Darsteller Der Mann, der Hoeneß doubelte

Seit sechs Jahren lebt Klaus Bitzer in Gaildorf. Sein Leben zeige viele Facetten, behauptet er von sich. Er sei auch ein Wohnästhet und lege Wert auf exklusives Mobiliar.
Seit sechs Jahren lebt Klaus Bitzer in Gaildorf. Sein Leben zeige viele Facetten, behauptet er von sich. Er sei auch ein Wohnästhet und lege Wert auf exklusives Mobiliar. © Foto: Brigitte Hofmann
Brigitte Hofmann 08.01.2018
Heute hier, morgen dort: Wenn einer was zu erzählen hat, dann Klaus Bitzer. Er pendelt zwischen zwei Welten, kennt das Motorsport- und das Filmgeschäft.

Geduldig, kreativ, fleißig.“ Diese Eigenschaften nimmt Klaus Bitzer, der im Sternzeichen des Stieres geboren ist, für sich in Anspruch. Die drei Worte und die Gestalt eines Stiers sind auf eine Wand im Flur gemalt. Auch ein großes Bild im Wohnzimmer und die Tätowierung auf seinem Unterarm zeigen einen Stier.

Dass „Stiere“ der Ästhetik und den Sinnesfreuden nicht abgeneigt sind, ist bis in den letzten Winkel der modern eingerichteten Wohnung erkennbar. Seit sechs Jahren lebt der 53-Jährige in Gaildorf. Das Berufsleben hat ihn von der Schwäbischen Alb ins Limpurger Land geführt. Was er genau macht, lässt sich nicht so leicht beschreiben. Er führt ein ungewöhnliches Leben. Mal auf der Überholspur, dann wieder im Wartestand. Einen geregelten Acht-Stunden-Tag kennt er nicht mehr, seit er als Freelancer, also Freiberufler, in den Bereichen Motorsport und Filmgeschäft unterwegs ist. Er kann seine Hobbys mit beruflichen Tätigkeiten verbinden, aber auf der Sonnenseite des Lebens sieht er sich deshalb noch lange nicht. Eher als Lebens- oder Überlebenskünstler.

Mehrere Stunden warten

Klaus Bitzer ist ein prima Unterhalter. Man könnte ihm Stunden lang zuhören, wenn er von seiner Arbeit und den Begegnungen mit Leuten aus der Filmbranche erzählt. Zum Beispiel davon, dass er zum Drehort Baden-Baden reist, dort mehrere Stunden auf seinen Einsatz wartet – und die entsprechende Szene dann womöglich rausgeschnitten wird.

Eine Bekannte hatte ihn im Jahr 2014 auf die Idee gebracht, sich als Komparse für Film- und Fernseh-Produktionen zu bewerben. Inzwischen durfte er schon einen Justizvollzugsbeamten, Barbesucher, Taxifahrer oder auch Gerichtsmediziner mimen. Auf seinem Laptop sind alle Streifen gespeichert, auf denen er, wenn auch nur für Bruchteile von Sekunden, zu sehen ist. Am unwohlsten habe er sich bei einem Dreh auf einem Friedhof gefühlt, schildert er, als er als Haustechniker die mDeranipulierte Klimaanlage reparieren musste, während Leichen in die Halle geschoben wurden. Mit Freude denkt er dagegen an die Dreharbeiten zur SWR-Serie „Labaule“ mit Uwe Ochsenknecht in der Hauptrolle, wo er als Uli Hoeneß-Double einen 600 PS starken Audi besteigen durfte. Oder an die ARD-Produktion „Hotel Heidelberg“, als ihm Schauspielerin Annette Frier – allerdings aus Versehen – in die Arme gestolpert sei. Vom Stuttgarter Tatort-Kommissar Richy Müller ist Klaus Bitzer total begeistert. Jetzt wartet er natürlich gespannt darauf, ob er überhaupt oder wie viel von ihm in den kommenden Sendungen zu sehen sein wird.

Bitzers anderes berufliches Standbein ist seine eigene PR-Agentur. Der Faszination Rennsport erlegen, hatte er sich zu Beginn dieses Jahrtausends eine Kamera und einen Presseausweis zugelegt. An den Wochenenden hielt er sich an Rennstrecken und in Boxengassen auf, um Berichte an Tageszeitungen und Motorsport-Magazine zu liefern. Unter den Menschen, die er in diese Szene kennen lernte, war Klaus Wohlfarth, der Inhaber von „KW automotive“. Dem Fichtenberger Unternehmer ist er bis heute dankbar, dass er ihm die Möglichkeit bot, ein neues Berufsfeld zu erschließen. Seit vergangenem Jahr organisiert Bitzer Events für „ZF Racing Sachs Performance“ in Schweinfurt und er ist Repräsentant für einen bulgarischen Auto- und Sportwagenbauer. Das alles sind aber nur Blitzlichter aus Bitzers bewegtem Leben.

Maschinenbau und Automobil-Rennsport

Klaus Bitzer ist am 6. Mai 1964 in Esslingen am Neckar geboren und wuchs in Reichenbach/Fils auf. Nach der Realschule absolvierte er eine Lehre, besuchte die Berufsfachschule Metall in Esslingen und schloss mit der Prüfung zum Betriebsschlosser ab. Jahre später ließ er sich zum Refa-Sachbearbeiter ausbilden. Er war in diversen Maschinenbau-Firmen als Außendienst-Mitarbeiter oder im Vertrieb und schließlich als selbständiger Handelsvertreter tätig. Etwa ab 2000 kristallisierten sich dann die Arbeitsfelder im Bereich des Automobil-
Rennsports heraus. Er ist geschieden und hat ein Kind. hof