Am Morgen zu Besuch bei Würth-Elektronik in Niedernhall, am Nachmittag ein Redaktionsbesuch, dann ein kommunalpolitisches Gespräch mit Bürgermeistern und am Abend ein Bürgergespräch in Hall: Vier Tage vor der Bundestagswahl ist der Terminplan von Andreas Schwarz, dem Vorsitzenden der Landtagsfraktion der Grünen, dicht gedrängt. Der „sehr tüchtigen Abgeordneten“ Jutta Niemann, die das zentrale Thema erneuerbare Energien bearbeite, macht er  fachliche Komplimente. 56 000 neue Arbeitsplätze in diesem Bereich seien in Baden-Württemberg entstanden. Schwarz schlägt gleich einen Bogen zum Besuch bei Würth-Elektronik, einem „hidden champion in der Fläche“, wie er die Firma nennt. „Die wollen mit uns den Weg zum emissionsfreien Fahren gehen“, so Schwarz. Auch um autonomes Fahren sei es bei dem Besuch gegangen. Die Landesregierung hole zu diesem Thema alle Akteure an einen Tisch, Autobauer, Zulieferer und die Wissenschaft. „Ziel ist es, dass das Elektroauto der Zukunft in Baden-Württemberg erforscht, entwickelt, produziert und gefahren wird“, stellt er die Strategie der Regierung heraus.  „Wir haben ein Forum geschaffen, das das Thema kontinuierlich bearbeitet.“ Das sei erfolgversprechender als ein einmaliger Auto-Gipfel, bei dem nichts herauskomme. Es ist unschwer herauszuhören, dass Schwarz diese Methode als Blaupause für eine neue Bundesregierung ansieht. „Wir erwarten, dass die Bundesregierung das Thema mit der gleichen Verve angeht“, meint Schwarz. Mitregieren wollen die Grünen auf jeden Fall, wenn die Voraussetzungen stimmen. Und drittstärkste Kraft im Deutschen Bundestag werden.

„Harald Ebner macht einen guten Job als Umwelt- und Agrarexperte und spricht die richtigen Themen an“, meint der Fraktionschef. „Es geht darum, wer die Richtung bestimmt“, führt Ebner aus. Die Flüchtlingsfrage beispielsweise  hänge auch mit Klimaschutz und fehlenden Bleibeperspektiven im Heimatland zusammen. Keiner spreche das an, nur die Grünen.

Dass die Kreis-Grünen in der Fraktion Gehör finden, zeigt sich bei der Frage von Abschiebungen nach Afghanistan. Diese waren in einer Mitgliederversammlung in Hall scharf kritisiert worden. „In den letzten Monaten ist niemand aus Baden-Württemberg nach Afghanistan abgeschoben worden“, versichert Schwarz. Der Ministerpräsident habe die Bundesregierung zu einer neuen Bewertung der dortigen Sicherheitslage aufgefordert. Gut integrierte und arbeitende Flüchtlinge abzuschieben, sei „ökonomischer Quatsch“, weil die Arbeitskräfte in Deutschland gebraucht würden. Deshalb sei auch ein Einwanderungsgesetz unerlässlich. „Asyl hat nichts mit Einwanderung zu tun“, macht Ebner deutlich.