Gleich zu Beginn des Abends irritiert Bürgermeister Frank Harsch mit einer Bemerkung. Auf den Hinweis von Dr. Marcus Haas, Moderator und Chefredakteur des Haller Tagblatts, Harsch würde für die kommenden acht Jahre zum Bürgermeister gewählt, sagte Harsch: „Die acht Jahre haben Sie gesagt!“ Ob er sich denn dann 2021 auf die Stelle des Oberbürgermeisters in Schwäbisch Hall bewerben werde, hakte Haas nach. „Pelgrim hat die Stadt massiv verändert“, stellte Harsch fest, „nach ihm muss einer kommen, der die Stadt auch verwaltet.“ Für ihn komme die Stelle nicht infrage: „Ich bin eher der, der wirbelt. Nicht der, der verwaltet.“

Die Braunsbacher könnten die nächsten Jahre auf ihn zählen, sagte der Bürgermeister, der sich jetzt mit 49 Jahren für die dritte Amtszeit bewirbt. „Jetzt will ich diese Gemeinde nicht im Stich lassen.“ Seiner Schätzung nach, brauche es noch etwa vier Jahre, bis die Schäden der Flut aufgearbeitet sind.

Die Arbeit dürfte ihm nicht ausgehen: Ob die Sanierung der Raingasse, ob der Bau des FFW-Magazins oder der ins Auge gefasste Ausbau der Kinderbetreuung – es stehen große Projekte an. Allein in 2020 investiere die Gemeinde 17 Millionen Euro.

Bürgermeister plaudert aus dem Nähkästchen

Gut 50 Menschen, darunter auch Rosengartens Bürgermeister Julian Tausch, verfolgten die Diskussion. Harsch zeigte sich offen und plauderte aus dem Nähkästchen. Die Flut sei für Braunsbach auf den zweiten Blick auch eine Chance gewesen. „Ich bin dankbar, wie sich die Dinge entwickelt haben, die Nahwärme, die Glasfaserversorgung, die Sanierung innerhalb kurzer Zeit.“

Bei den Sanierungen habe die Gemeinde eine 100-Prozent-Förderung erhalten. „Alles, was wir zusätzlich machen, etwa die Nahwärme, müssen wir selbst aufbringen.“ Die Diskussionen um die Zahlen seien oft schwierig gewesen. Der Kommune sei viel geholfen worden. „Entscheidend war das gute Verhältnis, das ich mit dem Regierungspräsidium aufgebaut habe. Die wussten, dass ich nicht raushole, was geht. Die haben daraufhin Zugeständnisse gemacht.“

Dennoch, bei den anstehenden 3,5 Millionen Euro Investitionen in die Kinderbetreuung müsse die Gemeinde Braunsbach noch eine Million selbst aufbringen. „Bis jetzt habe ich noch keine Lösung, wie wir das aufbringen können“, bekannte Harsch. Die Stellhebel seien begrenzt: Vermögen verkaufen oder Gebühren erhöhen, etwa bei der Grund- und Gewerbesteuer.

Nur wenige Zuschauer richten Fragen an Frank Harsch

Der Bürgermeister der 2500-Seelen-Gemeinde zeigte sich als eher weicher Mensch: Erholung sucht er in der Natur. Linsen mit Spätzle ist sein Leibgericht. Schon mit 13 Jahren fand er, dass Bürgermeister ein klasse Beruf sei. Auf die Palme bringt ihn, wenn Menschen, die keinen Anspruch auf Förderung haben, Ansprüche einfordern. Den Tennisspieler Boris Becker würde er gerne mal bei den Wintergesprächen dabeihaben. Große Träume habe er keine. „Wenn ich einen Wunsch gehabt habe, dann habe ich immer alles darangesetzt, mir den zu erfüllen.“ So habe er Konzerte von AC/DC ebenso besucht wie den Papst in Rom oder eine Pirateninsel auf den Seychellen.

Nur wenige Fragen wurden aus den Reihen der Zuschauer gestellt. „Frank, warum bist du der Richtige“, fragte eine Frau. „Weil ich bewiesen habe, dass ich’s kann. Weil Braunsbach so viel ­Potenzial hat. Ich fühle mich ­berufen, das Potenzial zu wecken.“ Eine weitere Frage kam zur zukünftigen Entwicklung der Schule. Diese werde digital und analog weiterentwickelt. Harsch möchte in die Ganztagsbetreuung auch kompetente Senioren einbinden.

Info


Die Bürgermeisterwahl in Braunsbach findet am kommenden Sonntag, 16. Februar, statt. Die Ergebnisse werden für 19 Uhr erwartet.