.“

Braunsbach

Drei Radwegbrücken über den Kocher, die auf den Gemarkungen Braunsbach, Untermünkheim und Schwäbisch Hall liegen, wurden ebenfalls geprüft und bemängelt. „Die Noten lagen zwischen 3,1 und 4,0“, berichtet Wolfgang Krop dem Gemeinderat, der im alten Rathaus in Döttingen tagte. „Alle drei Brücken haben die gleichen Schäden. Wir haben gemerkt, dass an der Konstruktion gemurkst wurde.“ Wie Krop ausführt, hat sich Holzschwamm breitgemacht, „das Holz war madig und völlig verfault“. Gebaut wurden die Brücken während der Flurneuordnung. Wer der Bauherr war, sei unklar, informierte Krop. Inzwischen seien die Brücken saniert und mit der Note 1,0 bewertet. „Diese Note gibt es sehr selten.“
Aktuell am dringendsten sanierungsbedürftig sei die Brücke über den Weilersbach bei Steinkirchen, berichtete der Ingenieur. Die Gewölbebrücke hat die Note 2,9 bekommen – ein ordentliches Ergebnis –, aber infolge  durchsickernden Wassers haben sich die Steine im Bauwerk nach außen verschoben, ist Mauerwerk abgeplatzt, es haben sich Tropfsteine gebildet. „Die Sanierung ist aufwendig“, stellte Krop fest und riet, „machen Sie’s richtig. Nicht nur flicken – das ist wie beim Zahnarzt.“ Auf Nachfrage von Gemeinderat Falk berichtete Krop, dass ein Neubau billiger käme (rund 130 000 Euro), die Sanierung bei rund 200 000 Euro liege. Noch billiger sei eine Furt.

Übersicht über die geprüften Brücken


Radwegbrücke am Grimmbach: Note 4,0; nach Reparatur 2,5

Weilersbachbrücke: Note 2,9

Bühlerbrücke beim CVJM-Heim in Geislingen: Note 2,4

Bühlerbrücke oberhalb der CVJM-Mühle: Note 3,0 (Empfehlung von Wolfgang Krop: eine umfassende Hauptprüfung durchführen lassen.)

Eschentaler Bachbrücke bei Döttingen: Note 3,0 (Empfehlung Krop: Es sollte ein Geländer eingebaut werden und der Kolkschutz im Gewässerbett erneuert werden. Die Fugen sind zu schließen.)

Kanalbrücke Weidenweg in Döttingen: Note 2,0

Radwegbrücke bei Braunsbach über den Kocher: Note 3,5 (Empfehlung Wolfgang Krop: Unbedingt sanieren; gegebenenfalls schon jetzt eine Nutzungseinschränkung aussprechen.)

Stahlseilbrücke Steinkirchen:
Note 2,0

Kocherbrücke bei Steinkirchen:
Note 2,5 sel