Zwischen 11.15 Uhr und 11.43 Uhr werfen am 13. September 1944 Bomber der U.S. Air Force in mehreren Wellen Spreng- und Brandbomben über dem Fliegerhorst der Wehrmacht ab. Eine Flugzeughalle wird komplett zerstört. Ebenso 13 Flugzeuge, darunter sechs Ju-88 und sechs Me-262-Düsenjäger. Die deutsche Flugabwehr schießt zwei amerikanische Maschinen ab. Das hat der Autor und ehemalige Zeitungsredakteur Michael Sylvester Koziol recherchiert. Zehn Wohngebäude in Hessental werden zerstört, an sieben werden schwere, an 30 leichte Schäden festgestellt. 25 Scheunen und andere landwirtschaftliche Gebäude werden getroffen.

Nach dem Bombenangriff brennen Häuser

Einer, der sich noch an den Tag, der sich am Freitag zum 75. Mal jährt, erinnern kann, ist Friedrich Bay. „Wir waren beim Angriff im Keller“, erinnert sich der heute 79-Jährige. Sein Großvater verließ den Schutzraum, die Kinder folgten ihm neugierig. „Wir sahen, wie die Kirche brannte.“ Bauer Bay, der jahrelang für die Freie Wählervereinigung im Stadtrat saß, lebte damals in der Ortsmitte. Im Haus gegenüber, der heutigen Apotheke, schlug ein Gefechtskörper ein. „Der ist nicht explodiert, brach aber einer Kuh im Stall das Kreuz“, erinnert sich Bay. Als der Metzger kam, um das Tier zu töten, berichtete angeblich ein Bauer, dass er das schon erledigt habe: „Ich habe ihm schon mit der Heugabel in die Rippen gestochen.“

Diese mit Schmunzeln vorgetragene, schaurige Anekdote darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Hessentaler ernsthaft bedroht waren. „Das war für uns Kinder schrecklich“, berichtet Bay. Ein Todesopfer wurde im Ort beklagt. Bei Löscharbeiten geriet der 80 Jahre alte Christian Metzger unter eine zusammenstürzende Giebelwand. Er starb im Krankenhaus, hat Koziol recherchiert.

Schwäbisch Haller Feuerwehr überlastet

Else Bullinger (geborene Bühler) erinnert sich in einem Erlebnisbericht, der am 13. September 1994 in der Zeitung veröffentlicht wurde, an die schrecklichen Ereignisse. „Es war ein wunderschöner Spätsommertag, so viel ich noch weiß. Als aber die ersten Flugzeuge über uns flogen, hörte ich, dass sie abluden.“

Sie schreibt: „Guter Gott, warum kommt keine Feuerwehr. Wir waren umringt von Feuer – den Feuersturm werde ich nie vergessen.“ Doch für diese Verzögerung gibt es mehrere Gründe. Zum einen wurde das Spritzenhaus komplett zerstört. Zum anderen kümmerte sich die Feuerwehr wohl zuerst um die brennenden Häuser, die auf ihrem Weg nach Hessental lagen. Die Bewohner des inneren Bereiches des Ortes griffen selbst zu Eimern und löschten die Flammen. Sie schützten sich mit feuchten Tüchern, die sie sich vor Mund und Nase pressten.

Die evangelische Kirche in der Mitte des Ortes wurde komplett zerstört. Die Bewohner werteten es als Zeichen: Ein Kreuz am Altar blieb unversehrt.

Die Amerikaner hatten es offensichtlich auf den Fliegerhorst abgesehen. Dort waren die Nachtjäger stationiert, die gegen die in der Dunkelheit einfliegenden britischen Bomberverbände kämpften. Zudem wurde die angebliche Wunderwaffe, der Messerschmitt-­Düsenjäger, endmontiert.

Weitere Angriffe folgten am 23. Februar 1945 (Schwäbisch Hall), 25. Februar 1945 (Fliegerhorst Hessental) und am 22. März (Fliegerhorst Hessental). Else Bullinger schreibt in ihren Erinnerungen, dass die Kirche erst nach 1950 wieder aufgebaut und benutzt wurde: „Nach der Einweihung unserer Kirche wurden innerhalb einer Woche drei Paare getraut. Auch wir.“

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