Spezialmaschinenbau Bosch verkauft seine Verpacker

Bosch Packaging Technology, hier auf der Messe Achema,  gehört zu den größten Arbeitgebern in Crailsheim.
Bosch Packaging Technology, hier auf der Messe Achema,  gehört zu den größten Arbeitgebern in Crailsheim. © Foto: Marius Stephan
Holger Ströbel 30.06.2018

Der Gerüchte gab es viele und auch schon geraume Zeit:  Nun werden sie Realität. Der Stuttgarter Technologiekonzern will sein Geschäft mit Verpackungsmaschinen (PA) aufgeben und sucht dafür einen geeigneten Käufer. „Es gibt einen Beschluss, die Sparte zu verkaufen. Der Prozess startet jetzt gerade. Das heißt, wir rechnen mit einem Zeithorizont von ein bis zwei Jahren, die das dauern kann“, sagt Uwe Harbauer, Mitglied des Bereichsvorstands, der die Sparte Packaging Technology leitet. Gestern wurden in allen Standorten die Mitarbeiter und Kunden informiert.

Vor allem in Crailsheim ist diese Entscheidung eine neue Wegmarke. Denn schließlich ist der Horaffenstandort auch der Sitz des Entwicklungszentrums „Pharma flüssig“. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen vor Ort über 1100 Mitarbeiter und ist damit mittlerweile der größte Arbeitgeber der Stadt. Mit Investitionen in doppelstelliger Millionenhöhe war das Werk in den zurückliegenden vier Jahren modernisiert und erweitert worden.

Keimzelle in der Region

Bosch (vormals Stirn, danach Strunck) ist neben Optima in Schwäbisch Hall eine der großen Keimzellen des heimischen Verpackungsclusters. Gewichtige Wettbewerber,  wie etwa Schubert oder R. Weiss in Crailsheim oder Bausch + Ströbel in Ilshofen sind Ausgründungen ehemaliger Mitarbeiter. Die gute Nachricht: Die rund 6 100 Mitarbeiter in 15 Ländern sollen übernommen werden.

Die Gerüchteküche um mögliche Käufer will Harbauer nicht kommentieren, die Anforderungen an einen potenziellen Käufer benennt er jedoch klar: „Bosch wird sehr genau hinschauen, und zwar sowohl die Geschäftsführung des Konzerns wie auch wir als Bereichsleitung, dass da jemand kommt, der ein gutes, strategisch langfristiges Konzept hat, wie wir als Einheit weiter wachsen können. Das werden wir uns ansehen und dann wird entschieden. Und das wird gemäß den Spielregeln und den Werten der Firma Bosch geschehen.“ Allein diese Werte schlössen bereits einige Käufergruppen aus, fügt Harbauer hinzu. Und: „Wir werden nicht unter Wert verkaufen.“

Hintergrund für den Verkauf der Verpackungssparte ist nach Angaben des Konzerns, dass sich mit Blick auf „die erforderliche Transformation“ innerhalb von Bosch „keine unternehmerisch und technologisch ausreichend relevanten Synergien ergeben“ haben.

Deshalb gehörte die Verpackungstechnik bereits in der Vergangenheit auch nicht zum Kerngeschäft des Konzerns. Der Spezialmaschinenbau ist ein Projektgeschäft in spezialisierten Bereichen der Verpackungsindustrie – vor allem für Kunden aus den Branchen Pharma, Medizin, Ernährung und Kosmetik. Dabei agiert der Geschäftsbereich in einem Wettbewerbsumfeld, das von innovativen und sehr flexibel ausgerichteten Mittelständlern geprägt ist. Viele der Konkurrenten kommen aus dem Landkreis Schwäbisch Hall, der nicht umsonst den Beinamen „Packaging Valley“ trägt. Die Wettbewerber verfügen aufgrund ihrer geringeren Größe über kurze Reaktionszeiten. Ein Vorteil, da die Verpackungstechnik generell eine andere Aufstellung benötigt, um möglichst schnell auf die spezifischen Anforderungen der Märkte reagieren zu können.

Geschäftsführer wollen bleiben

Die Mitarbeiter am Standort Crailsheim nahmen die Neuigkeiten mit gemischten Gefühlen auf. „Es sei natürlich eine sehr emotionale Sache, nach so vielen Jahren nicht mehr zum Konzern Bosch zu gehören“, sagt Harbauer, „aber viele sehen, dass vielleicht ein neuer, mittelständisch geprägter Eigner, der aus dem Maschinenbau kommt, für uns auch wirkliche Chancen bietet“. „Ich persönlich, aber auch die Kollegen des Bereichsvorstandes, wollen diesen Prozess jetzt voll mitgehen“, bekennt sich Harbauer zum Standort. Sofern der Käufer dies wolle, würden die drei Führungskräfte Bosch verlassen und in der dann veräußerten Pack­aging Technology verbleiben.

Im Konzern hingegen soll nur der Spezialmaschinenbauer Robert Bosch Manufacturing Solutions GmbH als eigenständige Rechtseinheit bestehen bleiben. „Diese Entscheidung ermöglicht es Bosch, sich stärker auf die Zukunftsthemen, wie die Transformation des Konzerns und die Ausrichtung auf die künftige Digitalisierung, wie zum Beispiel Internet der Dinge, zu konzentrieren“, erläutert Dr. Stefan Hartung, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, zuständig für den Unternehmensbereich Energie- und Gebäudetechnik sowie Industrie­technik.

Die Produkte der Verpackungstechnik genießen in den jeweiligen Branchen „einen guten Ruf“; viele Innovationen waren bahnbrechend. Die Leitung des Geschäftsbereiches ist davon überzeugt, dass der Geschäftsbereich auch unter einem neuen Eigner sehr erfolgreich am Markt agieren wird. „Wir sind eines der größten Unternehmen unserer Branche und werden als starker, stabiler Bereich zusammenbleiben und unseren Kunden hervorragende Produktionslösungen und Services bereitstellen“, sagt etwa  Dr. Stefan König, Vorsitzender der Geschäftsführung von Pack­aging Technology. Zuletzt hatte PA in den einzelnen Bereichen doch mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen und deshalb damit begonnen, sich neu auszurichten. Für die kommenden Jahre erwartet die Firmenleitung „eine steigende Nachfrage“. Gerade der Bereich „Pharma“ „entwickelte sich erfreulich“. Die Marktposition des Geschäftsfeldes „Food“ (Waib­lingen) „soll ausgebaut werden“.

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Milliarden Euro Umsatz machte die Verpackungsbranche 2017 für Bosch. Die Zeichen stehen dabei im Pharmabereich auf Wachstum während die Food-Sparte als „stabil“ gilt.

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