Braunsbach / Sigrid Bauer  Uhr
Wer am Sonntag über die Kochertalbrücke gefahren ist, hat wenig von ihrem 40. Geburtstag mitbekommen. Unten im Tal  wurde mit Prominenz aus Berlin und Stuttgart groß gefeiert.

Wir haben 2000 Karten für die Brückenbesichtigung verkauft“, berichtet Anne Kleiner aus dem Braunsbacher Rathausteam. Mittags sind sämtliche Plätze im Festzelt und an den Biertischen im Freien besetzt und ganz Geislingen, wo sich rund um das Kulturhaus an diesem Sonntag alles um die Brücke dreht, ist zugeparkt. Mit dem Fest zum 40. Geburtstag der höchsten Talbrücke Deutschlands hatten die Bürger der Gemeinde Braunsbach eine Idee, die einschlug. Der Besucherstrom zum Kulturhaus, wo ein Film über die vierjährige Bauzeit immer wieder neue Besuchergruppen fesselt, reißt nicht ab. Auch für die Ausstellung mit Zeitungsberichten über die Brücke und das Modell der Brücke interessieren sich die Leute.

Bürger erinnern sich

Barbara Kosztovits blättert in einem Fotoalbum zur damaligen Großbaustelle. „Ich bin damals von Untermünkheim aus mit dem Kinderwagen und meinen ein und drei Jahre alten Töchtern, kurz bevor die Brücke für den Verkehr geöffnet wurde, über die Brücke gelaufen“, erinnert sie sich. Auch während der Bauzeit waren sie oft dort, wenn wieder von einem Pfeilers aus ein Stück des Brückenhohlkörpers vorgeschoben wurde. „Das war schon etwas Besonderes“, meint die Frau.

Brücke A6 Kochertal 40 Jahre Kochertalbrücke

Als Mittagsrast auf seiner Fahrradtour hat Horst Marlok aus Enslingen bei Untermünkheim die volksfestartige Feier in Geislingen eingeplant und lässt sich eine gegrillte Rote schmecken. Als Kind hat er zusammen mit den Eltern den Brückenbau genau verfolgt. „Durch Enslingen sind am Tag Hunderte von Betonmischlastern gefahren“, schildert er. Mit einem der Fahrer hat er seither Kontakt. Als Polizist des Autobahnpolizeireviers Ilshofen gehörte die Kochertalbrücke zu seinem Gebiet. „Ein bisschen Bezug zur Brücke habe ich also schon“, meint er.

Gäste aus München

Selbst aus München kommen Besucher zum Brückenfest. „Mein Großvater war damals im Vorstand von Leonhard Weiss“, berichtet Christian Birkner. Das Unternehmen war am Bau beteiligt. „Ihm zu Ehren haben wir unser Familientreffen hier veranstaltet“, so der ehemalige Stuttgarter.

Auch Christoph Maschke, Bürgermeister in Untermünkheim, hat als Jugendlicher den Bau hautnah erlebt. „Sonntags hat man einen Ausflug auf die Brücke gemacht. Mein drei Jahre alter Bruder wollte von oben runterschauen – da war kein Geländer!“, erzählt er, als die Gruppe der geladenen Gäste im Bus zum Parkplatz Kochertalbrücke hinauffährt, um von dort in den Brückenhohlkörper unter der Fahrbahn einzusteigen.

„Die schlanke Bauweise der Kochertalbrücke war damals eine Sensation“, stellt Landesverkehrsminister Winfried Hermann in seiner Festrede klar. Die Verschalung sei von unten nach oben um die Pfeiler herumgewachsen und der Hohlkasten, der die Fahrbahn trägt, habe sehr wenig Beton verbraucht und sei trotzdem stabil, erklärt er die damals recht neue Bauweise.

Die Kochertalbrücke bei Geislingen wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Das ist Grund genug für ein großes Fest am kommenden Sonntag. Wer Karten bekommen hat, kann das Brückeninnere erkunden.

Steffen Bilger, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, nennt die Brücke ein Bau- und Kulturdenkmal und eine Superlative der deutschen Ingenieurskunst. „Das gilt auch für die Ertüchtigung der Brücke von 2013 bis 2015“, betont er. Dabei wurde die Tragfähigkeit der Brücke erhöht.

Für die Zukunft gerüstet

Damit ist sie stabil genug für einen sechsspurigen Ausbau, wie er für die A 6 zwischen dem Weinsberger Kreuz und der bayerischen Grenze geplant ist (siehe Infokasten). Die Instandsetzung der Brücke wurde übrigens mit dem deutschen Brückenbaupreis 2016 ausgezeichnet. Bilger würdigt die Spannbetonbrücke als Herzstück der A 6, über die täglich fast 65.000 Autos fahren. „Mit fast 25 Prozent Anteil an Schwerlastverkehr“, unterstreicht er. Der Bund investiere im laufenden Jahr 1,843 Milliarden Euro in den Erhalt der Brücken und wolle die Mittel dafür noch ausweiten.

Hohenlohebahn „elektrisch“

Laut Winfried Hermann geben Bund und Land in Baden-Württemberg über eine halbe Milliarde Euro für den Erhalt von Straßen und Brücken aus. Rund 9300 Brücken an Bundes- und Landesstraßen betreffe das. Es sei ein Fehler gewesen, nicht parallel zum Straßennetz auch die Schienenwege auszubauen, meint er. Unter lautem Applaus kündigt er in diesem Zusammenhang die Elektrifizierung der Bahnstrecke Heilbronn-Schwäbisch Hall an.

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Von Stetten: 2022 Spatenstich zum Ausbau

Der Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten stellte den Spatenstich für den sechsspurigen Ausbau der A 6 für den Herbst 2022 in Aussicht. Derzeit liefen die Grunderwerbsverhandlungen. Laut Wolfgang Reimer, Regierungspräsident des RP Stuttgart, plant das Land den kompletten Bau. Bis Ende 2021 werde der Plan festgestellt. „Danach übergeben wir an die Autobahngesellschaft des Bundes“, so Reimer. Staatssekretär Steffen Bilger aus dem Bundesverkehrsministerium bestätigte das in seinem Grußwort. Nur die Kochertalbrücke kann sechsspurig ausgebaut werden, alle anderen Brücken müssen für den Ausbau neu gebaut werden. siba