Blaufelden / Guido Seyerle  Uhr
Der Benediktiner-Pater Anselm Grün aus Münsterschwarzach gibt in Blaufelden Tipps für den Alltag. Der wohl bekannteste deutsche Mönch fasziniert rund 450 Besucher.

Wer in der Öffentlichkeit auffallen will, der muss laut sein. Ständig Neues bieten. Um jeden Preis auf sich aufmerksam machen. Pater Anselm Grün ist genau das Gegenteil davon. Der 74-Jährige gibt sich während der zwei Stunden am Montagabend in Blaufelden unaufgeregt. Der weiche Klang seiner Stimme hat praktisch immer die gleiche Lautstärke. Trotzdem hängen ihm die 450 Zuschauer in der Mehrzweckhalle an den Lippen. Dabei geht es nicht um die schönen Dinge des Lebens, sondern um das Meistern der He­rausforderungen des Alltags.

Der Benediktiner-Pater war zum zweiten Mal in Blaufelden. Vor fünf Jahren war der Andrang so groß, dass kurzfristig eine Videoübertragung aus der Mehrzweckhalle in die Versteigerungshalle nebenan organisiert werden musste, um den 1000 Besuchern Pater Anselm näherbringen zu können. „Doch auch dieses Mal sind wir zufrieden“, sagte Organisator Friedrich Herrmann aus Blaufelden. Vor einem Jahr kam die Zusage, dass der Pater kommen würde – angefragt hatte man bereits lange davor. Dann kann der Veranstalter aus einem Themenpool wählen, den der Pater zur Verfügung stellt. Der „Verein zur Förderung der Jugendarbeit“ entschied sich für „Lebe – nicht nur am Wochenende“.

Glaube Anselm Grün lockt rund 450 Besucher an

Vor dem eigentlichen Vortrag gab es ein Schmankerl: Pfarrer Marcus Götz durfte den studierten Betriebswirt interviewen. Wie lange er noch Vorträge halten wird? „So lange Gott will“, sagte Grün, der sich offiziell im Ruhestand befindet. Doch davon kann man nicht wirklich sprechen. Zwei- bis dreimal pro Woche hält er üblicherweise Vorträge. Aber es kann auch deutlich anstrengender werden. In zwei Wochen fliegt der Pater nach Taiwan, dort werden es dann 45 Veranstaltungen en bloc werden.

Nicht von Gier leiten lassen

Ruhig und in druckreifen Sätzen erklärte Anselm Grün, was ihn antreibt. „Ich möchte die christliche Botschaft so verkünden, dass sie uns hilft, vom Glauben zu leben.“ Für die Menschen wünscht er sich, dass sie sich „Zeit für die Stille nehmen“. Der Benediktiner hofft, dass sich nicht viele von Gier leiten lassen: „Jesus fordert zum Teilen auf.“ Gelebte Solidarität bringe allen Beteiligten etwas.

Die Zuhörer konnten anschließend kurz gedanklich durchatmen, während die Blaufeldener Alphornbläser ihr Können zeigten. Die Basis des anschließenden Vortrags bildete Anselm Grüns neues Buch „Die Kunst bei sich zu bleiben“. Man dürfe das eigene Ego nicht in den Mittelpunkt stellen, nicht zu viel Energie ins „Cool-sein“ stecken. Indirekt erklärte der wohl bekannteste deutsche Mönch, was ihn, der oft als Menschenfänger bezeichnet wird, ausmacht: „Jesus sagt, folgt mir nach und werdet Menschenfänger. Das geht aber nur, wenn man das eigene Herz einsetzt.“

Er hat über 300 Bücher geschrieben, ist für seine guten Tipps im Alltag bekannt.

„Raus aus der Opferrolle“

Viele Berufstätige würden mit negativen Bildern zur Arbeit gehen. Doch man dürfe sich nicht von Problemen mit Kollegen oder dem Chef niederdrücken lassen. „Rufen Sie die Bilder aus Ihrer Kindheit in Erinnerung und bauen Sie sich dort, wo Sie sind, eine eigene Welt auf.“ Man dürfe sich nicht verbissen nur von äußeren Zielen leiten lassen. Die Devise: „Raus aus der Opferrolle.“ Dabei müsse man aber schon selbst reagieren und keine Angst vor Fehlern haben: „Jesus sagt: Lebe aus Vertrauen!“ Der Vergleich mit anderen Menschen bringe nichts. „Wir sind dafür verantwortlich, wie wir mit Emotionen reagieren.“ Dabei dürfe man sich ruhig ärgern. Das sei die Kunst, sich besser abzugrenzen. Sein Schlusswort: „Springe raus und kämpfe. Und habe dabei keine Angst vor Verletzungen!“

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