Braunsbach / Elisabeth Schweikert  Uhr
Eine gute halbe Million Euro kosten die Brücken- und Bachgeländer in Braunsbach. Die Gemeinderäte kritisieren die hohen Kosten. Linden, Kastanien und Stadtbirnen begrünen den Ort.

Braunsbach dürfte am Ende des Wiederaufbaus schöner aussehen als zuvor. Dazu werden nicht nur die neuen Straßen und sanierten Häuser beitragen. Auch die Begrünung, die jetzt im Gemeinderat beschlossen worden ist, ist Teil davon. Die bedeutendste Neuerung ist die Lindenallee im oberen Bereich der Orlacher Straße, die allerdings nur auf einem Abschnitt zweiseitig geführt werden kann. Gepflanzt wird eine Amerikanische Linde. „Die ist etwas kleinwüchsiger als die heimische, und sie ist an ein städtisches Klima angepasst“, erklärt Diplom-Ingenieur für Land­schafts­architektur Sebastian Veyel.

Braunsbach/Schwäbisch Hall „Die Flut“ ist wieder zu haben

Unser Magazin zum Unwetter 2016 „Die Flut“ ist wieder zu haben. Teile der Erlöse gehen an die Bruansbacher Feuerwehr.

Dominierende Bäume stehen am Ortseingang von Orlach kommend: Zwei schlanke Säuleneichen sollen die Grenze markieren. Das rote Herbstlaub und die Frühjahrsblüte der Stadtbirnen sollen Farbe in das Ortsbild bringen. Stadtbirnen tragen keine Früchte. Zwei großkronige, rot blühende Kastanien werden markante Schwerpunkte setzen: Eine soll am Marktplatz beim „Löwen“ gepflanzt werden, eine an der zweiten Brücke oberhalb des Pavillons. Staudenbeete wird es nur an zwei Plätzen geben: am Döttinger Tor und auf der Verkehrsinsel am Ortseingang auf der Orlacher Straße.

Braunsbach Straße zwischen Braunsbach und Orlach ist wieder offen

Säuleneichen am Ortseingang

Diplom-Ingenieur Marcus Eissing, vom Haller Büro „ipe-Ingenieur Plan Eissing“, stellte die Entwürfe bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats in Döttingen vor. Die zwei Säuleneichen am Ortseingang sowie eine Stadtbirne auf der Verkehrsinsel in der Orlacher Straße sollen dazu beitragen, dass der Verkehr langsamer fließt. Auf Einwürfe der Gemeinderäte Wilfried Dijkstra und Thomas Raisig, dass diese Bäume die Sicht verstellten, entgegnete Eissing, dass es schmal wachsende Bäume seien. Kein Freund der Baumhasel, die an der Döttinger Straße gepflanzt werden soll, ist Gemeinderat Walter Falk. Er wünschte sich stattdessen eine Sitzbank als Angebot für die Anwohner.

Das Unwetter vom Mai 2016 beschäftigt das Langenburger Gremium weiter. Bei einer Auftragsvergabe hat die Gemeinde 36.500 Euro gespart.

Wie Bürgermeister Frank Harsch sagte, werde dieser Punkt noch einmal im Gestaltungsausschuss angesprochen. Allerdings sei bereits alles für die Bepflanzung vorbereitet, das Baumsubstrat schon eingebracht, informierte Marcus Eissing. Im Gestaltungsausschuss besprechen Ratsmitglieder, Bürger, Vertreter der Verwaltung und der beauftragten Büros die Themen vorab.

Diesen Herbst soll gepflanzt werden, nach dem Austrieb der Pflanzen im Frühjahr soll die Abnahme der Arbeiten erfolgen. Ein Pflegedienst wird nicht mit der Betreuung der Bäume beauftragt, die Pflegearbeiten sollen die Bauhofmitarbeiter übernehmen. Einstimmig vergab der Rat die Ausgaben in Höhe von knapp 40.000 Euro an die Firma Steinbach aus Schuckhof (Blaufelden).

Joachim Hägele vom Führungsstab des Landkreises berichtet im Ausschuss für Verwaltung und Finanzen zur Naturkatastrophe Braunsbach vor rund einem Jahr.

Ebenso einstimmig befürwortete der Gemeinderat die Vergabe der 575.293 Euro für die Brücken- und Bachgeländer an die Firma Leonhard Weiss, Satteldorf. Zahlreiche Gemeinderäte und auch Bürgermeister Frank Harsch kritisierten die Kostenhöhe – eine halbe Million Euro, nur für Geländer. Nicht nur über die Brücken müssen Geländer montiert werden, auch am Orlacher Bach entlang muss eine Absturzsicherung angebracht werden, und zwar auf beiden Seiten des Bachs, auch an der Steilkante. „Wir haben keine Chance, auf das Geländer zu verzichten“, erklärte Harsch. Diese Absturzsicherung sei nötig, weil immer wieder mal am Hang beispielsweise Baumschnittarbeiten durchgeführt werden müssen. Wenn dann etwas passiert, sei die Gemeinde haftbar. „Der Preis ist kein Schnäppchen“, sagte Marcus Eissing, „aber es ist erforderlich. Sie werden aus der Nummer nicht herauskommen.“

Kein hölzerner Handlauf

Drei Geländertypen (siehe Grafik) werden montiert. Im Ortskern wird entlang der Fußwege ein Geländer mit Vertikalstäben aufgebaut. Alle vier bis fünf Meter ist dieses Geländer durch einen Poller aus Muschelkalk aufgelockert. Weil das Regierungspräsidium keinen Handlauf aus Holz fördert, wird er aus Stahl bestehen. Dasselbe Geländer nur ohne die Poller aus Muschelkalk soll die Brücken sichern. Das Geländer, das im oberen Bereich der Orlacher Straße bis zur Haarnadelkurve aufgebaut werden soll, ist einfach und funktional gehalten. Das Geländer im Ortskern soll noch in diesem Herbst montiert werden.

Zwei Jahre lang den Aufbau koordiniert

„Wir waren ab dem vierten oder fünften Tag in Braunsbach“, berichtet Marcus Eissing vom gleichnamigen Ingenieurbüro. „In den ersten Wochen waren wir täglich vor Ort.“ Der 42-jährige Diplom-Ingenieur mit zusätzlichem Masterabschluss kommt aus Dünsbach und beschäftigt mittlerweile 19 Mitarbeiter. Koordinierten er und seine Mitarbeiter zu Beginn der Aufräumarbeit den Abtransport und das Freiräumen der Straßen, ging es in den vergangenen zwei Jahren um die Planung und Umsetzung des Wiederaufbaus, sowohl der Klingen als auch des Hauptorts. „Das hätte ich mir vor drei Jahren nicht vorstellen können, dass ich einen ganzen Ort neu planen kann“, sagt Eissing. Das sei eine besondere Herausforderung. Es schwingt Stolz mit, dass sein Büro diese Aufgabe übernehmen durfte. Unter anderem für Braunsbach hat er in den vergangenen zwei Jahren fünf neue Mitarbeiter eingestellt. Auch nach Abschluss der Arbeiten in Braunsbach werden sie weiterbeschäftigt. sel